Newsticker
Bericht: Merkel lässt sich am Freitag mit AstraZeneca impfen
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Grünstreifen für die Artenvielfalt neben Straßen in Aichach-Friedberg

Aichach-Friedberg

28.01.2021

Grünstreifen für die Artenvielfalt neben Straßen in Aichach-Friedberg

Blühflächen entlang von Straßen sollen Lebensraum für Insekten bieten.
Foto: Hertha Stauch (Symbol)

Plus Am Straßenrand soll im Landkreis Aichach-Friedberg gegen das Artensterben gekämpft werden. Allerdings müssen auch die Kommunen mitziehen.

"Rettet die Bienen" war das plakative Schlagwort, unter dem 2019 in Bayern gegen das Insektensterben unterschrieben wurde. Das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte des Freistaats hat einiges in Gang gebracht. Für mehr Artenvielfalt muss einiges neu gedacht werden - das ist mittlerweile Konsens in Gesellschaft und Politik. Kreisrätin Claudia Eser-Schuberth (Grüne) stellte einen Antrag ihrer Fraktion im Bauausschuss vor: "Wir sollten überall dem Artensterben entgegenwirken." Überall heißt im konkreten Fall: Auf den Grünstreifen neben den Straßen im Wittelsbacher Land. Der Landkreis soll laut dem Antrag ein Konzept für die Pflege des Grünlands entlang der Straßen entwickeln. Das kommt, aber etwas anders als von den Grünen vorgeschlagen.

Landrat Klaus Metzger gab zu verstehen, dass er und seine Verwaltung dem Thema inhaltlich zustimmten, der Antrag allerdings einige Änderungen brauche. Um dem Bauausschuss das Thema zu erläutern, war die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, Manuela Riepold, in der Sitzung. Sie erklärte, dass der Landkreis nicht auf allen Straßen ein Konzept bestimmen könne, weil die Kommunen an vielen Orten das Sagen hätten. "Wir können den Gemeinden nichts befehlen, aber wir können sie begleiten", sagte Riepold. Daher schlug sie vor, die Bauhöfe in der Pflege der Grünflächen zu schulen.

Aichach-Friedberg: Verkehrssicherheit ist am Straßenrand wichtig

Andreas Bezler, Sachgebietsleiter der Tiefbauabteilung im Landratsamt, erklärte, dass man sich bei dem Konzept für die kreiseigenen Straßen (rund 200 Kilometer) an die Leitlinien zur "Ökologischen Aufwertung von Straßenbegleitflächen" des bayerischen Bauamts halten werden. In diesen Leitlinien ist beispielsweise festgelegt, unter welchen Bedingungen Grünflächen gemulcht und unter welchen Bedingungen sie nur gemäht werden sollen. Beim Mulchen werden die Gräser nicht nur abgeschnitten, sondern direkt verkleinert. Bisher ist das an Straßenrändern gängige Praxis, unter der neuen Leitlinie wäre das nicht mehr überall möglich.

In der Leitlinie wird zwischen Intensivbereich und Extensivbereich unterschieden. Der Intensivbereich ist direkt an der Straße und muss daher häufiger gemäht (oder gemulcht) werden. "Da geht es um die Verkehrssicherheit, dass zum Beispiel die Leitposten zu sehen sind", erklärt Riepold. Am Extensivbereich weiter von der Straße entfernt wird der ökologische Aspekt wichtiger.

Aichach-Friedberg: 30.000 Euro für Pflegekonzept der Grünflächen an Straßen

Kreisrat Simon Kuchlbauer (AfD) wollte wissen, warum für das Pflegekonzept eine externe Firma beauftragt werden müsse und ob durch die Vernetzung der Straßenränder invasive Pflanzenarten sich weiter verbreiten könnten. Bezler erklärte, dass vor dem neuen Konzept eine Bestandserfassung erfolgen müsse, um festzustellen, welche Flächen überhaupt genutzt werden könnten. Für die Bestandserfassung fehlt es Bezler zufolge nicht an Know-how im Landratsamt, sondern an Personal.

Zur zweiten Frage erklärte er, dass invasive Arten im Landkreis im Auge behalten werden würden. "Wenn etwas auftritt, was uns Schwierigkeiten macht, kümmern wir uns darum", sagte Bezler. Riepold fügte noch hinzu, dass das Vorkommen invasiver Arten unabhängig davon sei, ob Flächen mit einem Mulchgerät oder einem Mähgerät bearbeitet würden.

Die Grünen zogen ihren Antrag zurück. Kreisrätin Eser-Schuberth fand es gut, dass die Verwaltung noch einige Punkte eingearbeitet habe: "Der Geist des Antrags, um den ging es." Und der sei in dem Vorschlag der Verwaltung bewahrt. Der Bauausschuss stimmte daraufhin einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung zu. Jetzt sind 30.000 Euro im Haushalt 2021 dafür eingeplant, die Grünstraßen entlang kreiseigener Straßen zu analysieren und ein Pflegekonzept zu erstellen. Auch die Schulungen für die Bauhöfe der Kommunen sind damit abgedeckt.

Straßennetz: Insgesamt rund 2000 Kilometer in Aichach-Friedberg

  • Autobahn Der A8-Abschnitt durch das Wittelsbacher Land von Augsburg bis zum Rastplatz Adelzhauser Berg ist rund 20 Kilometer lang.
  • Bundesstraßen B300 (Friedberg - Kühbach) und B2 (Friedberg - Merching - Steinach) führen zusammen 55 Kilometer durch den Kreis.
  • Staatsstraßen Im nördlichen Kreis verlaufen 2047 (Baar - Aichach - Altomünster), 2045 (Baar -Pöttmes-Grimolzhausen), 2338 (Aichach - Klingen - Adelzhausen - Eurasburg - Freienried), 2035 (Affing - Mühlhausen - Pöttmes), 2381 (Affing - Mühlhausen - Thierhaupten). Insgesamt ist das Staatsstraßennetz im Landkreis Aichach-Friedberg 180 Kilometer lang.
  • Kreisstraßen Der Kreis selbst unterhält ein Straßennetz von rund 200 Kilometer. Davon sind 50 Kilometer Ortsdurchfahrten. Die Asphaltfläche allein der Kreisstraßen beläuft sich auf 1,3 Quadratkilometer. Neben den Kreisstraßen laufen über 80 Kilometer begleitender Radwege dazu.
  • Kommunale Straßen Für Innerorts- und Gemeindeverbindungsstraßen sind die 24 Kommunen zuständig. Die Stadt Aichach unterhält zum Beispiel in Kernstadt, 16 Ortsteilen und den Ortsverbindungen auf einer Fläche von 92 Quadratkilometern (in etwa so groß wie der Chiemsee) 180 Kilometer. Die Flächenkommune Pöttmes kommt auf 96 Kilometer. Im ganzen Landkreis sind es über 1500 Kilometer kommunale Straßen.
  • Weitere „Straßen“ Dazu kommen noch kommunale Radwege, Begleitwege, Feldwege, Waldwege und auch private Wege. (cli)

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren