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Prozess

21.10.2019

Häftling droht mit Rasierklinge und verletzt 31-Jährigen

Im Aichacher Gefängnis hat ein Häftling einen Mitgefangenen geschlagen. Gericht verurteilt den Mann erneut

Mit einer Rasierklinge in der Hand hat ein 50-jähriger Häftling in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach herumgefuchtelt. Vorausgegangen war ein lautstarker Disput mit anderen Gefangenen. Er habe sich von den anderen bedroht gefühlt, begründete der 50-Jährige vor dem Aichacher Amtsgericht, warum er zur Rasierklinge gegriffen hatte. Die JVA-Mitarbeiter sahen das anders. Er soll einem Mithäftling mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihn mit dem Rasierer bedroht haben. Die JVA zeigte ihn deshalb wegen vorsätzlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung an. Die Zeugenaussagen ergaben für das Gericht ein eindeutiges Bild.

Wortreich ließ sich der 50-Jährige vor Gericht darüber aus, wie er mit einem anderen Gefangenen in eine politische Diskussion geraten war. Die endete laut dem Angeklagten damit, dass der andere, ein 31-jähriger Mithäftling, ihn beleidigt und geschlagen haben soll. Als Begründung, warum er mit seinem Einwegrasierer auf dem Gang herumfuchtelte, sagte der Angeklagte: „Ich hatte Angst, weil immer mehr Leute dazu kamen.“ Er habe niemanden angegriffen, sagte der 50-Jährige: „Ich habe die Rasierklinge nur in die Höhe gehalten.“ Der 31-jährige Mithäftling war laut seiner Aussage durch das laute Geschrei auf dem Gang auf die Vorgänge aufmerksam geworden. Der Angeklagte sei sehr laut und aggressiv gewesen, sagte der 31-Jährige aus: „Ich wollte ihn beruhigen.“ Die Rasierklinge in der Hand des Angeklagten bemerkte er erst, als er vor ihm stand. Der 50-Jährige habe die Hand mit dem Rasierer in seine Richtung gestoßen und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so der Mithäftling. Die Beamten in der JVA bekamen den Beginn des Streits nicht mit. Sie hörten Geschrei und Gegröle. Alle Gefangenen seien sehr aufgeregt gewesen, schilderte einer der Beamten die Situation. „Es war für uns erst mal nicht einfach, ein klares Bild zu bekommen.“ Den 31-Jährigen beschrieb er als einen normalerweise sehr ruhigen und überlegten Menschen. In dem Moment sei er jedoch sehr aufgeregt gewesen und habe gesagt, er wäre angegriffen worden.

Der 50-Jährige sei wegen seiner lauten und aggressiven Art schon öfter negativ aufgefallen, sagte der Beamte aus. Auch zwei andere JVA-Mitarbeiter beschrieben den Angeklagten als „aufbrausend“.

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Die Rasierklinge ließ sich der 50-Jährige von den Beamten ohne Gegenwehr abnehmen. Auf der Krankenstation der JVA stellte man später fest, dass er sich mit der Klinge leicht am Daumen geschnitten hatte. Bei dem 31-Jährigen wurde die gerötete Wange mit Eis behandelt. Gut einen Tag lang habe er Schmerzen gehabt, sagte er.

Die Zeugenaussagen widerlegten aus Sicht von Staatsanwältin Lisa Viehweber die Aussage des Angeklagten. Dazu kam, dass nicht der 31-Jährige, sondern die JVA den 50-Jährigen angezeigt hatte. Besonders schwer wog für die Staatsanwältin, dass der Angeklagte schon mehrfach einschlägig vorbestraft war. Zuletzt war er im Mai 2018 wegen Körperverletzung zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Viehweber sagte: „Die Rückfallgeschwindigkeit ist nicht zu verachten.“ Sie forderte eine einjährige Haftstrafe.

Verteidigerin Petra Dittmer argumentierte: „Was sich im Detail abgespielt hat, konnte nicht festgestellt werden.“ Weil Zweifel blieben, forderte sie Freispruch für ihren Mandanten. Das Gericht schloss sich der Sicht der Staatsanwältin an. Richterin Eva-Maria Kraus sagte: „Ich bin überzeugt, dass es sich so zugetragen hat, wie angezeigt.“ Ein Indiz war für sie die gerötete Wange des 31-Jährigen. Positiv rechnete die Richterin dem 50-Jährigen lediglich an, dass der Mithäftling nur leicht verletzt worden war. Sie verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer elfmonatigen Haftstrafe. (drx)

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