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Natur

20.11.2018

Gibt es in Aichach-Friedberg bald keine Eschen mehr?

Dutzende Eschen im Landkreis müssen gefällt werden.
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Dutzende Eschen im Landkreis müssen gefällt werden.
Bild: Mareike König

Seit Jahren setzt ein Pilz den Bäumen zu. In den Wäldern sind heuer alle Setzlinge dieser Art eingegangen. So reagieren private und öffentliche Forstbetreiber.

Wolfgang Schwair steht an der Schützenstraße in Friedberg und zeigt auf ein Grundstück direkt hinter der B300-Unterführung: Dutzende Bäume liegen auf dem Gelände. Schwair ist Anwohner, für die Abholzaktion hat er kein Verständnis: Die Bäume würden nur aus wirtschaftlichen Gründen gefällt, vermutet er. Das Grundstück gehört einem privaten Besitzer, der selbst vor Ort ist, um sich um die Pflanzen zu kümmern. Er deutet auf die Stämme, an denen nur noch verkümmertes Laub hängt: Die Bäume seien krank gewesen. Eschentriebsterben, berichtet der Mann. Um noch einen guten Preis für sein Holz erzielen zu können, habe er fällen müssen.

Es ist nicht der einzige Fall dieser Art im Landkreis. Seit rund zehn Jahren setzt ein Pilz den Bäumen zu. Verschwindet die Art bald ganz aus den Wäldern in der Region? Düstere Prognosen gibt Bernhard Breitsameter von der Waldbesitzervereinigung Aichach: „Die Aussichten werden von Jahr zu Jahr schlechter. Wir vermuten, dass heuer weit unter zehn Prozent des Bestandes im Landkreis überleben. Das ist ganz akut.“ Um diese Art doch noch zu retten, sei es enorm wichtig, keine genveränderten Nutzpflanzen anzupflanzen. „Wir hoffen, dass durch den verengten Genpool die Art doch irgendwie gerettet werden kann“, sagt Breitsameter.

Zum ersten Mal wurde der Krankheitserreger 2007 in Deutschland nachgewiesen. In Bayern gab es die ersten größeren Schäden im Frühjahr und Sommer 2008. Verantwortlich ist ein Pilz namens Chalara fraxinea, der die Gefäße der Eschen befällt. Betroffen sind alte und junge Bäume. Bei älteren Pflanzen wird die Krone immer lichter. Bei jungen Bäumen fängt der noch dünne Stamm plötzlich an zu welken. Es bilden sich zwar viele neue Triebe. Das führt allerdings dazu, dass sich kein richtiger Baumwipfel entwickelt. Stattdessen wächst die Pflanze ähnlich wie ein Busch. Im fortgeschrittenen Stadium sterben schließlich Teile der Krone oder gleich der gesamte Baum. Wie auch der Buchsbaumzünsler stammt Chalara fraxinae aus Ostasien. Experten gehen davon aus, dass sich die Sporen des Pilzes über die Luft verbreiten. Immer wieder infizieren sich nämlich auch isolierte Bestände.

Manche Eschen scheinen resistent zu sein

Die Untere Naturschutzbehörde beobachtet das Eschentriebsterben seit einigen Jahren. Das Problem habe sich in der Zeit allerdings nicht weiter verschlimmert, heißt es von der Behörde. Der Pilz habe sich schleichend ausgebreitet. Und er werde das weiter tun – bis zum Verschwinden der Art. Allerdings gibt es Hoffnung für Waldbesitzer. Denn einigen wenigen Bäumen scheint der Pilz nichts anhaben zu können. Man hoffe nun darauf, die Art durch die Züchtung resistenter Jungpflanzen neu zu begründen, so die Experten des Landratsamts.

Anton Wernberger-Späth von der Forstbetriebsgemeinschaft Aichach-Friedberg berichtet: „Das Eschentriebsterben ist für Waldbesitzer wirklich ein Problem.“ Heuer seien sämtliche frisch gepflanzte Eschen im Revier eingegangen. Zwar gebe es in den hiesigen Wäldern vergleichsweise wenige Laubbäume, weshalb der Schaden durch das Eschentriebsterben kleiner sei als der, den der Borkenkäfer verursache . „Wir versuchen jetzt ja aber mehr zu mischen und gezielt mehr Laubbäume anzupflanzen“, sagt Wernberger-Späth. Auf die Esche müsse man dabei erst einmal verzichten.

Er kann gut nachvollziehen, warum ein Waldbesitzer entscheidet, die Bäume sofort zu fällen. Wenn man merke, dass die einzelnen Blätter absterben, müsse man schnell handeln, um das Holz noch verkaufen zu können, sagt Wernberger-Späth. Esche ist ein wirtschaftlich wichtiges Holz. Es eignet sich zum Beispiel für massive Tischplatten oder Treppen. „Momentan gibt es noch genug am Markt. In ein paar Jahren wird es Mängel geben“, prognostiziert Wernberger-Späth.

Wie aber reagieren Besitzer auf das Eschentriebsterben, für die die Bäume ökonomisch wenig relevant sind – zum Beispiel die Stadt Aichach? Richard Brandner vom Bauamt sagt: „Wenn Eschen betroffen sind, dann wird nicht sofort radikal gerodet. Es wird erst geprüft, ob das nötig ist.“ Maßgeblich sei zum Beispiel die Sicherheit für Menschen und Verkehr. Kranke Bäume am Straßenrand oder in Parkanlagen müssten entfernt werden, denn sie könnten umfallen.

Als Ersatz lässt der Bauhof zum Beispiel Eichen pflanzen. Befallene Eschen, die in einem Wäldchen stehen, würden dagegen stehen gelassen. Häufig werden sie auf sechs bis sieben Meter gestutzt. „Das Totholz ist eine ökologische Bereicherung, denn es schafft seltenen Lebensraum“, so Brandner. In der Stadt hält sich der Befall laut ihm jedoch in Grenzen: „Unser Gärtner beobachtet die Situation laufend. Es ist nicht exorbitant. Für den Bestand besteht hier auch langfristig wohl keine große Gefahr.“

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