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Aichach-Friedberg

22.05.2020

Haarige Folgen: Wie Corona den Friseurbesuch verändert

Natascha Savarino-Seiler stand auch während der Schließphase des Salons in Aichach mit ihren Kunden in Kontakt.
Bild: Alice Lauria

Plus Einen Haarschnitt gibt es nur noch mit Mundschutzmasken und Warteschlangen vor den Salons im Aichacher Land. Wie das Coronavirus den Friseurbesuch verändert.

Der Corona-Lockdown hat wortwörtlich haarige Auswirkungen. Denn auch die Friseure im Landkreis waren wochenlang geschlossen. Abenteuerliche Herrenfrisuren und farblich abweichende Haaransätze waren die Folgen.

Seit zweieinhalb Wochen darf nun wieder gewaschen, geschnitten und geföhnt werden. Sandra Thurn hat ihren Salon in Sielenbach. Bei aller Freude darüber, wieder arbeiten zu dürfen, hat sie auch mit den Hygienemaßnahmen zu kämpfen. „Gerade, wo wir jetzt so viel zu tun haben, ist es für mich sehr anstrengend, den ganzen Tag eine Maske zu tragen“, sagt sie. Für Friseur und Kunde gilt Maskenpflicht. Im Salon musste Thurn einige Änderungen vornehmen, damit der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Es dürfen nicht mehr alle Frisiertische belegt werden und der Wartebereich ist vor dem Salon.

Friseurin in Sielenbach beobachtet Trend zum „Corona-Grau“

Karin Hermann und ihr Mann warten dort auf ihren Termin. „Ich war noch kurz vor der Schließung, da war es nicht so schlimm, aber mein Mann war schon länger nicht mehr, das schaut schlimm aus“, sagt Hermann. Die Spielecke im Salon musste weichen, Kunden müssen auf den Service frischer oder warmer Getränke und Zeitschriften verzichten. Die meisten Regeln werden von den Kunden akzeptiert. „Lediglich das obligatorische Haarewaschen versuchen hin und wieder Kunden zu umgehen“, sagt Thurn. „Allerdings vergeblich“.

Dieses Gestell ermöglicht es Stephan Hanser, seine Maske vor Mund und Nase zu halten, während Sandra Thurn in Sielenbach um seine Ohren die Haare schneidet.
Bild: Alice Lauria

Sie beobachtet einen Trend zum Corona-Grau. Das heißt, dass manche sich so an ihren grauen Haaransatz gewöhnt haben, dass sie nun nicht mehr nachfärben wollen. Von jedem Kunden müssen Daten erhoben werden, um im Falle einer Ansteckung Infektionsketten nachverfolgen zu können. Thurn fällt das leicht, da sie ohnehin alle Kunden persönlich kennt.

Manche Kunden wehren sich gegen Angaben ihrer Daten

Mario Miesl von elementHair in Aichach hat von einigen wenigen Kunden dagegen Widerstand erfahren, wenn es um die Erhebung der Daten ging. In seinem Salon sind auf dem Boden mit Klebeband verschiedene Bereiche gekennzeichnet, um den Mindestabstand einzuhalten. Es arbeiten immer zwei Mitarbeiter gleichzeitig an maximal zwei Kunden. Der Aufwand an Wäsche ist enorm gestiegen. Nach jedem Kunden müssen Maske und Umhang gewechselt werden. Existenzangst löste bei Mario Miesl die lange Ungewissheit über den Wiedereröffnungstermin aus. Von dem beantragten Kurzarbeitergeld und der Soforthilfe hat Miesl bislang nichts gesehen. „Wenn es jetzt ohne weitere Schließung weiter geht, bin ich mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt er.

Mario Miesl hat in seinem Salon in Aichach mit Klebeband auf dem Boden und einem riesigen Hinweisschild am Eingang dafür gesorgt, dass jeder Kunde die neuen Hygienemaßnahmen kennt.
Bild: Alice Lauria

Ein Höhepunkt war für Miesl ein Kunde, der zusätzlich zu seinem aktuellen Termin die Kosten für den durch die Coronaschließung ausgefallenen Termin gezahlt hat. Miesls Kundin Birgit Breitnauer sagt: „Ich bin heilfroh, dass ich heute wieder kommen durfte. Mit den Auflagen funktioniert alles wunderbar, ich fühle mich echt sicher.“ Im Salon Hair by Hugo in der Aichacher Altstadt erzählt eine Kundin: „Mit Ansatzspray habe ich die Zeit überbrückt.“ Ihre Friseurin Natascha Savarino-Seiler sagt, dass die ersten beiden Tage mit Telefondauerklingeln äußerst stressig gewesen seien. „Die Kunden sind teils ungeduldig, aber die meisten sind dankbar und freuen sich, dass sie wieder kommen dürfen.“ Der Andrang kann wie bei den meisten Friseuren nur durch Überstunden wettgemacht werden. „Keine Ahnung, wann wir das alles nachgearbeitet haben“, sagt Savarino-Seiler.

Wartende Kunden müssen sich vor der Tür gedulden

Auch die Salons in Aichach, die regulär ohne Anmeldung arbeiten, haben seit 4. Mai wieder geöffnet. Bei Klier im Hit-Markt wird seither ausschließlich mit Terminen gearbeitet. Bei unerwartetem Leerlauf kann vereinzelt ein Kunde ohne Termin bedient werden. TopHair am Milchwerk arbeitet ohne Termine. Es werden immer vier Kunden gleichzeitig bedient, der Rest muss sich vor der Tür gedulden.

Dies sind die neuen Regeln, die derzeit bei jedem Friseurbesuch gelten.
Bild: Alice Lauria

Steffi Finkenzeller aus Sielenbachs Ortsteil Raderstetten, bekannt durch die TV-Sendung „Bauer sucht Frau“, führt ihren Salon auf dem Hof ohne Mitarbeiter. Sie konnte auch vorher immer nur einen Kunden bedienen. Zum Schutz der teils schönen selbst genähten Masken gegen Flecken durch Haarefärben bietet Finkenzeller ihren Kunden Einwegmasken an. An ihre eigenen Alltagsmasken während der Arbeit hat sie sich schnell gewöhnt.

Manche Friseure leiden wegen der Maskenpflicht unter Kopfweh

Ganz im Gegensatz zu Christiane Montemaggi vom Haarwerk in Inchenhofen. Bei ihr führt das Maskentragen zu Kopfschmerzen. „Gerade wenn man sich mit den Kunden unterhält, ist es sehr mühsam mit Maske“. Erfreut ist Montemaggi über die Erfahrung, die sie mit ihrer Kundschaft gemacht hat. „Noch nie bekamen wir so viel Bestätigung, wie sehr wir gebraucht werden.“ Trotz der Hygienemaßnahmen sind sich die Friseure im Landkreis bewusst, dass ohne all das kein Friseurbesuch möglich wäre.

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