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70 Jahre Kriegsende

28.04.2015

Jeden Tag ein Rosenkranz zum Dank

Die Lechbrücke bei Rehling wurde am 27. April 1945 gesprengt. Später wurde sie neu erbaut.
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Die Lechbrücke bei Rehling wurde am 27. April 1945 gesprengt. Später wurde sie neu erbaut.
Bild: Josef Abt (Repro)

Rehlings Bürgermeister übergibt unter Einsatz seines Lebens die Gemeinde. Am Markustag „verlobt“ sich die Pfarrgemeinde mit der Gottesmutter. Das Gelöbnis hält bis heute.

Vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende, auch im Wittelsbacher Land. Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen, die die damaligen Ereignisse miterlebt haben. In Rehling, wo es im Gemeindebereich noch einmal zu kleineren Kampfhandlungen gekommen war, geben aber einige Aufzeichnungen Aufschluss über diese Zeit, die nach Jahren der Not und des Leides mit vielen Gefallenen wieder Frieden in die Region brachte. Der ehemalige Geistliche Rat Heribert Lohner hatte dazu im Totenmatrikel der Pfarrei auf Seite 76 eine „Kriegschronik von Rehling des Jahres 1945“ verfasst, die hier im Original widergegeben wird:

„Am 13. April 1945 wurde ein Kommando Nachrichtentruppen nach Rehling gelegt. Am 15. April ein Kommando Infanterie. Am 22. April kamen neue Truppen.

Am Markustag, 25. April 1945, verlobte sich die Pfarrgemeinde zur lieben Gottesmutter mit einer Wallfahrt und täglichem Rosenkranz auch nach dem Krieg. Am 26. April 1945 kam ein SS-Verband und Hitlerjugend, die zum größeren Teil in derselben Nacht wieder abzogen. Eine Abordnung der Bauern zum Ortskommandanten mit der Bitte um Abzug der Truppen hatte keinen Erfolg. Von Donnerstag, den 26. April abends 10 Uhr bis Freitag, den 27. April morgens 5 Uhr wurde Rehling von Biberbach aus mit Artillerie beschossen. Es entstanden nur geringe Schäden. Am Waldrand, entlang der Straße zwischen Allmering und Gamling, wurde nun Werferbatterie mit 8 Geschützen, 8 schweren Nebelwerfern, in Stellung gebracht. Am Funkturm(Harthof) eine Flakbatterie. Widerstandsnester mit Maschinengewehr und Panzerfaust wurden im Lechfeld bei der Brücke und zwischen Sankt Stephan und Kagering angelegt. Feuer in verschiedenen Häusern von Oberach, am Berghang von Rehling, Au und Scherneck. Von Donnerstagabends bis Sonntag lebte die Bevölkerung in den Kellern.

Am Samstag, den 28. April 1945, drangen die amerikanischen Kampfwagen von Thierhaupten und Unterach kommend, in Oberach ein. Nach kurzem Gefecht übergab der damalige Bürgermeister von Rehling (Martin Riepold) und der Ortsführer von Au unter Einsatz ihres Lebens die Gemeinde mit der weißen Fahne. Zudem wurden weiße Fahnen an den Häusern und am Kirchturm gehisst. Abgebrannt bzw. stark beschädigt sind in Oberach die Stadel der Anwesen Mertl, Erber und Vötterl, ferner der Maschinenschuppen vom Moll in Au.

Am Sonntag fuhren amerikanische motorisierte Truppen in Rehling ein, die etwa 50 Gefangene machten und abtransportierten. Ferner wurde das Lechfeld und hinter Scherneck von vielen amerikanischen Kampfwagen durchstreift und gesäubert. Rehling befand sich in größter Not am Samstag, ähnlich wie Gebenhofen, von Tieffliegern in Brand geschossen zu werden. Wir danken unsere Rettung der Fürbitte der lieben Gottesmutter.

Am Freitag, den 27. April 1945, wurde die Lechbrücke von Langweid gesprengt. Im Lechfeld auf der Rehlinger Seite sollte eine Hauptkampflinie zur Verteidigung Augsburgs aufgemacht werden, die jedoch wegen des schnellen Vorrückens der Amerikaner nicht mehr zustande kam. Immerhin befanden sich nach Aussage von Offizieren im Lechfeld auf der bayerischen Seite von Augsburg bis Thierhaupten Truppen in Stärke einer kampfschwachen Division. Rehling sollte ein Hauptpunkt der Verteidigung werden. Unser Glück war, dass die Amerikaner nicht über den Lech setzten, sondern schneller als erwartet, von Rain her über Thierhaupten vordrangen und dass die geplante Hauptkampflinie nicht mehr zustande kam, so dass auch Augsburg selbst nicht mehr verteidigt werden konnte. Als die Kampfwagen der Amerikaner in Unter- und Oberach eindrangen, verließen die letzten Truppen Rehling in Richtung Gebenhofen und die Rehlinger hissten die weiße Fahne zum Zeichen der Kapitulation. Die amerikanischen Truppen zogen dann schnell weiter. Am 21. Mai 1945 wurden sämtliche ausländischen Arbeiter und Kriegsgefangene von Rehling abtransportiert. Am 27. Mai 1945 wurden ca. 180 Mann amerikanische Besatzungstruppen in den Gasthäusern Felber und Gernhäuser sowie in der nahe gelegenen Schule einquartiert."

Übrigens haben die Rehlinger ihr damaliges Gelöbnis vor 70 Jahren bis heute aufrechterhalten: Jeden Abend wird in der Pfarrkirche ein Rosenkranz gebetet, oft mit nur fünf, sechs Teilnehmern. Damit das Gelöbnis aufrechterhalten werden kann, sind Jüngere dazu stets willkommen. Die Tradition des Rosenkranzbetens wird auch in den Ortsteilen Unterach und Allmering täglich praktiziert.

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