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Aichach-Friedberg

18.08.2020

Grünen-Abgeordnete: Unglaublich, was Verschwörungstheoretiker alles glauben

Christina Haubrich, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Merching, macht keinen Hehl daraus, dass sie die große Sorge hat, dass im Herbst durch Feste und Urlaubsrückkehrer eine zweite Infektionswelle ausbricht.
Bild: Wolfgang Kauer

Plus Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, berät ihre Landtags-Kollegen in der Corona-Pandemie. Für was sie Aichachs Gesundheitsamtsleiter Friedrich Pürner kritisiert.

Nein, Christina Haubrich, schüttelte den Kopf. Sie macht heuer keinen Sommerurlaub. Auch das Familienfest, das zum runden Geburtstag ihres Mannes geplant war und ausgefallen ist, wird nicht nachgeholt. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen will sich damit nicht profilieren.

Sie berichtet im Sommergespräch mit unserer Redaktion erst auf Nachfrage über ihre persönlichen Konsequenzen aus der Corona-Krise, die im Vergleich zu wirtschaftlichen Problemen und Einschränkungen anderer Menschen auch sehr überschaubar seien. Aber Haubrich macht keinen Hehl daraus, dass sie die große Sorge hat, dass im Herbst durch Feste und Urlaubsrückkehrer eine zweite Infektionswelle ausbricht. Und dazu möchte sie nicht beitragen.

Die ausgebildete Krankenschwester sieht wieder mehr "normale" Infektionen

Haubrich, 49, hat als Krankenschwester einen geschulten Blick auf die Entwicklung. Sie macht ihre Bedenken an den steigenden Infektionen in den vergangenen Wochen fest. Aber nicht allein an den Covid-19-Zahlen, sondern an den üblichen Ansteckungskrankheiten durch Viren wie Schnupfen und Sommergrippe. Die seien in den Lockdown-Wochen durch die Einschränkung der sozialen Kontakte und Hygieneregeln massiv gesunken. Wenn sie jetzt wieder steigen, ist das für Haubrich, die 2018 über die Liste den Sprung in den Landtag schaffte, ein deutliches Zeichen dafür, dass einige Menschen wieder sorgloser werden, Abstände nicht mehr einhalten und auch die Maskenpflicht nur widerwillig befolgen.

Klar sei auch, dass eine Dunkelziffer zu den erfassten Infektionen dazugerechnet werden müsse. Sie wünscht sich auch als Mutter von schulpflichtigen Kindern, dass in drei Wochen der Unterricht wieder ganz normal startet. Doch sie ist skeptisch. Die Oppositionspartei ist sich einig mit der Regierung, dass ein zweiter Lockdown unbedingt vermieden werden muss. Darunter würden besonders die kleinen Kinder, die Familien und alleinlebenden Senioren leiden. Ganz abgesehen davon, welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine Wiederholung hätte. Haubrich: „Man wird alles daran setzen, es anders in den Griff zu kriegen.“

49-Jährige aus Merching berät den Fraktionsvorstand der Grünen im Landtag

Das wird aber nicht einfach und die Merchingerin erfährt natürlich hautnah, dass es eine ganze Reihe von Menschen in diesem Land gibt, die das Virus als reine Erfindung abtun und die Gefahr für die Bevölkerung leugnen. In ihrem E-Mail-Eingang schlagen seit Monaten jede Menge krude Verschwörungs-Theorien auf, die sie nicht kalt lassen: „Es ist heftig, was die Leute alles glauben. Das macht mir echt Angst.“

Dabei ist sie am Thema fachlich nah dran: Die Merchingerin berät als gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Partei den Fraktionsvorstand um Ludwig Hartmann und Katharina Schulze intensiv in der Pandemie. Sie ist in Kontakt zu Wissenschaftlern, befasst sich mit einschlägigen Studien und neuen Erkenntnissen. Der Zeitaufwand sei enorm, aber sehr wichtig, damit ihre Landtagskollegen immer aktuell über die Entwicklungen informiert sind und eine fundierte Entscheidungsgrundlage haben: „Als Gesundheitspolitikerin ist es für mich das Allerwichtigste, die Gesundheit der Menschen zu schützen.“

Friedrich Pürner, Leiter des Aichacher Gesundheitsamtes, war im Juni in der Öffentlichkeit in Kritik geraten.
Bild: Stefan Puchner

Corona-Ausbruch auf Spargelhof: Gesundheitsamtsleiter geriet in die Kritik

Die Rolle des Aichacher Gesundheitsamtsleiters Friedrich Pürner in der Bewältigung der Covid-19-Krise im Wittelsbacher Land sieht sie durchaus kritisch. Pürner war insbesondere im Zuge des massiven Corona-Ausbruchs auf dem Spargelhof Lohner in Inchenhofen im Juni in der Öffentlichkeit in die Kritik geraten.

Dort waren insgesamt 96 von 525 Mitarbeitern positiv auf das Virus getestet worden. Pürner habe fachlich zweifellos Qualitäten, sagt Haubrich. Sie könne aber nicht verstehen, dass Erntehelfer vorab abreisen und damit das Virus theoretisch über ganz Europa verbreiten konnten. Überhaupt nicht gut findet Haubrich Pürners öffentliche Aussage, dass er persönlich den Nutzen der Corona-Warnapp für fraglich halte und sie deshalb auch nicht herunterlade. Als Gesundheitsamtsleiter habe Pürner eine „Vorbildfunktion für andere Menschen“.

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