Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Gesuchter Straftäter klopft am Gefängnis an

Prozess in Aichach

05.11.2019

Gesuchter Straftäter klopft am Gefängnis an

Weil er mit seinem Bruder einen Drogendealer überfallen hatte, musste sich ein 25-Jähriger aus Aichach vor dem Schöffengericht in Aichach verantworten.
Foto: Archivfoto: Katja Röderer

Plus Nach einem versuchten Raubüberfall auf einen Dealer tauchte ein Aichacher ab. Jetzt stellte er sich freiwillig. Warum, machte er im Prozess in Aichach deutlich.

Monatelang suchte die Polizei nach einem 25-Jährigen aus Aichach. Er hatte zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder im April vergangenen Jahres einen Dealer überfallen. Danach war er untergetaucht. Bis er vor Kurzem freiwillig am Gefängnis anklopfte, weil er aus einer anderen Verurteilung noch eine Jugendstrafe absitzen muss. Am Montag saß der 25-Jährige mit Fußfesseln vor dem Schöffengericht am Aichacher Amtsgericht. Er musste sich wegen versuchten Raubs, unerlaubten Handels mit Drogen und Widerstands gegen Polizeibeamte verantworten.

Angeklagter: „Ich habe ein schweres Drogenproblem“

Den versuchten Überfall auf den Dealer gab er sofort zu. Er erklärte auch gleich, warum: „Ich habe ein schweres Drogenproblem und finde selber nicht mehr raus.“ Deshalb brauche er eine Therapie. Bereits mit zwölf Jahren rauchte der heute 25-Jährige seine ersten Joints. Mit 15 Jahren hatte er seine erste Begegnung mit Speed, ein Jahr später griff er zu Ecstacy und weitere zwei Jahre später kamen laut seiner Aussage „LSD und andere Sachen“ dazu.

Schließlich habe er sogar angefangen, Medikamente zu schlucken. „Hauptsache Rausch“, beschrieb der Angeklagte vor Gericht seine Intention. Finanziert habe er alles durch einen kleinen Drogenhandel. Diesen Plan verfolgte er auch im April vergangenen Jahres zusammen mit seinem Bruder und zwei weiteren Bekannten. Wer die beiden anderen gewesen waren, wollte er vor Gericht nicht sagen.

Er und Bruder wollten Marihuana kaufen, aber nicht bezahlen

Sein Bruder hatte mit einem Dealer vereinbart, dass er rund 415 Gramm Marihuana kaufen wolle, das sie dann verkaufen wollten. Treffpunkt für den Handel war der P+R-Parkplatz in Friedberg. Nur den vereinbarten Kaufpreis, 3200 Euro, wollte das Quartett nicht bezahlen. Womit der Angeklagte und seine Begleiter nicht gerechnet hatten: Der Dealer kam mit Begleitschutz. Geplant war, dass der Angeklagte dem Dealer seinen Rucksack, in dem er die Drogen transportierte, entreißen sollte. Der Angeklagte versteckte sich deshalb im Gebüsch.

Genug Zeit, um seinen Plan auszuführen, blieb dem 25-Jährigen jedoch nicht. Kaum hatte er „gib mir deine Tasche“ zu dem Dealer gesagt, habe dieser nach seinem Bodyguard gerufen, sagte der Angeklagte aus. Der Bodyguard kam mit einem Taser – einer Art Elektroschockpistole – und der 25-Jährige fand sich unversehens auf dem Boden wieder.

Gruppe um Angeklagten ergriff ohne Beute die Flucht

Ob er den Rucksack noch zu packen versucht hatte, wusste er nicht mehr. Maskiert sei er bei dem Überfall nicht gewesen. Auf Nachfrage von Walter Hell, Vorsitzender des Schöffengerichts, ob er nicht befürchtet habe, dass der Dealer sich revanchieren könne, zuckte der Angeklagte die Schultern. „Dann wäre es halt so gewesen.“ Letztlich ergriff die Gruppe um den Angeklagten die Flucht – ohne den Rucksack.

Sowohl der Dealer als auch sein Bodyguard sitzen inzwischen im Gefängnis. Vor rund zwei Monaten war der 22-jährige Bruder des Angeklagten vom Schöffengericht wegen versuchten Raubs und unerlaubten Handels mit Drogen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.Dagegen hat er Berufung eingelegt.

Angeklagter will seine Strafe in Entziehungsanstalt absitzen

Der Angeklagte selbst sitzt derzeit im Gefängnis eine zweijährige Jugendstrafe ab. Dazu kommt ein weiteres Jahr Haft, zu dem er wegen Körperverletzung verurteilt worden war. Um von seiner Drogensucht loszukommen, will der 25-Jährige seine Strafe in einer Entziehungsanstalt absitzen. Verteidiger Werner Ruisinger beantragte ein Sachverständigengutachten, ob die medizinischen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Das Schöffengericht stimmte dem Antrag zu. Sobald das Gutachten vorliegt, kommt das Schöffengericht wieder zusammen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren