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Unkrautvernichter

15.11.2017

Im Beet erlaubt, am Weg verboten

So geht Unkrautentfernung auch ohne Glyphosat: mit einer Hacke und Handarbeit.
Bild: Armin Weigel. dpa

Der Einsatz von Glyphosat ist umstritten. Für den privaten Gebrauch gibt es klare Vorschriften. Was Hobbygärtner aus dem Landkreis Aichach-Friedberg beachten sollten – und welche Alternativen sie haben

Störrische Halme sprießen am Rand des Gehwegs und in den Pflasterrillen vor der Garage wuchert Gras. Manche Menschen ärgern sich, wenn sich auf ihren Grundstücken Unkraut ausbreitet. Immer wieder die Stängel und Stiele mit der Hand rauszureißen, ist lästig. Warum kann man nicht einfach einen Unkrautvernichter wie Glyphosat aufsprühen? In der Landwirtschaft wird Glyphosat auf fast der Hälfte der Felder in Deutschland eingesetzt. Die chemische Substanz wird streng reguliert und ist umstritten. Auch für den privaten Gebrauch gibt es genaue Vorschriften, wo und wie Glyphosat angewendet werden darf.

Marianne Scheu-Helgert kennt sich aus. Sie arbeitet bei der Bayerischen Gartenakademie, einem Arbeitsbereich für Freizeitgärtner bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Sie erklärt wichtige Punkte: „Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist in Gartenanlagen, Kleingärten, Hausgärten und begrünten Flächen um Wohnanlagen erlaubt. Es gibt aber Einschränkungen.“ Hobbygärtner dürfen demnach nur Substanzen verwenden, die sie nach einer fachkundigen Beratung gekauft haben und die für die Anwendung im Haus- und Kleingarten zugelassen sind. „Kleingärten oder Schrebergärten sind mittlerweile sogar eine Ausnahme“, sagt Marianne Scheu-Helgert, „die Gärtner müssen meistens eine Gartenordnung unterschreiben. Darin steht oft, dass sie Unkrautmittel wie Glyphosat nicht verwenden dürfen.“

Glyphosat ist an bestimmten Stellen erlaubt, weil es im Boden zersetzt werden kann. Thomas Schuster aus der Abteilung Gartenbau vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Augsburg erklärt, wie das funktioniert. „Glyphosat wird über Bakterien abgebaut. Das Produkt, das am Ende entsteht, heißt Ampa.“ Ampa steht für die sogenannte Aminomethyl-Phosphonsäure. Der Prozess dauert etwa 30 Tage, abhängig von Temperatur, Feuchtigkeit und den Bodenverhältnissen. Schuster sagt: „Ampa wird als Abbauprodukt nicht ins Grundwasser gewaschen. Dringt es in Weiher oder Seen ein, ist es relativ ungefährlich für Wassertiere.“ Auf befestigten Gehwegen, Straßen und Garagenauffahrten ist Glyphosat allerdings verboten. Marianne Scheu-Helgert von der LWG erklärt: „In Beeten wird Glyphosat normal in der Erde abgebaut.“ Doch wenn der Boden befestigt oder versiegelt ist, dann kann es nicht mehr zersetzt werden. Es verbleibt an der Oberfläche. „Und wenn es regnet, wird das Glyphosat abgeschwemmt und kann über Bäche und Flüsse in die Umwelt gelangen.“ Laut Gartenakademie jäten und harken rund drei Millionen Bürger in ihrer Freizeit in Bayern. Für die Hobbygärtner aus dem Kreis Aichach-Friedberg bietet Manuela Riepold eine Beratung zu Fragen rund um Gartenkultur und Landespflege an. „Ich verweise dann auch immer auf eine Datenbank, in der alle zulässigen Pflanzenschutzmittel für den Heimbedarf aufgelistet sind“, sagt sie.

Genau wie in der Landwirtschaft ist der Einsatz von Glyphosat auch in Privatgärten umstritten. Marianne Scheu-Helgert von der LWG sagt: „In vielen Fällen ist der Einsatz von Glyphosat im privaten Bereich ein Superblödsinn.“ Denn es vernichtet zwar die Pflanzen, die Samen bleiben aber unbehandelt im Boden. „Das Unkraut keimt dann nach ein bis zwei Wochen wieder nach.“ Scheu-Helgert und ihre Kollegen von der Gartenakademie sind zwar verpflichtet, nach der aktuellen Gesetzeslage zu beraten. Trotzdem weisen sie auch auf alternative Methoden hin.

Die Vertreterin der Gartenakademie rät zum Beispiel: „Bevor die Pflanze aufgeblüht ist und noch keinen Samen angesetzt hat, sollte man den Boden lieber mit einer Hacke bearbeiten.“ Zur mechanischen Unkrautvernichtung rät auch Margot Lang. Sie ist die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Pöttmes. „Künstliche Mittel benutzen wir nicht. Unsere Leute wollen nichts mit Chemie zu tun haben.“ Zum Düngen verwenden die Vereinsmitglieder meist Kompost oder Pferdemist, für den sauren Boden manchmal Kalk. „Und für das Unkraut nehme ich meine Hand und meine Hacke und rupfe die Pflanzen einfach raus.“ "Kommentar

Das Beratungstelefon der LGW ist unter 0931/9801147 zu erreichen, die Kreisberatung unter 08251/92-392.

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