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Prozess in Aichach

30.10.2019

Junge Männer posten Nazi-Motive in WhatsApp-Gruppe

Drei junge Männer posteten Nazi-Motive in der WhatsApp-Gruppe der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for future“ - aus Langeweile, wie sie vor Gericht in Aichach sagten.
Bild: Symbolbild: Ulrich Wagner

Plus Drei junge Männer aus dem nördlichen Landkreis schickten fremdenfeindliche Bilder in Chats der Gruppe „Fridays for Future“. Vor Gericht sind sie zerknirscht.

Hakenkreuze, Reichsadler oder der Hitlergruß waren Motive, die drei junge Männer aus dem nördlichen Landkreis im April über eine WhatsApp-Gruppe verschickt haben. Wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung und Verbreitung pornografischer Schriften mussten sich gestern die 18, 19 und 20 Jahre alten Angeklagten vor dem Jugendgericht am Aichacher Amtsgericht verantworten.

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Sie hätten es damals witzig gefunden, sagten die drei auf der Anklagebank aus. Das Lachen war ihnen aber vergangen. Ziemlich zerknirscht saßen die drei vor Jugendrichterin Eva-Maria Grosse. Von der Stimmung, aus der heraus sie im April Fotos mit Nazi-Motiven in der WhatsApp-Gruppe posteten, war nichts mehr zu spüren.

Einer der Angeklagten nennt Langeweile und Alkohol als Motiv

Es sei ihm langweilig gewesen und er habe etwas getrunken gehabt, nannte der 18-Jährige als Grund. Als in der WhatsApp-Gruppe der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“, in der die drei auch waren, fremdenfeindliche und antisemitische Bilder aufschlugen, schickten die drei sie weiter. „Da machen wir gleich mit“, habe er damals gedacht, sagte der 18-Jährige. Ähnlich beschrieben auch die beiden anderen Angeklagten die Situation.

Junge Männer posten Nazi-Motive in WhatsApp-Gruppe

Alle drei wurden dafür von ihren Eltern ziemlich geschimpft. Diese „machten eine Ansage“, sagte Nicole Jehle von der Jugendgerichtshilfe. Sie hatte bei allen dreien im Gespräch den Eindruck gewonnen, dass ihnen inzwischen bewusst war, wie dumm und unüberlegt sie gehandelt hatten. Alle drei hätten Einsicht gezeigt, sagte Jehle. Sie stufte den Vorfall als jugendtypische Tat ein und sprach sich für eine Strafe im unteren Bereich aus. Neben einer geringen Anzahl von Sozialstunden regte sie Gesprächsweisungen an. In diesen Gesprächen sollten die Angeklagten ihre Tat reflektieren und sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen.

Staatsanwältin: Angeklagte schaukelten sich gegenseitig hoch

Staatsanwältin Stefanie Dylla teilte die Einschätzung der Jugendgerichtshilfe. Die drei hätten sehr unüberlegt gehandelt und alles hätte sich gegenseitig hochgeschaukelt, sagte sie. Für die Angeklagten sprach aus ihrer Sicht, dass alle drei geständig waren und „den Eindruck erweckten, zu bereuen“.

Für den 18-Jährigen, der mit Abstand am aktivsten war und in mehreren Chats die Bilder gepostet hatte, forderte sie drei bis vier Gesprächsweisungen sowie 40 Sozialstunden.

Der 20-jährige Angeklagte hatte zwar nur in einem Chat gepostet, dafür aber eine Vielzahl von Bildern unter die Teilnehmer gebracht. Außerdem hatte er erst kurz vorher vor der Jugendrichterin gestanden, weil er betrunken Auto gefahren war. Die Staatsanwältin plädierte bei ihm für 56 Sozialstunden sowie drei bis vier Gesprächsweisungen.

Was sich die Jugendrichterin von den Angeklagten wünscht

Bei dem 19-Jährigen, der nur ein einziges Bild gepostet hatte, lautete die Anklage lediglich auf Volksverhetzung. Dylla plädierte für ein bis zwei Gesprächsweisungen sowie 32 Sozialstunden.

Jugendrichterin Grosse schloss sich dem an. Die Sozialstunden müssen die drei Angeklagten innerhalb von drei Monaten erledigen. Grosse wünschte sich von den dreien, dass sie folgende Lehre ziehen: „Nicht mitmachen, sondern kontra geben.“

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