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Aichach-Friedberg

23.10.2019

Gesundheits-Tipps: Ab wann ist mein Kind zu krank für die Kita?

Kranke Kinder sollten sich besser daheim auskurieren.

Plus Das Gesundheitsamt Aichach-Friedberg gibt Tipps: Wann sind Kinder so krank, dass sie nicht in den Kindergarten gehen können?

Der Anruf kommt mitten im Meeting. Die Kita-Leiterin am anderen Ende der Leitung klingt gestresst: Das Kind habe soeben im Morgenkreis erbrochen und soll bitte schleunigst wieder aus dem Kindergarten abgeholt werden. War das zu erwarten? In welchen Fällen ist es besser, das Kind daheim zu lassen? Und wann kann es noch eine Betreuungseinrichtung besuchen?

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Dr. Friedrich Pürner kennt das Problem. Der Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg hat selbst drei Kinder. Er sagt: „Ein krankes Kind gehört nicht in den Kindergarten.“ Es sollte unbedingt in der Obhut vertrauter Menschen bleiben, bis es wieder gesund ist.

Wie gesund ist das Kind? Eltern und Betreuer bewerten unterschiedlich

Doch wann der Nachwuchs krank ist, bewerten Eltern mitunter anders als das Betreuungspersonal der Kindertagesstätten. Gerade in der kalten Jahreszeit häufen sich deshalb Anrufe beim Gesundheitsamt in Aichach-Friedberg: Zum einen beschweren sich Eltern darüber, dass der Kindergarten ihren Sprössling nicht betreuen will, obwohl er doch gar nicht so krank sei. Zum anderen ruft das Kindergartenpersonal im Gesundheitsamt an, weil kranke Kinder in die Einrichtung gebracht würden.

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Es ist ja auch was dran. Dr. Pürner erklärt, dass die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes solchen Meldungen nachgehen. Er weiß, dass es Eltern gibt, die ihr gesundheitlich angeschlagenes Kind eher noch mal in die Kita schicken, als es daheim zu betreuen. Der Spagat zwischen Kind und Karriere fällt an solchen Tagen etwas schwerer. Der Leiter des Gesundheitsamtes sagt aber auch: „Es gibt Einrichtungen, die gerne hätten, dass Kinder schon mit Husten und Schnupfen daheim bleiben“.

Dabei sei es unproblematisch, ein erkältetes Kind in die Kita zu bringen, solange es kein Fieber hat und einen aufgeweckten Eindruck macht. „Das Immunsystem darf ruhig etwas aufgebaut werden“, findet der Mediziner. Ein Kindergartenkind fange sich im Schnitt etwa zehn bis zwölf Infektionen im Jahr ein. Um möglichst wenig Diskussionen zwischen Eltern und Kita-Personal zu erzeugen, gibt das Gesundheitsamt in diesem Jahr zum ersten Mal Empfehlungen heraus. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein vollständiger Impfschutz am besten vor vielen Infektionskrankheiten schütze.

Dr. Pürner rät, den Nachwuchs nicht in eine Gemeinschaftseinrichtung zu schicken, wenn er nachts erbrochen hat oder schon am Vorabend oder wenn er Durchfall hat. Auch mit Fieber sollte ein kleines Kind nicht in die Kita müssen. „Sie leiden da wirklich“, gibt Dr. Pürner zu bedenken. Die Kranken seien schlecht beieinander und stecken andere Kinder in der Einrichtung an. Die Ausrede, dass das Kind sicher nur etwas Schlechtes gegessen habe, lässt Dr. Pürner bei Erbrechen nicht gelten. Verträgt ein Kind bestimmte Lebensmittel nicht, sei dies doch meist bekannt. In den allermeisten Fällen stecke ein Virus hinter Erbrechen oder Durchfall.

Früher, als die meisten Großeltern ganz in der Nähe wohnten und sich an der Kinderbetreuung beteiligen konnten, habe es auch mehr Erfahrene im Umfeld der Eltern gegeben. Das hätte einiges erleichtert, sagt Dr. Pürner. Heute sei da eine Verunsicherung spürbar.

Gesundheits-Tipps: Erfahrungen aus einem Aichacher Kindergarten

Wie in jeder Kindertagesstätte gibt es auch im Aichacher Kindergarten Lebensraum immer mal wieder den Fall, dass ein krankes Kind abgeholt werden muss. Sieglinde Sailer sagt, dass die Betreuer Fieber messen, wenn sie den Eindruck haben, dass ein Kind krank sein könnte, und dass es dann heimgeschickt werde. Die Eltern seien aber einsichtig, Diskussionen gebe es in der Regel nicht. „Die Mamas müssen natürlich arbeiten“, erklärt Sieglinde Sailer, das sei schon klar. Aber der Kindergarten habe keine Krankenstation. „Wir sollen mit den Kindern pädagogisch arbeiten“, erklärt Sieglinde Sailer. Das sei mit kranken Sprösslingen aber gar nicht möglich. Ihr geht es nicht allein um die Ansteckungsgefahr für die anderen Kinder in der Einrichtung. Sieglinde Sailer weist darauf hin, dass es für ein erkranktes Kind sehr schwierig sei, den Tag in einer Gruppe von 25 Kindern mit entsprechendem Lärmpegel auszuhalten.

Zumindest finanziell dürfen berufstätige Eltern auf Unterstützung hoffen: Gesetzlich Versicherte können Krankengeld für die Tage beantragen, an denen ihr Arbeitgeber keinen Lohn bezahlt, weil sie gerade ihr krankes Kind daheim versorgen. In jedem Jahr bekommt jeder Elternteil für zehn Tage Krankengeld, wenn beide arbeiten. Pro Kind sind es also 20 Tage. Alleinerziehende haben Anspruch auf 20 Arbeitstage. Bei mehreren Kindern kann jeder Elternteil insgesamt 25 Arbeitstage pro Jahr Kinderkrankengeld erhalten. Pro Tag gibt es 90 Prozent des täglichen Nettoeinkommens, maximal sind es derzeit knapp 106 Euro.

Mit diesen Krankheiten darf Ihr Kind nicht in die Kita

Infektionskrankheiten Das Infektionsschutzgesetz verbietet das Betreten einer Gemeinschaftseinrichtung bei Cholera, Diphtherie, Enteritis durch enterohämorrhagische E. coli (EHEC), virusbedingtem hämorrhagischen Fieber (zum Beispiel Ebola, Gelbfieber, Lassa-Fieber, Dengue-Fieber), Haemophilus influenzae Typ b-Meningitis, Impetigo contagiosa (ansteckender Borkenflechte), Keuchhusten, ansteckungsfähiger Lungentuberkulose, Masern, Meningokokken-Infektion, Mumps, Paratyphus, Pest, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Röteln, Scharlach oder sonstigen Streptococcus pyogenes-Infektionen, Shigellose (Durchfallerkrankung), Skabies (Krätze), Typhus abdominalis,

Virushepatitis A oder E, Windpocken, Läusebefall, infektiöser Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung). Und zwar schon dann, wenn ein Verdacht auf eine dieser Krankheiten besteht.

Fieber Kinder mit Fieber (etwa über 38 Grad Celsius unter dem Arm oder 38,5 Grad Celsius im Po oder mit dem Ohrthermometer) bleiben daheim. Auch Kinder, die am Tag zuvor oder in der Nacht Fieber hatten, gehen nicht in die Betreuungseinrichtung. Wer nachts fiebersenkende Mittel verabreicht, sollte nicht davon ausgehen, dass das Kind am nächsten Tag gesund in die Kita gehen kann.

Durchfall/Erbrechen Kinder, die sich übergeben oder Durchfall haben, dürfen frühestens 48 Stunden nach dem letzten Erbrechen oder Durchfall wieder in die Kita. Breiige Stuhlveränderungen ohne Krankheitssymptome zählen nicht dazu.

Schlapp und müde Kinder, die stark unter ihren akuten Symptomen leiden, also zum Beispiel ganz erschöpft sind von ihrem Husten, bleiben besser daheim.

Bindehautentzündung Die roten Augen einer Bindehautentzündung sind häufige Begleiterscheinung einer Erkältung. Andere Kinder können sich durch Schmierinfektionen anstecken. Tritt eine Bindehautentzündung ohne Erkältung auf, könnte auch ein Virus (Adenovirus) dahinterstecken, der sehr ansteckend ist und vom Augenarzt sicher erkannt werden kann. Erst, wenn das Kind keine roten Augen mehr hat, kann es wieder in die Einrichtung.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Kranke Kinder in Kita bringen? Entscheidung liegt bei Eltern

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