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Flexible Grundschule

31.03.2012

Jetzt Modellversuch, bald Standard?

Schon im September startet in Griesbeckerzell/Obergriesbach ein neues Unterrichtskonzept. Was dort und anderswo ausprobiert wird, könnte die Schule der Zukunft sein

Aichach/Obergriesbach Ab Herbst wird es spannend in der Schule Griesbeckerzell/Obergriesbach. Dann startet dort, wie berichtet, der Modellversuch zur flexiblen Grundschule (siehe Infoartikel). Auffälligstes Merkmal: Es wird keine ersten und zweiten Klassen mehr geben, sondern nur noch drei jahrgangsgemischte. Lehrer, Eltern, Schulleitung und Sachaufwandsträger – also der Schulverband – stehen hinter dem Projekt.

Schulleiterin Martina Ritzel sagte am gestrigen Freitag in der Versammlung des Schulverbands in Aichach: „Es wurde überall als sehr sinnvoll erachtet, dass wir uns darum bewerben.“ Sie rechnet damit, dass das Bayerische Kultusministerium die flexible Grundschule später möglicherweise flächendeckend einführen wird. Die Schulbuchverlage arbeiteten bereits in diese Richtung. Im neuen Lehrplan, der in zwei bis drei Jahren erscheine, gebe es dieselbe Tendenz, so Ritzel.

Helmut Lenz, früher selbst Schulleiter in Griesbeckerzell, heute Rektor in Dasing und Schulreferent im Aichacher Stadtrat, erzählte von einem Gespräch mit Schulamtsleiter Klaus Metzger: „Er ist der Ansicht, dass das langfristig Standard wird.“ Die Schule Griesbeckerzell/Obergriesbach macht mit dem Modellversuch aus der Not eine Tugend. In den vergangenen Jahren bewegten sich die Schülerzahlen oft nahe der Grenze, ab der eine Klasse geteilt werden muss. „Das spielt jetzt keine Rolle mehr“, sagt Martina Ritzel. Zudem profitieren die Lehrer vom Modellstatus. Sie werden intensiv fortgebildet. So bekommen sie möglicherweise bessere Startbedingungen als andere Schulen, die später nachziehen.

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Die Mitglieder des Schulverbandes äußerten sich am gestrigen Freitag durchwegs positiv. Klaus Habermann, Verbandsvorsitzender und Aichacher Bürgermeister: „Das pädagogische Konzept hat Hand und Fuß. Ich sehe darin eine Riesenchance für die Schule.“ Josef Schwegler, stellvertretender Schulverbandsvorsitzender und Bürgermeister von Obergriesbach: „Wenn wir so einen Modellversuch kriegen, müssen wir ihn annehmen.“ Er hob die frühzeitige Information der Eltern durch die Schule im Januar hervor. Sie wirkte sich bereits am Donnerstag bei der Schuleinschreibung aus. Die Eltern hätten sehr hellhörig und positiv auf die flexible Verweildauer von ein bis drei Jahren in den ersten beiden Jahrgangsstufen reagiert, berichtete Martina Ritzel.

Auf die Lehrer kommen damit allerdings noch höhere Anforderungen zu. Schon jetzt ist die Ausgangslage bei Grundschülern oft sehr unterschiedlich. „Manche können schon lesen und schreiben, andere haben eigentlich einen sonderpädagogischen Förderbedarf“, so Ritzel. Mit den jahrgangsgemischten Klassen wird die Bandbreite weiter steigen. Sowohl beim Entwicklungsstand als auch beim Alter der Kinder. Die Rektorin: „Die weiterführenden Schulen müssen sich auf jüngere Kinder einstellen.“

Der Modellversuch zur flexiblen Grundschule betrifft zwar nur die ersten beiden Klassen. Doch die Mischung der Jahrgänge wird sich an der Schule Griesbeckerzell/Obergriesbach danach in den dritten und vierten Klassen fortsetzen. Kinder, die schon nach drei Jahren auf die weiterführende Schule wechseln – eine Option, die die flexible Grundschule von Kombiklassen wie etwa in Inchenhofen unterscheidet – kommen dort jünger an. Der Modellversuch hat somit Folgen für das gesamte Schulsystem.

Als Einziger in ganz Schwaben erhielt der Landkreis den Zuschlag für zwei Modellschulen. An Merings Grundschule II (Ambérieustraße) läuft das Projekt bereits. Sowohl mit ihr als auch mit der Zell zugeordneten „Satellitenschule“ in Esting (Olching, Kreis Fürstenfeldbruck) werden die Lehrer intensiv kooperieren. Dass sie Vorreiter für einen bayernweiten Trend sein könnten, zeigen die Zahlen. Derzeit gibt es 20 flexible Grundschulen im Freistaat. Ab Herbst sollen es bereits 80 sein.

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