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Politik

06.09.2018

In Aichach darf auch der Nachwuchs wählen

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Im Oktober steht die Landtagswahl in Bayern an. In diesem Jahr können in Aichach erstmals auch die unter 18-Jährigen im Vorfeld wählen gehen.
Bild: Patrice Grosskreuz

In diesem Jahr können erstmals auch alle Jugendlichen unter 18 Jahren ihre Stimme abgeben. Wie das funktioniert und was sich die Organisatoren erhoffen.

Auf dem Schreibtisch von Uta Gottschalk stapeln sich die bunten Werbeplakate. „Wahllokal U18“ ist dort in großen Lettern zu lesen. Gemeint ist das Jugendzentrum in Aichach. „Etwas Vergleichbares gab’s hier noch nie“, erklärt die Sozialpädagogin stolz. Und Gottschalk weiß, wovon sie spricht. Seit über 18 Jahren arbeitet sie im Juze. Nun stehen sie und ihre junge Kollegin Tatjana Volk vor ihrem wohl größten Coup.

Wenn am 14. Oktober die Landtagswahl in Bayern über die Bühne geht, ist das Juze offizielles Wahllokal der Stadt. Gewählt wird in den Räumlichkeiten aber auch schon neun Tage zuvor. Denn am 5. Oktober findet erstmals eine U18-Wahl in Aichach statt. Ausnahmslos alle Jugendlichen unter 18 Jahren können dann ihre Stimme abgeben.

„Die Idee ist genial“, sagt Gottschalk. Zum einen, weil den Jugendlichen damit das Gefühl gegeben werde, dass auch ihre Stimme wichtig ist und gehört wird. Zum anderen, weil bei vielen jungen Menschen so etwas wie Politikverdrossenheit herrsche und die U18-Wahl dem entgegenwirken könne, so Gottschalk: „Die Situation in unserer Gesellschaft ist doch so: Bis die Jugendlichen 18 sind, haben sie sich gefälligst aus allem Politischen rauszuhalten. Sind sie volljährig, werden sie ins kalte Wasser geworfen und alle erwarten einen politisch perfekt gebildeten und mündigen Bürger. Das funktioniert so aber nicht.“ Deshalb habe sie das Jugendzentrum für die U18-Wahl angemeldet. Das Projekt ist einzigartig in Europa und findet seit der Premiere 1996 in Berlin bundesweit statt. In Bayern wird es vom Bayerischen Jugendring (BJR) begleitet und ausgewertet. Der BJR unterstützt das Juze zudem mit Werbematerial. Auf offene Ohren stößt die Jugendwahl auch bei der Stadt Aichach und dem Deutschherren-Gymnasium. Beide unterstützen die Aktion tatkräftig, erklärt Gottschalk.

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Politikern im Juze auf Augenhöhe begegnen

Der Ablauf der U18-Wahl ist dabei im Prinzip der gleiche, wie bei der offiziellen Landtagswahl. Sogar das Equipment ist identisch. Am Wahltag ist das Wahllokal von 10 bis 18 Uhr geöffnet. In diesem Zeitraum können alle Jugendlichen unter 18 Jahren ihre Stimme abgeben. Anschließend wird die Wahl ausgezählt und das Ergebnis vom BJR ausgewertet. Wählen gehen können aber nicht nur junge Menschen aus der Stadt Aichach, betont Gottschalk: „Wir hoffen, dass auch Jugendliche aus dem Umkreis den Weg zu uns finden, um ihre Stimme abzugeben. Woher sie kommen, spielt überhaupt keine Rolle.“

Ihr gehe es im Kern vielmehr darum, den Nachwuchs wieder für die Politik zu begeistern. Deshalb hat die Sozialpädagogin zusammen mit ihrer Kollegin Volk auch in Eigeninitiative Infoveranstaltungen für die Zeit vor dem Wahltermin organisiert. „Die Resonanz der Parteien war durchweg positiv“, so Gottschalk. Mit der Jungen Union, den Jusos, der Linken, den Grünen und der FDP haben gleich fünf etablierte Parteien zugesagt und schicken nun Vertreter aus dem Landtag ins Jugendzentrum (siehe Infokasten). Lediglich die Freien Wähler und die AfD sind dem Aufruf der Sozialpädagogin nicht gefolgt.

Die Veranstaltungen sollen allerdings keine drögen Monologe der Politiker werden. Ganz im Gegenteil, wie Gottschalk erklärt: „Die Jugendlichen können mit den Politikern Billard und Kicker spielen, oder auch einfach nur auf der Couch chillen. Wir wollen eine lockere Atmosphäre schaffen, sodass sich die jungen Menschen auch wirklich trauen, all ihre Fragen zu stellen.“ Ihr gehe es vor allem darum, dass sich Erwachsene und Nachwuchs auf Augenhöhe begegnen und ein vernünftiger Dialog über die Wahlprogramme der Parteien entsteht.

Ob das bei den Jugendlichen auf Anklang trifft, vermag Gottschalk nicht einzuschätzen: „Wir hoffen natürlich, dass viele kommen. Platz ist jedenfalls genug. Aber selbst wenn es nur ein paar sein sollten, hat es sich gelohnt.“ Auch was die U18-Wahl betrifft, macht sie die Zukunft nicht von der Beteiligung abhängig: „Wir wollen das auf jeden Fall in Aichach etablieren und auch bei den Wahlen in den kommenden Jahren damit weitermachen. Begeisterung für Politik entsteht schließlich nicht innerhalb weniger Wochen.“

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