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Woche der Kirchenmusik

02.07.2019

In Maria Birnbaum erklingt echte Freude

Langer Applaus im Stehen für die beiden Chöre mit den Solisten und hervorragendem Projektorchester. Es sangen (von links) Lucia Frank, Anselm Sibig, Jaewon Yun und Virgil Mischok, (ganz rechts) Rudolf Drexl.

Zum Start der neuen Konzertreihe beeindrucken in der vollen Wallfahrtskirche in Sielenbach Chor, Solisten und Instrumentalisten bei der Mariazeller Messe von Joseph Haydn. Was das Besondere dabei war

Die Missa Cellensis in honorem BVM, auch Mariazeller Messe genannt, von Joseph Haydn hat es dem Kammerchor Maria Birnbaum und dem Chor St. Severin aus Garching angetan. Die mit reichlich barocken Konventionen ausgestattete Messe zeigt den Vater der Wiener Klassik in überraschend anderer Art. Pater Bonifatius sagte bei der Begrüßung zur ersten Woche der Kirchenmusik in der Wallfahrtskirche, dass er überwältigt von der großen Besucherschar sei und wünschte ein besonderes Hörvergnügen. „Das haben mir auch die Reaktionen des Publikums nach der Aufführung der Mariazeller Messe gezeigt“, lauteten am Ende der Aufführung die Worte von dem Pater.

Wenn Aufführungsort und Umfeld stimmen, kann geistliche Musik eine ganz andere spirituelle Wirkung entfalten als selbst im besten Konzertsaal. Dabei ist die Missa Cellensis kein leichtes Werk. Komplizierte, mehrstimmige Stimmfolgen verlangen zum Auftakt der erstmaligen Veranstaltungsreihe Chor und Projektorchester unter dem Dirigat von Rudolf Drexl viel Präzision und Rhythmik ab. Dunkel und fast ein bisschen geheimnisvoll erklingen die ersten Töne des Kyrie. Ein wenig, als hätten sich weder Komponist noch Gläubige so recht getraut, Gott um Erbarmen anzuflehen. Doch der Mut wächst, und aus der fast untertänigen Bitte machen Chor und das Projektorchester eine leidenschaftliche Forderung.

Im Gloria schlägt die große Stunde von Pauken und Trompeten. Kein Problem für Sopranistin Jaewon Yun, deren Stimme sich mit schlanker Schönheit über die machtvollen Instrumente erhebt. Chor, Solisten und Orchester wirken kompakt – was in sakralen Räumen mit ihrem Nachhall keine Selbstverständlichkeit ist.

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Und über allen positiven Eigenschaften müssen schließlich die Solisten stehen. Erfreuen kann sich die zahlreiche Zuhörerschar an den Leistungen der Gesangssolisten. Jaewon Yun lässt ihren Sopran im „Laudamus te“ nach verhaltenem Beginn hell aufleuchten und erweist sich in der Folge stets beweglich und koloraturgewandt.

Lucia Frank gestaltet ihre Altpartie höchst eindringlich mit dunkel glühendem Timbre, während Anselm Sibig in seinen Tenorarien gelegentlich die Sphäre der Oper streifen darf. Virgil Mischoks kerniger, markant hervortretender Bariton rundet den vorzüglichen Gesamteindruck ab, den das Solistenquartett und die gesamte Aufführung hinterlassen. Gut möglich, dass die Aufführung in dem eindrucksvollen Raum der Wallfahrtskirche die Gedanken aller Mitwirkenden noch ein wenig mehr inspiriert. Frank, Sibig und Mischok singen im Credo „Et incarnatus est – und er ist Fleisch geworden“ mit großer Innigkeit. Der Chor lässt die Dramatik des Karfreitagsgeschehens beim „Crucifixus est etiam pro nobis – gekreuzigt wurde er sogar für uns“ noch einmal lebendig werden. Ganz wunderbar ist das Benedictus gesungen, und ist ebenso wie das getragene Agnus Dei in dieser Aufführung von dem erfüllt, was man in Konzertsälen so oft vergeblich sucht: von großer Innerlichkeit und echter Freude.

Die findet ihre Steigerung noch im „Hallelujah“ aus Georg Friedrich Händels Messias, dem krönenden Abschluss dieses besten Abends der Konzertwoche in Maria Birnbaum. Am Ende: Standing Ovations.

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