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03.03.2018

Josef Bestler prägte und formte Aichach-Friedberg

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Josef Bestler, der frühere Landrat des Wittelsbacher Landes, mit seinen beiden Töchtern Evi Gierenstein (links) und Gitti Henke. bei seinem 90. Geburtstag. jetzt ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.
Bild: Gerlinde Drexler

Josef Bestler ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Er war über 26 Jahre lang Landrat und hat einiges bewirkt. Sein Name ist untrennbar mit der Kreisreform verbunden.

Er wohnte in seinen letzten Lebensjahren nicht weit entfernt von seinem früheren Arbeitsplatz im Blauen Palais. Und wenn Josef Bestler in Aichach unterwegs sein konnte, dann war er auf der Straße vor allem für die älteren Menschen immer noch der „Herr Landrat“ – obwohl er schon seit über 28 Jahren nicht mehr im Amt war und mit Klaus Metzger mittlerweile heute der dritte Nachfolger im Chefbüro an der Münchener Straße sitzt. Aber in den Jahren bis 1989 prägte er über 26 Jahre den Altlandkreis Aichach und ab 1972 als erster Landrat den neuen Kreis Aichach-Friedberg wie kein anderer. Das haben viele Menschen nicht vergessen. Am Donnerstag ist Josef Bestler im Alter von 92 Jahren gestorben.

Seinen 80. Geburtstag feierte der Altlandrat noch bei einem großen Empfang im Landratsamt. An seinem 90. im Mai 2015 ging es ihm gesundheitlich nicht mehr ganz so gut. Aus der Öffentlichkeit hatte er sich da schon weitestgehend zurückgezogen. Allerdings stand er kurz zuvor nochmals im Mittelpunkt einer Feierstunde. Im Sitzungssaal des Landratsamtes, dort wo er zu seiner Zeit so manchen politischen Strauß ausgefochten hat, wurde er als eine der herausragenden Persönlichkeiten des Wittelsbacher Landes gewürdigt. Anlass war damals die Präsentation des aktuellen Jahrbuches aus der Reihe „Altbayern in Schwaben“. In zwei Bänden sind die teils sehr persönlichen Erinnerungen von Josef Bestler festgehalten. Das 600 Seiten dicke Manuskript verfasste der Altlandrat selbst. Der ganze Saal war damals gefüllt mit aktuellen Politikern und ehemaligen Weggefährten. Und sein Nach-Nach-Nachfolger Landrat Klaus Metzger hob vor allem Bestlers ausgleichende Fähigkeiten hervor, die dafür sorgten, dass „diese beiden Altlandkreise zu einer tatsächlich gut zusammenlebenden Einheit geworden sind“.

Josef Bestler wollte die Menschen im Landkreis verbinden

Wie wichtig ihm das als Landrat war, zeigt eine Anekdote aus den Anfangszeiten des neuen Landkreises. In Zeitungsberichten wurde damals bei Kreisthemen als sogenannte Ortsspitzmarke am Anfang der Artikel immer „Aichach/Friedberg“ verwendet. Bestler meldete sich in unserer Redaktion: „Schreiben Sie doch bitte nur noch Aichach-Friedberg mit Bindestrich und nicht mehr mit dem schrägen Trennungsstrich – es geht doch ums Verbindende und nicht ums Trennende ...“ Seine Lebenseinstellung. Bei der Buchpräsentation betonte der Altlandrat: „Dieser Landkreis liegt mir immer noch am Herzen.“

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Sein Name ist bis heute untrennbar mit der Kreisreform in Verbindung. Der Zusammenschluss von Aichach und Friedberg, vor allem aber der Wechsel des Regierungsbezirks von Oberbayern zu Schwaben, weckte damals viele Emotionen bei den Altbayern. „Eine schwierige, aber die einzig richtige Entscheidung“, sagte Bestler vor über zehn Jahren im Rückblick auf seine Amtszeit: „Von München aus waren wir doch jwd – janz weit draußen. Von Augsburg aus sind wir der goldene Tellerrand.“

Bestler kam am 13. Mai 1925 in Ebersbach bei Ichenhausen (Kreis Günzburg) auf die Welt. Mit 17 wurde er eingezogen und zum Kampfflieger ausgebildet. Er brach sich das Rückgrat und erlebte das Kriegsende im Lazarett. Die Verletzung spürte er sein Leben lang, sie rettete ihm aber vielleicht auch das Leben. Mit 20 machte er das Abitur nach, studierte Jura und arbeitete als Jurist später im Landratsamt in Garmisch. 1957 kam Bestler als Regierungsrat nach Aichach und sollte zwei Jahre später in die Münchner Verwaltungshierarchie zurückkehren. Doch der damalige Landrat Max Glötzl wollte Bestler als seinen Nachfolger halten. Der traute den Versprechungen offenbar nicht so recht und ließ sich vom Landrat, dessen Stellvertreter und dem CSU-Fraktionschef im Kreistag schriftlich bestätigen: „Die Unterzeichner versichern, dass sie mit vollem Einsatz die Wahl von Josef Bestler zum Landrat unterstützen werden.“

Die politische Laufbahn des Josef Bestler

Ab 1960 war Regierungsrat Bestler auch CSU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und kontrollierte sich sozusagen selber – das wäre heute erstens nicht mehr zulässig und zweitens unvorstellbar. Bei den Kommunalwahlen Ende 1962 holte der Verwaltungsexperte dann ein Ergebnis, das an sozialistische Einheitswahlen in der DDR erinnert: 99,05 Prozent. Aber auch in den folgenden vier Urnengängen bis 1984 mit Gegenkandidaten hat Bestler immer mit „70 + X“ abgeschnitten. Der Zusammenschluss mit Friedberg 1972, sein CSU-Sieg über Landrat Kastl aus der Nachbarstadt und der Kreissitz in Aichach (obwohl die Friedberger bei allen Entscheidungen eigentlich die Mehrheit hatten) gelten heute als taktische Meisterleistungen von Bestler, der durch sein Auftreten oft als Grandseigneur des Kreises bezeichnet wurde. Am Ende seiner Amtszeit wurde er aber auch zermürbt im Kampf und Streit um die Müllpolitik – das kommunale Megathema der 80er- und 90er-Jahre im Kreis.

Als Landrat im Ruhestand war Bestler alles andere als ruhig. Gleich nach der Wende machte sich Bestler auf und unterstützte den Aufbau des Landkreises Großenhain in Sachsen. Im späteren Partner-Landkreis von Aichach-Friedberg war der Verwaltungsexperte in seinem Element. Er half durch seinen reichen Erfahrungsschatz beim Aufbau des dortigen Landratsamtes. Aber auch später war Bestler agil und hochinteressiert am Leben in „seinem“ Kreis. Er las täglich mehrere Stunden Zeitung, ging nahezu täglich eine Stunde im Wald (bei Oberwittelsbach) spazieren, schwamm im Winterhalbjahr einmal die Woche 1000 Meter im Aichacher Hallenbad und übte im Sommerhalbjahr immer fürs Sportabzeichen. Er liebte seinen Garten am Haus in Oberwittelsbach und war besonders stolz auf seinen wunderbaren und riesigen Rhododendron, der jeden Gärtner vor Neid erblassen ließ. Sehr viel Zeit investierte Bestler über Jahre hinweg in die Niederschrift seiner persönlichen Erinnerungen über seinen Lebensweg und seinen politischen Werdegang in zwei Bänden – bis zur Kreisfusion und die Zeit danach.

Die Trauerfeier für Josef Bestler findet am Dienstag statt

Die letzten fünf Jahr lebte er im AWO-Seniorenheim in Aichach, ganz in der Nähe wohnen seine Tochter Gitti Henke und ihr Mann. Sie kümmerten sich mit Schwester Evi Gierenstein und den weiteren Familienangehörigen (zwei Enkel und drei Urenkel) um den Altlandrat. Der war bis in den Herbst hinein noch immer bei vergleichsweise guter Gesundheit. Doch über Weihnachten musste Josef Bestler ins Krankenhaus. Er kehrte zwar wieder zurück ins AWO-Heim. Doch er habe sich nicht mehr richtig erholt, sagt Gitti Henke. Dort ist er am Donnerstag auch im Kreise seiner Familie gestorben. Tochter Gitti Henke ist eins noch ganz wichtig, damit sich der Kreis schließt: Ihr Vater sei bis zum Schluss ganz wunderbar von den Pflegekräften im Heim betreut worden.

Die Trauerfeier für Altlandrat Josef Bestler ist am Dienstag, 6. März, 14 Uhr in der Stadtpfarrkirche Aichach. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Neuen Friedhof. Das Kondolenzbuch des Kreises liegt ab Mittwoch, 7. März, im Landratsamt in Aichach aus.

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