Asylbewerber

06.05.2015

„Jo, den nehma!“

Anton Heinrich, Gruppenleiter und Werkstattmeister in den Aichacher Ulrichswerkstätten, erklärt Ndour einen Auftrag.
Bild: Caritas

Ein Jahr lang arbeitet der Senegalese Magueye Ndour im Bundesfreiwilligendienst in den Ulrichswerkstätten in Aichach. Er überzeugt dort mit Können und Arbeitseifer

„He, da ist ein Schwarzer auf dem Hof.“ Aufgeregt eilten betreute Beschäftigte der Ulrichswerkstätten für Menschen mit Behinderungen (UWA) in Aichach zu ihrem Chef Robert Winzer. Der schaute sogleich nach, was los war. Magueye Ndour stand auf dem Hof. Er stammt aus dem Senegal. Seit 2013 ist er in Deutschland und lebt derzeit in der dezentralen Unterkunft für Asylbewerber in Dasing.

Der 35-jährige Senegalese kam mit einem bestimmten Ziel zur UWA. Er hatte eine Mappe bei sich mit Beschreibungen und Bildern seiner Schlosserarbeiten in Senegal. Firma um Firma hatte er mit seinem Fahrrad abgeklappert und versucht, vorzusprechen. Doch erst bei der UWA traf der 35-Jährige auf einen Mann, der sich von seinem Eifer beeindrucken ließ. „Außerdem wäre es einer Caritas-Einrichtung auch nicht würdig gewesen, nichts zu versuchen“, unterstreicht Winzer seine Überzeugung.

Winzer hatte zwar keine Planstelle anzubieten, aber er klemmte sich dahinter, um herauszufinden, ob es eine Möglichkeit geben könnte, Ndour in Arbeit zu bringen. Er hatte Erfolg. Ein Jahr lang kann Ndour bei den UWA im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes mitarbeiten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

An dessen erstem Arbeitstag wollte Robert Winzer den Senegalesen auf seinem Arbeitsweg nach Aichach mitnehmen. Als er in der Asylunterkunft ankam, konnte er Ndour zuerst nicht finden. Winzer war verunsichert. Doch der 35-Jährige war schon längst auf dem Weg nach Aichach. Er war skeptisch geworden, weil Winzer etwas später kam, als vereinbart. Und wo kommt es auch vor, dass ein Chef seinen Mitarbeiter abholt?

Skeptisch waren anfangs auch Ndours Gruppenleiter in den Ulrichswerkstätten. „Wir schauten ihn uns genau an, auch was er alles so kann und wie er es macht“, erzählt Anton Heinrich. Doch nach zwei Wochen war er sich mit seinem Gruppenleiterkollegen Horst Lehnhardt einig: „Jo, den nehma!“

Ndour fand gute Kollegen in den Werkstattbeschäftigten mit Einschränkungen. Sie waren stolz, ihm etwas zeigen zu können. „Er ist ein guter Kerl“, sagte einer über ihn. „Wir können gut zusammenarbeiten“, sagt Georg Lang. Nur bei der Verständigung haperte es anfangs. Ndour konnte kaum Deutsch und erst recht kein Bayerisch. Doch er verstand die Zeichen, die Gestik und Mimik, auch weil er die Arbeitsabläufe kennt. Inzwischen konnte er dank des Fortbildungsmoduls im Bundesfreiwilligendienst und des Deutschunterrichts in der Unterkunft durch Ehrenamtliche seine Sprachkenntnisse verbessern.

Es gab bislang keinen Tag, an dem der Senegalese nicht pünktlich in der Arbeit war. Egal, was man ihm auftrug, ob Schweißerarbeiten oder Fräsen, alles erledigte er zur vollsten Zufriedenheit seiner Chefs. „Er ist ein sehr guter Schlosser, sehr fleißig und zuverlässig“, lobte Winzer ihn. „Er ist ein Mann, der wirklich arbeiten will.“ Er kennt genügend Arbeitgeber, die genau solch einen Mitarbeiter suchen, aber nicht finden.

Ende Juni 2015 läuft das Jahr des Bundesfreiwilligendienstes für Magueye Ndour ab. Robert Winzer setzt sich dafür ein, für ihn, wie es auch bei anderen möglich ist, eine Verlängerung um ein halbes Jahr zu erzielen. „Doch was ist dann?“, fragt er sich schon heute. „Es ist wirklich schade, dass arbeitswillige und fleißige Leute wie Ndour keinen festen Arbeitsplatz bei uns finden.“ (AN)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
KAYA1454.JPG
Sulzemoos

Schlangenlinien gefahren wegen Unterzucker

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden