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Hollenbach-Schönbach

14.08.2019

Herschbach wird zu neuem Zuhause für Molch und Libelle

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Bestens eingewachsene Biotope sorgen für neue Arten- und Lebensräume und biologische Vielfältigkeit im Herschbachtal.
Bild: Walter Mika

Der ökologische Gewässerausbau des Herschbaches im Hollenbacher Ortsteil Schönbach ist abgeschlossen. Seitdem entwickeln sich rasch Flora und Fauna.

Abgeschlossen ist jetzt der ökologische Gewässerausbau entlang des Herschbachs im Hollenbacher Ortsteil Schönbach. Bürgermeister Xaver Ziegler freute sich: „Wir haben in den vergangenen Jahren, sei es zur Schaffung von Wohnraum, Gewerbefläche oder Nahversorgung viel an Flächen verbaut und versiegelt, umso wichtiger ist es, dafür ausreichend und naturbelassene Ausgleichsflächen zu schaffen.“ Zur abschließenden Bestandsaufnahme fanden sich die Hauptbeteiligten am Herschbachtal, nordwestlich von Hollenbach ein, um das riesige Öko-Areal nach der erfolgreichen Renaturierung zu besichtigen.

Neben dem Bürgermeister waren Landschaftsarchitekt Stephan Fritz vom Büro für Landschaftsarchitektur „Stadt Land Fritz“, Geschäftsführer Ralf Westphal von der ausführenden Firma Josef Saule GmbH Augsburg, Patrizia Ernst vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth sowie Naturschutzwächter Gerd Bangert als Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Aichach-Friedberg dabei. Alle waren stolz auf das Ergebnis: die Wiederherstellung von naturnahem Lebensraum aus nur mehr bedingt nutzbarer Bodenfläche.

Zufriedene Gesichter nach dem abgeschlossenen ökologischen Gewässerausbau des Herschbaches im Hollenbacher Gemeindeteil Schönbach: (von links) Ralf Westphal (Firma Saule), Hollenbachs Bürgermeister Xaver Ziegler, Gerd Bangert (Untere Naturschutzbehörde) mit seinem Hund Finni, Stephan Fritz (Landschaftsarchitekt) und Patrizia Ernst vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth.
Bild: Walter Mika

Früher war der eigentliche Bachlauf verrohrt

In den 60er Jahren war das Herschbachtal drainiert und der eigentliche Bachlauf verrohrt worden. Allerdings konnte die beabsichtigte Trockenlegung zur besseren landwirtschaftlichen Nutzung nie ganz erreicht werden, da nur knapp unter der Vegetationsfläche tonige, wasserundurchlässige Böden für Stauwasser sorgten. Somit eigneten sich die Flächen ideal zur Renaturierung mit dem Ziel, für die Gemeinde Hollenbach neue Ökokontoflächen für laufende und spätere Bauprojekte anzulegen.

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Patrizia Ernst begründete die schnelle und unkomplizierte Förderzusage seitens des Wasserwirtschaftsamtes als Bewilligungsstelle: „Naturmaßnahmen von solchem Ausmaß sind heutzutage sehr selten.“ 61000 Euro steuerte der Freistaat Bayern für das etwa 81000 Euro teure Vorzeigeobjekt bei, also 75 Prozent der Gesamtkosten.

Wie das Naturgelände zu erreichen ist

Das knapp 48000 Quadratmeter umfassende Naturgelände ist am besten über den Schönbacher Rosenweg zu erreichen. Die Entwicklung der heimischen Flora und Fauna an dieser Stelle ist bereits weit vorangeschritten, obwohl die Arbeiten erst im Frühjahr nach sechswöchiger Bauzeit abgeschlossen worden sind und der Anwuchs noch längst nicht ausgereift ist. Ralph Westphal von der Firma Saule erzählt zufrieden: „Wir sind initiativ tätig, den Rest macht die Natur.“

Für den Einstieg in das Projekt sorgte vor knapp fünf Jahren Bürgermeister Ziegler, indem er namens der Gemeinde die notwendigen Flächen erwarb. Es folgte in Abstimmung mit dem Landratsamt Aichach-Friedberg und dem Wasserwirtschaftsamt Donauwörth 2017 die Genehmigungsplanung und schließlich im März 2018 die Genehmigung des ökologischen Gewässerausbaues und der Ökokontoflächen sowie die Bewilligung von Fördermitteln durch das Wasserwirtschaftsamt.

Artenreiche und blühende Wiesen und Anpflanzungen in unterschiedlichen Lagen sollen die Entwicklung und Bewahrung der heimischen Flora und Fauna entlang des Herschbaches unterstützen.
Bild: Walter Mika

Was bei den Arbeiten gemacht wurde

Im April dieses Jahres legte die Firma Saule schließlich los mit den umfangreichen Arbeiten. Zunächst galt es den verrohrten 1,2 Kilometer langen Herschbach offenzulegen, auf rund 700 Metern ein natürliches Bachbett zu schaffen um die Abflussgeschwindigkeit zu mindern, zahlreiche Drainagen und Schächte zu schließen, heimische Kräuter und Gräser anzusäen und verschiedene Wiesen in unterschiedlichen Lagen zu entwickeln wie Feuchtwiesen, magere Wiesen, Fettwiesen und Biotope. Dadurch entstanden neue Lebensräume für unterschiedliche Tierarten wie Molche, Frösche, Libellen, Insekten und sogar Rebhühner und Fasane.

Um Eingriffe in den Untergrund zu minimieren, wurden die meisten Rohrleitungen und Drainagen nicht entfernt, sondern verschlossen. Laut Gerd Bangert soll im kommenden Jahr, wenn der Anwuchs weitgehend sein Endstadium erreicht hat, durch die Untere Naturschutzbehörde eine offizielle Abnahme erfolgen, womit die letzte Hürde zur anerkannten Ökofläche und Freigabe der Ökopunkte genommen ist. Spaziergänger und Naturbeobachter können sich aber schon jetzt ein Bild von dem neu geschaffenen Naturflecken machen.

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