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19.07.2010

Gymnasiasten auf Umwegen

Region Augsburg Der Augsburger SPD-Stadtrat Sieghard Schramm ist in Rage: "15 Augsburger müssen nach Friedberg aufs Gymnasium, während am Rudolf-Diesel-Gymnasium in Hochzoll Schüler aus Mering und Kissing aufgenommen werden. Das versteht kein Mensch." Die Diskussion um Anmeldezahlen für Gymnasien nimmt der Ex-Schulreferent zum Anlass, nochmals ein Gymnasium in Mering oder Kissing zu fordern. "Die Notverwaltung an Augsburger Gymnasien kann nicht weitergehen."

Die Gymnasien in Augsburg sind proppenvoll. Schramm rechnet vor, dass das die Stadt auch Geld kostet: bei 3000 Gastschülern zwei Millionen Euro. Die Landkreise zahlen für Schüler, die nach Augsburg gehen, einen vom Freistaat festgelegten Gastschulbeitrag von 700 Euro im Monat; die tatsächlichen Kosten lägen aber bei 1200 Euro. Schramm vermutet daher, dass es im Kreis Aichach-Friedberg kein echtes Interesse an einem neuen Gymnasium gibt. "Der Landkreis fährt so finanziell besser." Ausbaden müssten es die Schüler.

In der Tat müssen Augsburger Gymnasien seit Jahren Schüler abweisen. 2009 traf es das Peutinger, heuer das Holbein. Wie dessen Leiter Herbert Schuhknecht berichtet, hatte die Schule an der Hallstraße 183 Anmeldungen - davon nur acht Nichtaugsburger. Also ging man auf Platzsuche. Acht Lechhauser Kinder nahm das Maria-Theresia-Gymnasium auf, vier aus Hochzoll und Mering das Diesel und 15 aus dem Herrenbach kamen in Friedberg unter.

Herbert Hofmann, Direktor des Diesel-Gymnasiums erklärt, er habe Meringer und Kissinger Eltern die Plätze zugesagt, bevor die Nachfrage vom Holbein kam. Mehr als vier Schüler konnte er dann nicht mehr annehmen. Laut Dr. Bernhard Gruber (Wernher-von-Braun-Gymnasium Friedberg) sind Augsburger an seiner Schule die Ausnahme. Da er ohnehin sechs Eingangsklassen bilden musste, habe er die 15 Augsburger aber gut untergebracht.

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Prinzipiell gilt für Gymnasien: Schüler können sich bewerben, wo sie wollen und die Schule muss sie nehmen, solange sie Platz hat, egal woher sie kommen. Augsburgs Schulreferent Hermann Köhler (CSU) meint: "Es gehen ja auch Augsburger Schüler nach Neusäß oder Königsbrunn. Das enge Denken nach dem Motto ,meine Schüler - deine Schüler' ist nicht zielführend." Ihm zufolge entlasten die Landkreise die Stadt im Bildungsbereich mehrfach. Das Gymnasium in Diedorf bringe zwar nur indirekt etwas, aber die neue Realschule in Affing-Bergen zog Augsburger Kinder an. Und da die FOS/BOS mit 1500 Schülern überquillt, übernahmen Friedberg und Neusäß Schüler in der Größenordnung von fünf Klassen. "Ohne die Kreise würden wir uns schwer tun", sagt Köhler, zumal die Stadt kein Geld hat. Der Bildungsreferent spricht sich für ein Gymnasium im Raum Mering/ Kissing aus. Das kürzliche Nein des Finanzministeriums sieht er nicht als endgültig.

Die großen Gymnasien der Region haben 1200 bis 1400 Schüler -laut Köhler ist das pädagogisch gesehen zu viel. Unter Experten gibt es eine Faustregel, dass ein Gymnasium etwa 800 Schüler braucht, um manövrierfähig zu sein. Ist eine Schule klein, gibt es weniger Wahlfächer. Davor haben offenbar Schulleiter Angst. So haben sich sowohl der Direktor des Diesel- als auch der des Wernher-von-Braun-Gymnasiums gegen den neuen Standort Mering ausgesprochen. Allerdings beweist etwa das Maria-Theresia-Gymnasium, dass man mit 900 Schülern klarkommen kann.

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