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Aichach-Algertshausen

27.10.2014

Historisches Experiment am Grubet

Oliver Metz ist kurz vor dem Ziel. Er öffnet den Ofen und entfernt die Holzkohle, ehe er das Eisen aus dem Feuer holt.
Bild: Nina Probst

Experten schmolzen am Grubet unter den Augen zahlreicher Schaulustiger Eisenerz nach historischem Vorbild

Aichach-Algertshausen Bereits am Samstagmorgen war der antike Rennofen angeschürt worden, etwa vier Stunden, bevor der Versuch starten sollte. Später wollten Archäologen und Chemiker am Grubet in Algertshausen (Aichach) Eisenerz schmelzen, wie es bereits im siebten Jahrhundert geschehen war. Dafür wurde ein Rennofen errichtet, wie er zu damaligen Zeiten ausgesehen haben soll.

Archäologe Martin Straßburger aus Aichach ist bei dem Versuch dabei. Durch die Grabungen im Grubet ist er auf dieses Thema aufmerksam geworden (wir berichteten). Der Experte von der Ludwig-Maximilians-Universität München erzählt: „Das ist bereits der dritte Versuch dieser Art hier am Grubet.“ Die beiden ersten waren geglückt, und auch vor dem Schmelzversuch am vergangenen Samstag zeigt sich Straßburger optimistisch: „Auch ein Regentropfen macht hier nichts, der Ofen ist über 600 Grad heiß.“

Als wäre das das Stichwort, beginnt es zu regnen, noch bevor der Versuch gestartet werden kann. Doch davon lassen sich die Zuschauer nicht abschrecken. Sie packen ihre Regenschirme aus und bleiben da. Auch Roland Walter ist gekommen. Der Kissinger ist Schmied. Er sagt: „Ich wollte mal sehen, wie Eisen historisch hergestellt wurde.“ Er bekommt das fertige Eisen zum Bearbeiten geliefert. Früher mussten Schmiede wissen, wo es her-kommt. Walter ist sich sicher: „Das war ein richtiger Knochenjob.“

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Auch Oliver Metz aus Neuburg mischt bei dem Schmelzversuch am Grubet mit. Er ist Chemiker und auch für das Analysieren der Schlacken zuständig. Das sind die Abfallprodukte, die bei einer Eisengewinnung übrig bleiben. Bereits seit zehn Jahren beschäftigt er sich mit diesem Thema: „Ich habe mit dem Schmieden als Hobby angefangen. So hat sich das dann entwickelt.“

Gemeinsam mit Martin Stippler aus Ingolstadt gehört er dem Team „Eisenzeit“ an. Martin Hoffmann unterstützt das Geschehen. Er kommt aus der Nähe vom Regensburg und ist ein Freund von Oliver Metz: „Ich mache da einfach mit, weil es mir Spaß macht.“

Der Schmelzversuch am Grubet verläuft trotz des reichlichen Wassers von oben reibungslos: Mit 50 Kilogramm Holzkohle wird der Ofen befeuert, um 30 Kilogramm Eisenerz zu erhitzen und letztendlich zu schmelzen. Am Ende liegen drei glühend heiße Brocken am Boden – direkt schmiedbares Eisen. Martin Hoffmann erklärt: „Wenn es aus dem Ofen kommt, hat das Eisen zwischen 1200 Grad außen und bis zu 2000 Grad im Kern.“

Am Ende bleiben acht Kilogramm Eisen übrig

Am Ende bleiben etwa acht Kilogramm Eisen übrig. Alles kann jedoch auch davon nicht verwendet werden, am wertvollsten ist der Kern: rund vier Kilogramm Eisen. Martin Straßburger weiß: „Eisengewinnung ist ein mühsames Geschäft. Kein Wunder, dass Waffen früher sehr teuer waren.“

Ein Hochofen, wie man ihn aus heutiger Zeit kennt, kann das Erz nur in Gusseisen verarbeiten. Das bedeutet, dass zu viel Kohlenstoff im Eisen ist. Er muss vor der endgültigen Verarbeitung erst noch entfernt werden. Der Rennofen aus dem siebten Jahrhundert fordert diese Verarbeitung nicht.

Auch Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann ist am Samstag bei dem Schmelzversuch nach historischem Vorbild in Algertshausen dabei. Er freut sich auf das Freilandmuseum, das in dem Waldstück am Grubet errichtet werden soll. Der Bürgermeister erklärt: „Anfang 2015 soll dieser Ofen so nachgestellt werden, dass ihn auch Schulklassen besichtigen können.“

Bei uns im Internet finden Sie dazu eine Bildergalerie und ein Video.

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