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Knochenmarkspende

02.07.2018

Junge Stammzellen-Spender retten drei Leben

Alle zwei Jahre beteiligen sich die Beruflichen Schulen Wittelsbacher Land an einer Typisierungsaktion der DKMS. Daraus gingen schon mehrere Stammzellenspender hervor.
Bild: Brigitte Lehenberger

Drei junge Männer aus der Region spenden ihre Stammzellen und retten damit drei Menschen das Leben. Kontakt zu den Empfängern haben sie noch nicht hergestellt.

Es ist die große Pause an der Berufsschule Friedberg, als Fabian Eichner zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) macht. Die Organisation hat eine Typisierungsaktion an der Schule organisiert und Fabian entschließt sich wie viele seiner Mitschüler kurzerhand dazu, sich typisieren zu lassen: Ein Speicheltest und ein Formular ausgefüllt, nach wenigen Minuten ist alles vorbei.

Das ist jetzt vier Jahre her. Fabian ist mittlerweile 22 Jahre, aus dem Aichacher Stadtteil Klingen nach Augsburg gezogen und macht dort auf der Berufsoberschule (BOS) sein Abitur. Was für ihn damals zwischen zwei Pausengongs begann, ist eine Erfolgsgeschichte geworden – eine Geschichte von Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft, von Leben statt tödlicher Krankheit.

Fabian Eichner hat Stammzellen gespendet und damit einem 37-jährigen Mann aus den USA das Leben gerettet. Auch Fabian Mörz aus Affing und Lukas Treffer aus Todtenweis haben gespendet: der eine für eine 56-jährige Belgierin, der andere für eine 50-Jährige aus Frankreich. Mit K!ar.Text sprechen die drei über ihre Erlebnisse. Ein Satz, der dabei immer fällt: „Stellt Euch vor, es wäre jemand aus Eurer Familie!“

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Auch Fabian Eichner ließ sich an der Berufsschule Friedberg typisieren. Vor einem Jahr spendete er Stammzellen für einen 37-jährigen Mann aus Amerika.
Bild: Brigitte Lehenberger

Alle 15 Minuten erhält jemand die Diagnose Blutkrebs

Eine erschreckende Vorstellung, doch für viele Realität: Allein in Deutschland erhält alle 15 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Viele sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellenspende ist.

Weil oft kein passender Spender in der Familie zu finden ist, hat es sich die DKMS zur Aufgabe gemacht, Spender und Empfänger zusammenzubringen. Deshalb gibt es regelmäßige Typisierungsaktionen, bei denen potenzielle Spender in eine Datenbank aufgenommen werden.

„Es ist einfach eine wahnsinnig tolle Arbeit, die da geleistet wird“, lobt Lukas. Der 21-Jährige ist gerade im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann. Seine Spende ist mittlerweile knapp zwei Jahre her.

Er war der Einzige in seiner Klasse, der infrage kommt

Er hat sich an der Fachoberschule (FOS) typisieren lassen. „Drei Wochen später kam dann schon der Brief, dass ich als Spender in Frage käme“, erinnert er sich. „Ich war natürlich dann schon ganz schön überrascht und auch ein bisschen nervös. Ich war der Einzige in meiner ganzen Klasse, obwohl fast alle bei der Aktion mitgemacht haben.“

Danach geht es Schlag auf Schlag. Beim Hausarzt wird Blut abgenommen, das im Labor untersucht wird. Drei Wochen später kommt das endgültige OK und für Lukas geht es nach Stuttgart zur Voruntersuchung. „Dort hat man einen Tag Krankenhausaufenthalt, lässt sich komplett durchchecken und hat ein Gespräch, in dem einem alles erklärt wird. Man sieht auch die Geräte, die später dann für die eigentliche Spende gebraucht werden.“

Auch Fabian Mörz ist mit der Betreuung auf seinem Weg von der Typisierung bis zur Spende zufrieden: „Man ist da in sehr guten Händen und alle Fragen, die man hat, werden jederzeit beantwortet.“ Der Landschaftsgärtner-Azubi bekommt die Nachricht, dass er Spender ist, in der Mittagspause in der Arbeit, später dann noch per Brief. „Ich habe erst zweimal hinschauen müssen, bis ich es realisiert habe. Dann hat es mich aber saumäßig gefreut.

Fabian Mörz aus Affing spendete im Januar 2018 Stammzellen für eine 50-jährige Französin. Der 19-Jährige wurde an der Berufsschule in Höchstädt typisiert.
Bild: Brigitte Lehenberger

Stammzellen spenden aus dem Beckenknochen

Es ist für mich eine große Ehre, so jemandem helfen zu können“, sagt der 19-Jährige. Zuhause erzählt er die Neuigkeit sofort seiner Mutter. Die habe sich auch riesig gefreut und sei stolz auf ihren Sohn.

Für alle drei gab es den entscheiden Moment, den Moment der Spende: für Lukas Treffer 2016 in Stuttgart, für Fabian Eichner 2017 in Köln und für Fabian Mörz 2018 in Tübingen.

Fabian Eichner ist schon einen Tag vorher mit seinem Bruder nach Köln gefahren. „Da haben wir ein bisschen Sightseeing gemacht und waren was essen, bevor es dann am Abend ins Krankenhaus ging. Da kam dann auch so langsam die Nervosität“, erinnert er sich. „Im Krankenhaus bin ich früh aufgeweckt worden. Die OP war dann auch gleich am Vormittag und hat nur eine Stunde gedauert. Wegen meiner Narkose habe ich aber dann fast den ganzen Tag geschlafen“, erzählt er.

Briefkontakt zum Empfänger herstellen

Er spendet Stammzellen aus dem Beckenknochen. Eine Methode, die in rund 20 Prozent der Fälle angewendet wird. Den Spendern werden dabei unter Vollnarkose rund fünf Prozent des Knochenmarks aus dem Beckenkamm entnommen. Dieser regeneriert sich in drei bis vier Wochen.

Fabian Mörz und Lukas gehören zu den 80 Prozent, bei denen eine periphere Stammzellenspende angewendet wird. „Schon fünf Tage vor dem Krankenhaus musste ich mir selber ein paar kleinere Spritzen geben“, so Lukas. Diese enthalten einen Wachstumsfaktor, der natürlich im Blut vorkommt, und regen die Stammzellenproduktion im Blut an.

Lukas Treffer aus Todtenweis ließ sich an der Beruflichen Schule Friedberg typisieren. Im August 2016 spendete er Stammzellen für eine 56-jährige Belgierin.
Bild: Treffer

Die Entnahme beschreibt Lukas so: „Man setzt sich da auf einen Stuhl und bekommt einen Venenzugang in den linken und einen in den rechten Arm. Dann läuft das Blut durch. Das ist keine große Sache.“ Fabian stimmt ihm zu: „Am Anfang ist es noch ein bisschen ungewohnt, aber dann geht’s. Ich habe währenddessen einfach Musik gehört.“

Mit dem Schicksal der Betroffenen verbunden fühlen

Weil die DKMS sensible Daten verwaltet, dürfen diese nicht ohne weiteres weitergegeben werden. Die Spender erfahren zunächst nur Alter, Geschlecht und Herkunft der Empfänger. Später gibt es die Möglichkeit, Briefkontakt herzustellen. Die drei Jungs haben das noch nicht gemacht. „Für mich war es eine bewusste Entscheidung, ich wollte der Empfängerin erstmal Zeit geben“, sagt Lukas.

Fabian Mörz ist sich noch nicht sicher ist, ob er den Kontakt möchte. Fabian Eichner aber fiebert dem schon entgegen: „Das wird bestimmt ein emotionaler Moment. Wer weiß vielleicht hat er ja sogar Kinder.“ Bei einem sind sich alle drei einig: Sie fühlen sich mit dem Schicksal ihrer Empfänger verbunden.

Die Trefferquote bei jüngeren Menschen ist deutlich höher. Aber es gibt Ausnahmen. Das zeigt das Beispiel von Ludwig Schrittenlocher aus Inchenhofen. Er hat mit 59 Jahren einer 17-jährigen Amerikanerin die Chance auf ein neues Leben geschenkt. Und das ausgerechnet an seinem Geburtstag: „Ich habe mir damit selbst das schönste Geschenk gemacht!“

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