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Fluglärm

04.02.2015

Gutachter wirft Piloten grobe Fahrlässigkeit vor

Landebahn und Tower
Bild: Ulrich Wagner/Archiv

Flughafen Einzelne Hubschrauber donnern in 30 bis 40 Meter Höhe über die Häuser hinweg. Darauf müssten Betreiber und Behörden reagieren – doch interessiert es die überhaupt?

Von Thomas Gossner

Augsburg Lange mussten die Anwohner des Augsburger Flughafens auf die Vorstellung des Gutachtens warten, auf das sie im Kampf gegen die Lärmbelästigung große Hoffnung gesetzt hatten. Doch was sie gestern im Sitzungssaal des Friedberger Rathauses zu hören bekamen, sorgte für Enttäuschung: Weder die Dauerschallpegelmessung im vergangenen Frühjahr noch die juristische Bewertung des Flugbetriebs geben eine Handhabe gegen den Lärm, der durch die Hubschrauberschulungen verursacht wird. Für Ärger unter den Mitgliedern und Zuhörern der Fluglärmkommission sorgte zudem der Umstand, dass das Luftamt Südbayern die Flughafengesellschaft, die Flugsicherung und auch die Hubschrauberschule Heli Aviation der Sitzung fernblieben. Auch die Stadt Augsburg schickte nur einen nachgeordneten Mitarbeiter, der Fragen entgegennehmen, nicht aber beantworten konnte.

Fast drei Jahre ist es nun her, dass die Bürgermeister von Gersthofen, Dasing, Neusäß, Affing, Aichach und Friedberg gemeinsam beschlossen haben, ein Gutachten zur Lärmbelästigung in Auftrag zu geben. Sie reagierten damit auf die Vorwürfe der Anwohner, wonach der Schulungsbetrieb durch die Firma Heli Aviation nicht durch die Genehmigung für den Flughafen gedeckt sei. Der erste Gutachter, ein Stuttgarter Büro, ließ eineinhalb Jahre nichts von sich hören. Darum beauftragten die Kommunen im Dezember 2013 die Firma Soundplan aus Backnang mit der Expertise. Im April und Mai 2014 fanden die Schallmessungen statt, und wieder vergingen Monate.

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Der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Manfred Losinger, begründete dies mit der Erkrankungen des Affinger Bürgermeisters Rudi Fuchs. Man habe auf dessen Rückkehr ins Amt vor Weihnachten gehofft und solange warten wollen. Weil Fuchs aber immer noch krank geschrieben ist, lud Losinger jetzt zur Sitzung der Fluglärmkommission in Friedberger Rathaus.

Dort präsentierte Jochen Schaal von der Firma Soundplan das Ergebnis der Untersuchung. Gemessen wurde an zwei Punkten, nämlich beim „Ponyparadies Auenhof“ im Nordwesten des Flughafen und auf dem Grundstück der Familie Busch am Affinger Weg in Dickelsmoor. Das Ergebnis: „An keinem der beiden Messpunkte wurde der Beurteilungspegel tags von 58 Dezibel überschritten“, stellte Gutachter Schaal fest. Allerdings ergaben sich Spitzenwerte von bis zu 85 Dezibel, die durch das „Fehlverhalten der Piloten“ verursacht wurden. „Wir gehen davon aus, dass der Auenhof teilweise in einer Höhe von nur 30 bis 40 Meter überflogen wurde“, schlussfolgert Schaal. Ein solches Verhalten könne nur als grob fahrlässig bezeichnet werden, da durch das plötzliche Erschrecken und Menschen und Tieren unabsehbare Folgen entstehen könnten. Ähnliches gelte für den Affinger Weg in Dickelsmoor.

Für den Gutachter steht damit fest, dass die Piloten sich nicht an die vorgegebenen Flugrouten halten. „Solange keine Kontrollen durch den Betreiber oder die Flugaufsichtsbehörden erfolgt, wird sich die Situation für die Anwohner nicht verbessern.“ Doch gibt es wirksame Überwachungsmöglichkeiten, wie der Gutachter sie empfiehlt? Der von den kommunen beauftragte Rechtsanwalt Cornelius Thoma winkte in der Sitzung der Fluglärmkommission ab. Trackingsysteme seien teuer und zu ungenau. Thoma enttäuschte die Anwohner auch bei der Frage nach der rechtlichen Zulässigkeit der Hubschrauberschule. Im juristischen Sinne habe es keine wesentliche Änderung des Betriebs gegeben, die gegen den Planfeststellungsbeschluss verstoße. „Wir müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass der Planfeststellungsbeschluss Flugbetrieb auf dem gesamten Gelände zulässt. Dazu gehört auch die Hubschrauberschulung.“

Solange die Lärmgrenzwerte eingehalten werden, gibt es keine Handhabe, lautet die Schlussfolgerung des Augsburger Verwaltungsjuristen. Bei den Nachbarn stieß dies auf Unverständnis. „Geplant war hauptsächlich Linienflug. Jetzt haben wir in erster Linie Schulung und Wartung. Was muss denn noch passieren, damit man von einem anderen Flughafenbetrieb sprechen kann?“, fragte Rolf Fissel aus Affing.

Die Anwohner jedenfalls berichteten in der Kommission, dass sie mit ihren Beschwerden kein Gehör finden. Anwalt Thoma riet dazu, die Verstöße zu dokumentieren. Sie habe ganze Listen mit Verstößen an das Luftamt Südbayern geschickt, berichtete Susanne Busch aus Dickelmoor: „Herausgekommen ist dabei nichts.“

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