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Archäologie

24.09.2015

Hobbyforscher findet Kiefer eines Ur-Elefanten

Ludwig Schweizer hat in einer Sandgrube im Landkreis Aichach-Friedberg den Unterkiefer eines Dinotheriums entdeckt. Das urzeitliche Tier war ein Vorfahre des Mammuts und der heutigen Elefanten.
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Ludwig Schweizer hat in einer Sandgrube im Landkreis Aichach-Friedberg den Unterkiefer eines Dinotheriums entdeckt. Das urzeitliche Tier war ein Vorfahre des Mammuts und der heutigen Elefanten.
Bild: Hubert Haug

Die Reihe von spektakulären Funden im Landkreisnorden setzt sich fort: In einer Sandgrube entdeckt Ludwig Schweizer Knochenteile eines Vorfahrens von Elefant und Mammut.

Das Wittelsbacher Land ist eine außergewöhnliche archäologische Fundgrube – schon wieder ist in der Region ein Urviech entdeckt worden. Vor zwei Jahren konnte über die Entdeckung eines fast vollständigen Unterkiefers eines Brachypotheriums, eines urzeitlichen Nashorns, berichtet werden. Ludwig Schweizer, ein Spezialist für Bodenfunde aus dem Landkreis, hatte es in der Nähe von Taiting entdeckt. Jetzt förderte er erneut ein Fossil zutage – den Unterkiefer eines Dinotheriums, auch „Hauerelefant“ genannt. Das Tier lebte im sogenannten Pleistozän, also vor 22 bis eine Million Jahre vor unserer Zeit, und ist als Vorfahre des Mammuts und der heutigen Elefanten einzuordnen.

Vor acht Jahren ist südlich von Baar ein nahezu komplettes Mammut-Skelett in einer Sandgrube bei der Unterperlmühle gefunden worden – eine archäologische Sensation für den Landkreis: Experten des Naturkundemuseums Augsburg bargen die hoch porösen Knochen des zwischen 10000 und 15000 Jahre alten Eiszeit-Elefanten und haben ihn mittlerweile präpariert. Bereits Anfang der 80er-Jahre tauchte in der gleichen Grube ein Mammut-Stoßzahn auf. Mammutknochen und -zähne wurden auch bei Walchshofen, Radersdorf, Stätzling oder Derching entdeckt. Die Teile des Ur-Elefanten von Junkenhofen (Gemeinde Gerolsbach, Kreis Pfaffenhofen) im Jahr 2002 direkt hinter der Landkreisgrenze bei Schiltberg wurden in einer Kiesgrube entdeckt. Dieser etwa 15 Millionen Jahre alte Fund sorgte sogar weltweit unter Wissenschaftlern für Aufmerksamkeit.

Der neue Unterkiefer und die Stoßzähne wurden jetzt in einer Sandgrube, die inzwischen wieder verfüllt ist, im nördlichen Teil des Landkreises Aichach-Friedberg gefunden. Genauere Angaben dazu werden nicht gemacht. Laien sollen nicht zum Graben animiert werden. Die könnten weitere Fundstücke beschädigen oder mitnehmen. Es war für Ludwig Schweizer ein schweres und langwieriges Stück Arbeit, den Unterkiefer und die Stoßzähne des Dinotheriums zu stabilisieren und von den Ablagerungen von Millionen Jahren zu befreien. Schweizer steht in Kontakt zu Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen, denen er seine Funde anbietet. Relikte des Dinotheriums gibt es vorwiegend in vielen Regionen der Länder nördlich des Äquators, in Europa besonders häufig im südöstlichen Europa mit circa 80 Fundstellen, aber auch im südöstlichen Afrika. Das Dinotherium hatte eine Schulterhöhe von dreieinhalb bis über vier Meter und wog bis zu 14 Tonnen. Ein Elefant ist im Vergleich dazu mit bis zu dreieinhalb Meter Schulterhöhe und bis zu fünf Tonnen fast ein Leichtgewicht. „Hauerelefant“ wurde das Dinotherium deshalb genannt, weil die Stoßzähne nicht, wie bei den heutigen Elefanten, im Oberkiefer verankert und nach vorn gerichtet sind, sondern aus dem Unterkiefer wuchsen und abwärts gerichtet waren.

Hobbyforscher findet Kiefer eines Ur-Elefanten

Die Stoßzähne erreichten eine Länge von bis zu 1,4 Meter und waren deutlich kürzer als die bis zu 3,5 Meter langen Stoßzähnen der heutigen Elefanten. An den Hauern eines markanten Vertreters der heutigen Tierwelt, dem mächtigen Walross, kann man solche nach abwärts gerichteten extrem großen Unterkieferzähne sehen. Das Dinotherium war nach Auffassung der Paläontologen ein Pflanzenfresser. Im Miozän und im frühen Pleistozän breiteten sich in weiten Teilen nördlich des Äquators Savannen und Auenwälder aus, die dem Nahrungsbedarf des Dinotheriums entsprachen.

Im Pleistozän kühlte es deutlich ab, die Savannen und damit der Lebensraum des Dinotheriums verschwanden. Wahrscheinlich war das der Grund für das Aussterben des Dinotheriums. (mit cli)

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