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Schule

24.05.2018

Hollenbacher Lehrerin nimmt Hund mit in Unterricht

Die Lehrerin Theresa Weiß bringt dreimal in der Woche ihren Hund Molly mit in den Unterricht. In einem Sitzkreis führt sie einige Tricks vor. Der Zwergpudel begrüßt die Schüler auch auf einem Schild an der Tür des Klassenzimmers.
Bild: Samuel Jacker

Lehrerin Theresa Weiß bringt seit diesem Schuljahr ihren Zwergpudel mit in den Unterricht in Hollenbach. Wie das Duo bei den Schülern ankommt.

Bereits an der Tür der Klasse 7a der Hollenbacher Schule hängt das Bild eines Hundes. Und das nicht ohne Grund, denn ihre Lehrerin Theresa Weiß bringt regelmäßig Molly, einen drei Jahre alten Zwergpudel, mit. Die Schüler begrüßen dann nicht nur ihre Lehrerin, sondern auch den Hund.

Dabei sitzen die Kinder in einem Kreis und rufen den Vierbeiner zu sich. Zur Belohnung gibt es für ihn ein Leckerli. „Nun wiederholen wir, was Molly alles kann“, sagt die 27-jährige Lehrerin. Zu ihren Tricks zählen: Sitz, Pfote und High Five geben und sich hinlegen. „Ihr dürft sie zu euch herrufen und sie einen Trick machen lassen.“ Erneut rufen die Schüler die Hundedame und fordern sie auf, Tricks zu machen. Belohnt wird wiederum mit Leckerlis. „Die Leckerlibox wird aufgefüllt, wenn sich die Schüler gut verhalten haben“, erklärt Weiß.

Auf die Idee, ihren Hund mit in den Unterricht zu nehmen, kam Weiß bereits, als sie Molly während ihres ersten Staatsexamens als Welpe gekauft hat. Molly ist ein Anti-Allergie-Hund, sie verliert weder Haare noch Fell. Unter einer Hundehaarallergie leide aber keiner ihrer Schüler, sagt Weiß.

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Der Zwergpudel habe zwar keine explizite Ausbildung als Schulhund, dennoch wurde Molly bereits im Hinblick auf den Schulunterricht trainiert. In ihrer Seminararbeit, die Weiß für das zweite Staatsexamen verfasste, setzte sie sich mit tiergestützter Pädagogik auseinander.

Sie hospitierte außerdem im Unterricht der Kollegin Michaela te Kock, Lehrerin an der Sielenbacher Mittelschule. Hospitationen sind Unterrichtsbesuche, bei denen ein Fachleiter Unterrichtsstunden eines Referendars analysiert, bespricht und gegebenenfalls bewertet. Michaela te Kock bietet Schulungen zur Arbeit mit Hunden an und besitzt selbst einen Schulhund. Dort lernte Weiß erstmals, wie Hunde in den Unterricht integriert werden können. Weitere Informationen beziehe sie aktuell hauptsächlich aus dem Internet und Büchern.

Ein Kollege war entsetzt

Zu Beginn des laufenden Schuljahres kündigte Theresa Weiß in einem Elternbrief an, ihren Hund fortan in den Unterricht mitzubringen. Die Schülerin Maja Reich kann sich noch an ihre Reaktion erinnern: „Wir sind alle innerlich ausgerastet. Alle finden Hunde so süß.“ Mitschülerin Saskia Sailer mache der Unterricht mit Molly mehr Spaß. Die Reaktion der Eltern auf die Idee, einen Hund in den Unterricht zu integrieren, war damals fast durchweg positiv. Patrick Happachs Eltern reagierten hingegen erstaunt: „Hunde zur Schule mitzubringen, finden sie ungewöhnlich.“ Saskias Eltern standen einem Schulhund generell offen gegenüber, schließlich habe die Familie selbst zwei Hunde. „Meine Eltern haben mich nur gefragt, ob ich noch im Unterricht aufpassen kann“, sagt sie.

Diese Befürchtung hat sich aber nicht bestätigt, wie ihre Lehrerin mitteilt: „Die Schüler lassen sich weniger ablenken, als befürchtet.“ Die Mädchen und Buben müssten ohnehin leiser sein, um den Hund nicht zu überfordern. „Es ist automatisch stiller in der Klasse, wenn der Hund da ist“, bestätigt Lisa-Marie Winkler. Der Zwergpudel habe ein sehr ruhiges Wesen, erzählt die Lehrerin: „Wenn es zu laut wird, zieht sie sich zurück.“ Nur wenn die Kirchenglocken läuten, fange sie an zu bellen. Dennoch ist viel Intuition und Verständnis für den Hund notwendig: „Man muss vor ihr merken, wann es für sie stressig werden könnte.“

Regelmäßiger Bestandteil des Unterrichts waren Haustiere bisher nie. Dennoch konnten die Schüler nach Absprache ihre Haustiere zu den sogenannten Haustiertagen mitbringen. Diese finden einmal im Jahr statt. Ihre Kollegen seien zu Beginn des Projektes skeptisch gewesen, erinnert sich Weiß. Einer sei von der Idee sogar entsetzt gewesen. „Eine Kollegin hatte Angst vor Hunden, die sie aber schnell abgebaut hat“, sagt die 27-Jährige. Eine andere Kollegin würde nun wiederum gerne ihren eigenen Hund mitbringen.

Um die gesamte Schule auf den richtigen Umgang mit Molly vorzubereiten, hielt Weiß eine Schulhundestunde für alle Kinder und Jugendliche der ersten bis achten Klasse ab. Schließlich kommt Molly auch mit auf den Pausenhof und nimmt an Wandertagen teil. „Die Schüler erinnern sich gegenseitig an die Regeln“, freut sich Weiß. Neben dem Tafeldienst gibt es nun auch einen „Mollydienst“, der alle zwei Wochen wechselt. Die eingetragenen Schüler gehen dabei mit dem Hund spazieren. Montags, dienstags und freitags ist der Hund im Klassenzimmer. An den anderen Tagen ist Weiß nicht an der Schule, weil sie noch im Referendariat ist. Auch künftig will sie den Zwergpudel fest in den Unterricht integrieren. Ob sie weiterhin an der Hollenbacher Schule bleibt, ist derzeit noch unklar. Für sie steht aber fest, dass Molly Klassenhund der Klasse wird, die sie in Zukunft leitet.

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