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Buch

06.09.2014

Immer den Soldaten auf den Fersen

Dittmar Hack (links) war als Kriegsreporter mit den Contra-Rebellen im Dschungel von Nicaragua unterwegs. 
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Dittmar Hack (links) war als Kriegsreporter mit den Contra-Rebellen im Dschungel von Nicaragua unterwegs. 

Der 63-jährige langjährige Kriegsreporter und Filmemacher Dittmar Hack hat ein Buch über seine Erlebnisse in den Krisengebieten dieser Welt geschrieben. Der gebürtige Münchner lebt seit vielen Jahren in dem kleinen Ort Paar

„Ich wollte im Grunde nie irgendwo ankommen, nur unterwegs sein.“ 13 Jahre, von 1980 bis 1993, war Dittmar Hack als freischaffender Kriegsreporter und Filmemacher unterwegs. Elf Kriege hat er in Wort und Ton dokumentiert. Seine Erlebnisse hat er jetzt in einem Buch festgehalten.

Hack war zwölfmal in Afghanistan, zweimal in Nicaragua, in Angola und Mosambik. 1989 filmte er die Leipziger Montagsdemonstrationen und war beim Fall der Berliner Mauer direkt vor Ort. In den 90er-Jahren berichtete er über die Balkankriege. Auf ihn wurde geschossen, er war mehrmals verletzt, Morddrohungen wurden gegen ihn ausgesprochen, Kopfprämien ausgesetzt. Auf dem 4000 Meter hohen Anjuman Pass in Afghanistan griffen ihn Islamisten tätlich an. Er kämpfte sich mit den Contra-Rebellen durch den Dschungel Nicaraguas und durchquerte Angola auf einem 2000 Kilometer langen Fußmarsch bis nach Zaire. Trieb in Mosambik mit der Rebellenorganisation Renamo (Resistencia Nacional Mocambiciana) im Schlauchboot den Zambesi-Fluss hinab. In Nicaragua verblutete sein bester Freund vor seinen Augen, seine französische Kollegin und Freundin wurde in Mali entführt und ermordet.

Als Reporter in den Leichenkellern

Immer den Soldaten auf den Fersen

„Als Kriegsreporter in den Leichenkellern des Kalten Krieges – Tagebuch über den Untergang des Sowjetimperiums“ heißt Hacks Buch, das er jetzt veröffentlicht hat. Auf über 400 Seiten berichtet der Autor, was er in den langen Jahren der Kriege vor Ort erlebt hat. Zugleich reflektiert das Buch politische, historische und ideologische Hintergründe sowie Ursachen dieser mörderischen Kriegseinsätze, die Hack mit zahlreichen Fotos dokumentiert.

„In diesem Metier arbeitet, denkt und hofft naiverweise jeder, dass es immer nur die anderen erwischt, und doch ist es nur eine Frage der Zeit, dass man selber an die Reihe kommt“, sagt er. Der 63-jährige drahtige Mann hatte Glück. Er hat überlebt, wenn auch mit Rissen und Scharten an Leib und Seele. Zynisch sei er geworden, abgebrüht, traumatisiert. Sagt er heute, und blickt vom Dachfenster seines Wohnhauses in dem Kühbacher Ortsteil Paar auf grüne Gärten und Obstbäume. Hack ist Mitglied im Kühbacher Feuerschützenverein, machte Karate in Aichach, läuft den Halb-Marathon in Friedberg. In Paar hat er über viele Jahre seine an Alzheimer erkrankte Mutter gepflegt, spekulierte eine Weile an der Börse. 2010 hat er mit dem Verfassen seines jetzt erschienenen Buches begonnen, parallel und ergänzend dazu arbeitet er an einem umfangreichen Geschichtslexikon, das bereits über 5000 Seiten umfasst.

Mitten im Kalten Krieg

Dittmar Hack ging im Sommer 1980 mit 29 Jahren als Autodidakt und freischaffender Kriegsreporter und Filmemacher zunächst nach Afghanistan. Im Dezember 1979 waren die Russen in das Land eingefallen. Er begleitete verschiedene Widerstandsgruppen und wurde regelmäßig in die kriegerischen Auseinandersetzungen mit hinein gerissen. Mitte bis Ende der 80er-Jahre reiste Dittmar Hack den Schauplätzen des Kalten Krieges sozusagen hinterher. Er berichtete aus Nicaragua, Angola und Mosambik und war auch hier mit den jeweiligen Rebellengruppen unterwegs. Seine fünf Kilo schwere Bolex-Kamera schleppte er meist selbst im Rucksack. Er aß zu Mus gekochte grüne Bananen, trank brackiges Sumpfwasser, hatte die Höhenkrankheit, Hepatitis, Amöbenruhr. Der Raubbau an seiner Gesundheit war Teil des hohen Preises, den er für die Arbeit als Kriegsreporter in Kauf nahm.

In elf der insgesamt 15 Kapitel von Dittmar Hacks Buch geht es um den Hauptkriegsschauplatz Afghanistan. Das „Tagebuch über den Untergang des Sowjetimperiums“, so der Untertitel des Buches, konfrontiert den Leser mit den verworrenen Verflechtungen und Abhängigkeiten der vor Ort agierenden islamistischen Front. Deren zunehmende Radikalisierung erlebte der Autor hautnah mit. Er berichtete unter anderem von der Schulung eines gewissen Osama bin Laden im afghanischen Jaji-Tal im Juli 1984 und verfolgte den Werdegang der Organisation von Al-Kaida. Als Kafir (arabisch: Ungläubiger) war der deutsche Reporter ständigen Vorurteilen ausgesetzt, die, je nach religiöser und ideologischer Zusammensetzung der Rebellengruppen, zu erhöhten Spannungen führten. Bereits 1984 hat Hack einen langen Bericht über Afghanistan im Magazin Spiegel veröffentlicht, seine Filmreportagen und Dokumentationen wurden in Abständen von ARD, ZDF, ABC, NBC und BBC gesendet.

„Der Kalte Krieg als Kampf um die Weltmacht“ hat Dittmar Hack das letzte Kapitel seines Buches betitelt. Der Kriegsreporter wird hier zum kritischen Beobachter und Kommentator der politischen und militärischen Strategien beider Weltmächte, die mit den angezettelten Kriegen die Welt aus den Fugen brachten. Ein Buch, das aufgrund der derzeit dramatischen Situation in Ost und West von einer verstörenden Aktualität ist.

Das Buch Dittmar Hack, „Als Kriegsreporter in den Leichenkellern des Kalten Krieges – Tagebuch über den Untergang des Sowjetimperiums“, erschienen im Sinus Verlag 2014, 34 Euro.

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