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Umwelt

26.11.2018

In Aichach heißt es: Reparieren statt wegwerfen

Zum Angebot des Repair-Cafés in den Räumen der Caritas gehört auch eine Elektro-Abteilung: (von links) Praktikant Temuri Gadakhabadze aus Georgien, Robert Schwarz, Klaus Ehmanns und Josef Riegl.
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Zum Angebot des Repair-Cafés in den Räumen der Caritas gehört auch eine Elektro-Abteilung: (von links) Praktikant Temuri Gadakhabadze aus Georgien, Robert Schwarz, Klaus Ehmanns und Josef Riegl.
Bild: Vicky Jeanty

Repair-Café öffnet zur Europäischen Abfallvermeidungswoche. Da wird auch eine Arbeitshose geflickt und ein Kassettenrekorder zum Laufen gebracht.

Die Gemüse-und Obstsäckchen sind aus alten Vorhangstoffen, aus den Jutesäcken, in denen zuvor brasilianische Kaffeebohnen verschifft wurden, sind reißfeste, wasserdichte Rucksäcke genäht worden. Der zehn Jahre alte Staubsauger wird entstaubt und saugt wieder. Es findet sich ein kleines Gummiband, das dem antiken Kassettenrekorder den nötigen Drehimpuls gibt. Wegwerfen ist nicht, Wiederwerten, Instandsetzen nicht mehr gut funktionierender Dinge ist angesagt. Das Repair-Café an der Münchener Straße in Aichach macht’s möglich.

Im Rahmen der Europäischen Abfallvermeidungswoche hatte das Landratsamt einen zusätzlichen Öffnungstag des Repair-Cafés mitinitiiert. Das reguläre Angebot läuft seit ein paar Jahren unter der Regie der Aichacher Volkshochschule und der Caritas, die zweimal im Jahr ihre Räumlichkeiten für diesen Zweck zur Verfügung stellt. Der letzte Termin war Anfang Oktober. Das war laut den Abfallberaterinnen Johanna Tremmel und Rebecca Moser vom Landratsamt sowie der Caritas-Leiterin Rosa Straub mit ein Grund, warum am Samstag der Zulauf in den angebotenen drei Werkstätten überschaubar blieb.

„Die Fahrradsaison ist eigentlich zu Ende. Bei mir war heute nichts los“, sagt Othmar Schneider. Der passionierte Radler ist seit fast zwei Jahren ehrenamtlich im Repair-Café tätig. In der Hauptsaison habe er viel zu tun, trotz der relativ bescheidenen Hilfsangebotsmöglichkeiten. Schlauch wechseln und aufpumpen, Birne auswechseln, Ölen und Schrauben seien die gängigsten Aufgaben. Für die Behebung größerer Schäden fehle das notwendige Werkzeug oder das Material. Dafür schätzten seine „Kunden“ umso mehr die persönliche Beratung und den kostenlosen Service, bestätigt er.

Reine Männersache ist auch die Abteilung „Reparatur von Elektro-und Haushaltsgeräten“. Robert Schwarz, Klaus Ehmanns und Josef Riegl haben oder hatten alle drei beruflich mit Elektrotechnik zu tun und kennen sich entsprechend aus. Wie Schneider haben sie ihre eigenen Werkzeuge und Materialien aus ihrem privaten Fundus in den Kellerraum des Caritas-Gebäudes mitgebracht. Ein defekter Kassettenrekorder, eine durchgeschmorte Stehlampe und eine marode Kaffeemaschine landeten am Samstag auf ihrer Werkbank. Die beiden letzten Teile waren leider nicht mehr zu retten und landen auf dem Wertstoff. Außer Ehmanns, der erst vor Kurzem aus Köln nach Aichach gezogen ist, sind Schwarz und Riegl schon seit etlichen Jahren beim Repair-Café im Einsatz. „Es macht Spaß, wir helfen gerne“, versichern die drei. Gelegentlich nimmt Riegl schon mal einen kaputten Staubsauger mit nach Hause, um ihn dort dank spezieller Werkzeuge fachmännisch zu zerlegen und wieder instand zu setzen.

Die Nähstube im großen Aufenthaltsraum der Caritas ist fest in Frauenhand. Die gelernte Herrenschneiderin Ernestine Espik sitzt an der surrenden Nähmaschine und kürzt einen Rock. Derweil bedankt sich ein älterer Herr bei ihrer Tochter Lisa Riedl. Sie hat die seitliche Naht seiner Arbeitshose zusammengenäht, die bei der Gartenarbeit gerissen war. Seinen ersten Kontakt mit der kostenlosen „Nähstube“ wird er sobald nicht vergessen. Er kauft einen von Riedls Juterucksäcken, die sie aus ehemaligen Kaffeesäcken mit Klienten der Tagesstätte gefertigt hat. „Ein Weihnachtsgeschenk für einen meiner Enkel“, meint der Herr.

„Wir verwerten, was schon da ist und was schön ist“, bemerkt Rosa Straub. Das gilt vor allem für die Nähstube und die hausinternen Nähprojekte. Entsprechend freue man sich über Stoff- oder Wollspenden, hier sei der Bedarf besonders hoch. Die Kreativität ihrer Klienten ist nicht zu übersehen. Die Wände des Aufenthaltsraums werden geziert von großen, sehr liebevoll bestickten und gestalteten Wandbehängen. Gerade was Nähen, Stricken und Sticken betreffe, seien alle stets sehr engagiert und aufgeschlossen, bestätigt sie.

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