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Ernährung

01.09.2018

Großer Andrang bei Obstpressen im Wittelsbacher Land

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Alles automatisch läuft bei der Safterei der Familie Karl im Inchenhofener Ortsteil Ried. Vorne im Bild ist die Waschanlage, hinten die Anlage, aus der der fertige Saft kommt.
Bild: Gerlinde Drexler

In diesem Jahr tragen viele Bäume reichlich Früchte. Entsprechend groß ist der Andrang bei den Obstpressen – zum Beispiel in Kühbach und Ried.

In Gummistiefeln und mit Schürze steht Peter Schlecht an der Obstpresse des Kühbacher Gartenbauvereins. Bei ihm herrscht Hochbetrieb. Genauso wie bei Helga und Andreas Karl, die im Inchenhofener Ortsteil Ried ihre Safterei betreiben. Weil die Apfelernte heuer besonders reich ausfällt, sind viele Kunden froh, ihr Obst als Saft lagern zu können.

So geht es auch Andrea Neukäufer aus Pöttmes. Sie hat die Äpfel schon zu Kompott, Gelee, Strudel, Mus und Kuchen verarbeitet. Jetzt bringt sie zusammen mit ihrer Schwägerin Gerlinde Mehner einige Kilos zur Safterei von Familie Karl. Es wäre doch schade, das Obst verkommen zu lassen, sagt Mehner und kippt einen Sack voll Äpfel in die Waschanlage der Maschine.

„Wellness für die Äpfel, bevor sie geköpft werden“, nennt Andreas Karl augenzwinkernd seine Waschanlage. Bei seiner Safterei geht alles automatisch. Aus der Waschanlage werden die Äpfel in den Zerkleinerer transportiert und laufen von da durch die Presse. Der ausgepresste Saft läuft automatisch in die Zentrifuge, wo die Schwebteilchen herausgefiltert werden. Im Durchlauferhitzer wird der Saft erhitzt und anschließend abgefüllt. Je nach Wunsch der Kunden in Flaschen oder Schlauchbeutel. Nur 15 bis 30 Minuten – je nach Menge der Äpfel – dauert der ganze Vorgang.

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Obstpressen liefen zum Teil früher an als sonst

Seit Ende Juli, also rund zwei Wochen früher als sonst, läuft die Obstpresse bei Familie Karl. „Heuer ist besonders viel los, weil die Bäume so viel tragen und die Leute nicht wissen, wohin damit“, erzählt Helga Karl. Sie kann sich an kein Jahr erinnern, in dem es so viel Obst gegeben hatte wie heuer. Dafür hat sie jede Menge Geschichten auf Lager, was sie mit ihren Kunden schon alles erlebt hat.

Einmal kam zum Beispiel einer und brachte eine Ladung Ananas zum Pressen. „Der Saft hat gut geschmeckt“, sagt Helga Karl. Andere streuten für den besonderen Geschmack Zitronenmelisse unter die Äpfel oder mischten bei der Abfüllanlage zum Beispiel Kirschsaft unter. Womit sich fast alle Kunden schwer tun: die Menge der Äpfel abzuschätzen. Davon kann auch Peter Schlecht in Kühbach ein Lied singen. Um die Zeit zur Verarbeitung der Äpfel einschätzen zu können, fragt er immer, wie viel Zentner die Leute mitbringen. Aus dem angeblich einen Zentner werden dann meistens doch mehr. Schlecht kann sich an einen Tag erinnern, an dem gleich alle Kunden mit ihrer Schätzung danebenlagen: „Jeder hat mindestens das Doppelte dabei gehabt.“

Er weiß am Ende des Tages, was er geleistet hat, denn bei ihm ist noch alles Handarbeit. Mit Hilfe einer Hebeanlage schüttet er die Äpfel in einen Zerkleinerer , von wo sie in einen großen Bottich fallen. Anders als in Ried gibt es hier keine „Wellness“, also ein Bad für die Äpfel. Sie landen so, wie die Kunden sie bringen, im Zerkleinerer und kommen von da in die Druckpresse.

Wie die Früchte zu Saft werden

Bis zu neun Schichten baut Schlecht in der Presse auf. Jede Schicht besteht aus einer Art Netztuch, in das die Apfelmasse von Hand gefüllt wird. Darauf kommt eine Holzplatte, auf die die nächste Schicht aufgebaut wird. Mit rund 300 Bar Druck wird die Apfelmasse ausgepresst. Übrig bleibt der Trester, die ausgepresste Apfelmasse. Die bekommt ein Jäger aus Aichach, der sie im Winter an das Wild verfüttert.

Normalerweise wird der Saft nun auf rund 80 Grad erhitzt, damit er länger haltbar ist. Darauf verzichtet das Ehepaar Riedlberger aus Klingen (Stadt Aichach). Sie wollen den Apfelsaft selbst einkochen und dann in Flaschen abfüllen. „Die Arbeit darf man nicht rechnen“, sagen sie. Was sie an der Kühbacher Anlage schätzen: man bekommt den Saft aus den eigenen Äpfeln. Damit der gut schmeckt, haben die Klingener ein Gemisch aus verschiedenen Sorten zum Entsaften gebracht. Sind am Ende eines langen Tages die Kunden in Kühbach und Ried weg, beginnt in den Saftereien das große Putzen. Penibel wird alles sauber gemacht, damit sich nirgendwo Bakterien ansetzen können. Dann ist alles bereit für den nächsten Ansturm.

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