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Asyl

05.10.2015

Helfer vor Ort wollen mehr Hilfe von oben

Um die Herausforderungen für die lokale Politik durch die steigende Zahl der Asylbewerber ging es beim Migrationstag im Wittelsbacher Land.
Bild: Gerlinde Drexler

Beim ersten Migrationstag im Wittelsbacher Land im Aichacher Kreisgut gibt es deutliche Worte. Der Landrat stellt klar: Ohne Gemeinschaftsunterkünfte wird es bald nicht mehr gehen.

Mit dem Thema Asyl sind viele Emotionen verbunden. Die ehrenamtlichen Helfer zum Beispiel engagieren sich mit viel Herzblut, ebenso die Lehrer an den Schulen. Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Migrationstages im Wittelsbacher Land am Freitag im Kreisgut wünschten sie sich mehr Unterstützung von oben. Kritisch äußerte sich Landrat Klaus Metzger. „Ich wehre mich dagegen, dass wir hier vor Ort ausbaden, was in der großen Politik falsch gelaufen ist.“ Organisiert hatten den Tag die Freiwilligenagentur des Landkreises zusammen mit der Gesellschaft für Internationale Entwicklung (SID) München. Deren Vorstandsvorsitzender Kayode Salau moderierte die Diskussionsrunde.

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Fast 1200 Asylbewerber gibt es momentan im Landkreis. Tendenz steigend. „Momentan haben wir die Hausaufgabe, jede Woche 50 Asylbewerber unterzubringen“, so der Landrat. Der Mitarbeiterstab stünde in keinem Verhältnis zu diesen Zahlen. Metzger kritisierte, dass die Personalkosten für neue Mitarbeiter, die für Asylangelegenheiten eingestellt werden, zu 100 Prozent vom Landkreis getragen werden müssten. Das traf bei den bereits vier zusätzlichen Stellen zu und auch für noch einmal 15 Stellen, die notwendig wären, um auf ein gutes Niveau zu kommen, „bleiben wir auch auf den Kosten sitzen“. Metzger: „Es kann nicht sein, dass Landkreis, Städte und Gemeinden die tatsächliche Arbeit vor Ort machen und dann auch noch diejenigen sein sollen, die bezahlen müssen.“ Von den sechs Milliarden Euro, die die Bundesregierung bereitstellen will, ist sich der Landrat sicher, dass vor Ort kein Euro ankommen wird.

Bei der Unterbringung der Asylbewerber hat der Landkreis bisher auf die dezentrale Variante gesetzt. Der Landrat: „Alle Fraktionen sind sich einig, dass das der vernünftige Weg ist.“ Lange werde der Landkreis das aber nicht mehr durchhalten können, machte Metzger deutlich. „Die Unterbringungsmöglichkeiten erschöpfen sich.“ Größere Gemeinschaftsunterkünfte sollen zwar die Ausnahme bleiben, aber drumherum kommen wird der Landkreis wohl nicht.

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Der Landtag werde den Kommunen entgegenkommen, sagte Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko (CSU). Pro 75 Asylbewerber wolle der Freistaat einen „Kümmerer“ finanzieren. „Wir werden ein neues soziales Konzept vorlegen.“ Er befürchtete, dass die Zahl der Asylbewerber im Winter noch einmal nach oben schnell wird. Er sieht die langfristige Lösung darin, den Menschen in ihren Herkunftsländern zu helfen. Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr (SPD) vertrat die Ansicht, das geplante Einwanderungsgesetz könne ein Teil der Lösung sein. Über die Bedingung, dass ein Einwanderer ein tarifgebundenes Arbeitsverhältnis nachweisen muss, schüttelten einige Besucher, darunter Bürgermeister und viele in Asylkreisen Engagierte, die Köpfe. Das sei schlicht nicht zu machen, fand ein Zuhörer aus Augsburg.

Joy Alemazung war als Student aus Kamerun nach Deutschland gekommen und ist heute Projektleiter bei Engagement Global. Er regte an, Immigranten, die sich integriert haben, als eine Art Vermittler zwischen den Kulturen einzusetzen. Alemazung sah einen großen Bedarf an Bildungsarbeit.

Kritisch kommentierte Uche Akpulu, Mitglied im Bayerischen Flüchtlingsrat, die Rolle der bayerischen Staatsregierung. Sie verhindere die Integration, ist sein Eindruck. Akpulu berichtete von Anrufern, die Unterkünfte zur Verfügung stellen wollen und bei der Regierung nicht durchkommen. Seine Schlussfolgerung: „Es besteht mehr Interesse daran, den Notstand zu inszenieren, als zu helfen.“

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