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24.09.2008

In Friedberg fanden die Jesuiten während der Reformation ein Refugium

Friedberg Es waren die Augsburger Jesuiten, die zurzeit der Reformation ein Refugium, also eine Zufluchtstätte suchten, in die man sich zu Zeiten der Bedrängnis begeben könne. So gestand Herzog Wilhelm V. den Jesuiten zu, dass sie sich im Falle einer Vertreibung aus der Stadt Augsburg in Friedberg bis zu ihrer möglichen Rückkehr aufhalten dürften.

Dieses Aufenthaltsrecht machte es möglich, dass Octavian und Johann Jakob Fugger 1587 für die Jesuiten in Friedberg zwei Häuser kauften. Weitere Erwerbungen mit Um- und Neubauten folgten. 1595 wurde der Jesuitenbesitz mit einer Mauer eingefriedet, aber schon 1614 erweitert durch Haus und Garten von Goldschmied Franziskus Kreitmayr, heute Uhrmachergasse 2.

Grundbesitz mitten in der Stadt

So kann man davon ausgehen, dass das Areal der Jesuiten in der Stadt während der Hauptzeit ihres Aufenthalts von erheblichem Ausmaße war. Es umfasste die Gebäude oberhalb des Marienplatzes mit den heutigen Verwaltungsgebäuden der Stadt und erstreckte sich bis zur nordwestlichen Stadtmauer. Auch alle Gebäude und Grundstücke beiderseits der Jesuitengasse gehörten zum Jesuitenbesitz.

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Die ehemals stattlichen Jesuitenbauten Marienplatz 5 und 7, heute städtische Verwaltungsgebäude, gehen auf die Gründungszeit des Jesuitenkollegs zurück und sind trotz zahlreicher Umbauten in ihrem Grundbestand erhalten. Besonders das Gebäude Marienplatz 5, ehemals Hauptsitz des Jesuitenkollegs, weist mit dem korbbogig durchgehenden Flur im Erdgeschoss und den Stuckornamenten im Treppenhaus auf jesuitische Bauweise hin.

Geht man vom Marienplatz über die Spitalgasse zur Jesuitengasse, so erinnert schon der Straßenname an die jesuitischen Besitzungen, die sich ehemals beiderseits der Jesuitengasse ausbreiteten. Besonders in den Blick fällt der Ostgiebel des Hauses Jesuitengasse 7, der als Unterbau eines Glockentürmchens an die Jesuitenkirche, später auch Aloisuskirche genannt, erinnert. 1588 begann man mit dem Bau dieser Kirche, wobei die Fugger den Jesuiten hilfreich zur Seite standen und die Anna Fuggerin, des Jakob Fuggers Gattin, an die Kirche "reichlich Zierden vergab". Nach Zerstörung im 30-jährigen Krieg und Wiederaufbau wurde die Kirche nach Weggang der Jesuiten nur mehr zeitweise kirchlich genutzt. Der Umbau in ein Wohnhaus erfolgte 1875.

Unmittelbar an die ehemalige Jesuitenkirche schließt sich das Spital an, das an die schmucken Wohnhäuser in der Augsburger Fuggerei erinnert. Das Haus mit großem Garten war ehemals auch Fuggerbesitz und wurde den Jesuiten geschenkt. 1675 erwarb die Stadt Friedberg den Besitz zum Bau eines neuen Seelhauses, wobei die Herrn des Friedberger Magistrats den Augsburger Jesuiten 1000 Gulden in bar auf den Tisch legten - so die Überlieferung.

Sonntägliche "Kinderlehr" auf Bitten des Rats

Bereits mit der Gewährung des Aufenthaltsrechts für die Jesuiten und ihrem Einzug in Friedberg war die Bitte des Rats der Stadt verbunden, den katechetischen Unterricht für die Jugend zu übernehmen. Dies geschah ab 1590 in der sonntäglichen "Kinderlehr". Nach dem 30-jährigen Krieg erfolgte diese Unterweisung, wie die Stadtkammerrechnungen belegen, nur mehr von Augsburg aus.

Mit dem Erwerb der Hofmark Kissing und damit, dass das Kissinger Schlossgut Lebensgrundlage für die Augsburger Jesuiten wurde, verlor Friedberg als Standort der Jesuiten immer mehr an Bedeutung und schließlich wurde das Kolleg ganz aufgegeben.

Eine weitere bedeutende Jesuitenspur führt unmittelbar ins Schloss. Die Herzogin Christina von Lothringen hatte ihren Wohnsitz von der Burg Trausnitz in Landshut seit dem Jahr 1568 ins Friedberger Schloss verlegt und sie war es, die zu ihrem geistlichen Beistand zuerst die Jesuiten nach Friedberg rief. Ihrem Wunsch nach Lesung der Messe und geistlichen Gesprächen wurde von den Augsburger Jesuiten entsprochen.

Auch Christinas Schwiegersohn Wilhelm V. stand ganz unter jesuitischem Einfluss, besonders nach seiner schweren Erkrankung im Friedberger Schloss im Juli 1575. Wilhelm weilte, wie schon des Öfteren in den letzten Jahren, in Friedberg, als ihn ein Fieber mit rasenden Kopfschmerzen ergriff. Der Fieberanfall war so heftig, dass man für Wilhelms Leben fürchtete. Die Krankheit fesselte ihn bis Ende August ans Bett. Auch danach war Wilhelm derart geschwächt, dass er ohne Hilfe weder stehen noch gehen konnte.

Erst allmählich gewann er seine Kräfte zurück. Er war aber nicht mehr der gleiche wie vorher. Aus einem lebenslustigen jungen Fürsten war ein grüblerischer zur Schwermut neigender Mann geworden. So wurde sein Krankheitsaufenthalt in Friedberg zum entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben und in seinem politischen Handeln. Unter dem Einfluss seines Beichtvaters wendete er sich ganz der Weltanschauung der Jesuiten zu. Trotz des riesigen Schuldenbergs, der sich in der Staatskasse aufgetürmt hatte, begann er für die Jesuiten 1583 mit dem Bau der St. Michaelskirche in München, einem Renaissancebau mit dem zweitgrößten Tonnengewölbe nach St. Peter in Rom.

Zwischen Frömmigkeit und religiösem Eifer

Weiterhin sammelte er wertvolle Kunstschätze, widmete sich aber geradezu mit Leidenschaft dem Sammeln besonders verehrungswürdiger Reliquien. Verbunden war diese Hinwendung zum Religiösen mit einem missionarischen Eifer, der ihn allerdings auch nicht vor Ketzer - und Hexenverfolgung zurückschrecken ließ. Nach seiner Abdankung zugunsten seines Sohnes Maximilian zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück und verbrachte seine Tage - ganz in Schwarz gekleidet - im klösterlichen Jesuitenkonvent in München.

Die jesuitischen Fährten, die in Friedberg sowohl ins Wittelsbacher Schloss als auch mitten in die Altstadt führen, sind für die Ortsgeschichte und für die bayerische Geschichte von nicht geringer Bedeutung. Sie sind es wert, sie auch weiterhin zu verfolgen.

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