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Aichach

27.01.2020

Grüne: Radler haben es in Aichach schwer

Brennpunkt Bahnhof: Radler, die von der Innenstadt kommen und am Bahnhof links abbiegen wollen, müssen in der starken Rechtskurve besonders gut aufpassen. Deshalb fordern die Grünen mit diesem Rad: "Ich will hier rüber."
Bild: Erich Echter

Plus Aichachs Grüne machen mit „sprechenden“ Fahrrädern auf neuralgische Punkte aufmerksam. Ihnen geht es um Querungshilfen und neue Durchfahrten.

Fahrräder, die „sprechen“, sind seit ein paar Wochen in Aichach zu finden. „Ich will hier durch“, hat ein Drahtesel zum Beispiel bis vor Kurzem an der Donauwörther Straße gefordert. Und „Ich will hier rüber“ ist seit einigen Tagen auf einem alten Fahrrad in der Kurve am Bahnhof zu lesen. Eine Sonnenblume verrät, was keine Überraschung ist: Es handelt sich um eine Aktion des Grünen-Ortsverbands Aichach. Die Partei will an neuralgischen Punkten auf die Probleme von Radfahrern im Stadtverkehr aufmerksam machen.

Das Türchen ist zu am Weg entlang des Flutgrabens, der Donauwörther Straße und den Oberbernbacher Weg verbindet. Der Zaun ist eine Absturzsicherung.
Bild: Carmen Jung

Christine Baier, eine der Grünen-Ortssprecherinnen, spricht von der „guten Idee“ eines Mitglieds, die seit Mitte Dezember umgesetzt werde. Bei den Aichacher Grünen kümmert sich seit rund einem Jahr ein Arbeitskreis Verkehr schwerpunktmäßig um die Radfahrer in der Stadt. Schon im Sommer 2018 haben die Grünen laut Baier Bürgermeister Klaus Habermann ein eigenes Radkonzept überreicht. Insgesamt finden die Grünen, dass die Radler zu kurz kommen. „Radfahrer haben viele Sorgen in Aichach. Es geht uns nicht gut“, sagt Baier.

Die Grünen kritisieren die Situation in der Oberen Vorstadt

Baier nennt ein Beispiel der jüngsten Vergangenheit: die Obere Vorstadt. An den Radverkehr habe dabei niemand gedacht. Das sei ärgerlich. Die eigens ausgewiesenen Felder für die Radler vor den Autoschlangen an der Ampel bezeichnet sie als Schildbürgerstreich. Radler müssten zwischen den Autos hindurch. Das sei gefährlich. „Ich würde das nie machen“, so Baier. Die Kritik im Zusammenhang mit der Oberen Vorstadt wollen andere politische Gruppierungen im Stadtrat den Grünen nicht zugestehen. Die Grünen-Vertreterinnen hätten die Pläne schließlich mitgetragen, heißt es von ihnen.

Zurück zur Fahrrad-Aktion: Die Grünen wollen es dabei nicht bewenden lassen. Sie überlegen auch, ein Bürgerbegehren „Fahrrad für Aichach“ zu initiieren. Dann müsse sich der Stadtrat mit dem Thema beschäftigen, so Baier. Vier Standorte haben sich die Grünen bislang für ihre „sprechenden“ Räder ausgesucht:

Oberbernbacher Weg Beide Wege entlang des Flutgrabens sind nur auf den ersten Blick eine ideale Verbindung für Radler zwischen Oberbernbacher Weg und Donauwörther Straße. Doch sie sind abgeriegelt. „Ich will hier durch“, forderte deshalb eines der sprechenden Räder wochenlang. Doch so einfach ist das nicht. Laut Michael Thalhofer vom Stadtbauamt handelt es sich nicht um Geh- und Radwege, sondern um Wege zur Wasserbewirtschaftung. Sie sind noch dazu bis auf ein Teilstück in Privatbesitz.

„Ich will hier durch“: Mit diesem Rad fordern die Grünen eine Verbindung von der Ludwigstraße hinüber zur Schulstraße beim Pfarrzentrum.
Bild: Carmen Jung

Das ist auch der Grund, warum der Weg bei der Firma Zenker versperrt ist. Das Unternehmen müsse sein Betriebsgelände aus verkehrstechnischen Gründen einzäunen, so Thalhofer. Auch der Weg südlich des Flutgrabens ist keine Alternative. Ein Zaun, wenn auch mit Türchen, riegelt ihn von der Donauwörther Straße ab. Er wurde als Absturzsicherung für Fußgänger und Radfahrer an der Donauwörther Straße angebracht. Den Weg zu öffnen, gehe nicht so einfach. Da seien, abgesehen von den Besitzverhältnissen, noch weitere Aspekte zu klären. So habe auch der Straßenbaulastträger, das Staatliche Bauamt, ein Wort mitzureden, so Thalhofer.

Donauwörther Straße Ein Rad demonstrierte „Ich will hier rüber“. Die Grünen fordern eine Querungshilfe auf Höhe des San-Depots.

Bahnhofstraße Das „Ich will hier rüber“-Rad ist inzwischen umgezogen an die scharfe Rechtskurve unmittelbar vor dem Bahnhof – von der Innenstadt aus gesehen. Laut Christine Baier haben es Radfahrer zum Bahnhof beim Linksabbiegen vor allem beim „Wahnsinnsverkehr“ zu den Stoßzeiten sehr schwer. Die Grünen fordern deshalb eine Sicherung oder ein Limit von Tempo 30 für Autofahrer.

Ludwig-Steub-Schule An der Grundschule steht auf einem Erwachsenen- neben einem Kinderrad „Ich will hier durch“. Die Grünen fordern „schon lange bei der Stadt“ (Baier) eine öffentliche Radverbindung von der Schulstraße auf Höhe des Pfarrzentrums westlich der Grundschule bis hinüber zur Krankenhausstraße.

Weitere Standorte Laut Christine Baier ist die Liste mit neuralgischen Punkten noch sehr lang. Die Räder sollen immer wieder umziehen, um auf diese Punkte aufmerksam zu machen.

Brennpunkt Bahnhof: Radler, die von der Innenstadt kommen und am Bahnhof links abbiegen wollen, müssen in der starken Rechtskurve besonders gut aufpassen.
Bild: Erich Echter

Stellungnahme: So beurteilt die Polizei die Situation der Radfahrer in Aichach

Wie gut geht es dem Radfahrer in Aichach? Hannes Stiegler vom Sachgebiet Verkehr bei der Aichacher Polizei hält die Situation für grundsätzlich in Ordnung. Er spricht von „Jammern auf hohem Niveau“. Es gebe keine Straße mit einer absoluten Gefahrenstelle, stellt er auf Anfrage fest. Voraussetzung: „Wenn man sich an die Regeln hält, ist es sicher.“

Die Aktion der Grünen sieht Stiegler nicht unkritisch. Sie mache Menschen aufmerksam und lenke sie vom Verkehrsgeschehen ab. „Das sollte nicht sein“, so Stiegler, der auch Kinder aus Pappe am Straßenrand nicht so gerne sieht.

Kritik an den Haltezonen für Radler an den Ampeln in der Oberen Vorstadt kann Stiegler nicht verstehen. Sie seien eine „super Sache“. Der Autofahrer habe die Radfahrer vor sich. Das sei wichtig wegen des toten Winkels.

Wie steht der Fachmann zu Querungshilfen für Radfahrer? Bei der Planung des Ausbaus der Bahnhofstraße bis zur Donauwörther Straße sollte man die Radfahrer im Hinterkopf behalten. Doch man müsse allen Interessen nachkommen. Die Donauwörther Straße sei für Radfahrer nicht schwierig, wenn sie sich so verhielten, wie sie es in der Jugendverkehrsschule gelernt hätten. Je mehr Beschilderungen und Querungshilfen es gebe, umso unübersichtlicher sei die Situation für Autofahrer. Ohnehin zeige die Erfahrung, dass viele anstelle von Querungshilfen spontan eigene Übergänge suchen.

Grundsätzlich wäre bei gegenseitiger Rücksichtnahme und vorausschauendem Fahren alles in Ordnung. „Wenn es jeder richtig macht, kann ich mir vieles sparen“, betont der Fachmann.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Rad-Aktion der Grünen in Aichach: Ist das ein Thema?

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