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Lesung

28.04.2015

Kampfeslustige Löwenzähne und neugierige Kinder

Mundartdichter Helmut Zöpfl liest in Aichach. Bayerischer Ohrenschmaus der heiteren und auch nachdenklichen Art

Opa Alfons Igerl rückt dem lästigen Löwenzahn in seinem Garten mit tödlichem Unkrautvernichter zu Leibe. „Entgelben“ will er die kleine Rasenfläche, zuletzt mittels teilweiser Pflasterung mit Kalkplatten. Es gelingt. Bis die Enkelkinderschar auf Nachbars Wiese einen dicken Strauß dieser „Löwenzähne“ pflückt und die filigranen „Fallschirme“ mit großem Vergnügen auf Opas löwenzahnfreien Rasen pustend niedersegeln lässt. „Das allerbeste Mittel, Unkraut zu vernichten, ist, es zu seiner Lieblingsblume zu erklären“, sinniert Helmut Zöpfl und lässt fortan dem Igerlschen Löwenzahn seine Ruh.

Solch einfach-eingängige Erkenntnisse sind eine der vielen Spezialitäten des Helmut Zöpfl. Ihm sieht man seine 78 Jahre wahrlich nicht an. Zwei Stunden lang las er im Aichacher Pfarrzentrum St. Michael aus seinen Werken vor, erzählte von früher, lästerte humorig über das Heute, prangerte die moderne „Kompetenzpädagogik“ an. „Evaluierte“ auf gut bayerisch die einstigen Unterrichtsmethoden, die ohne „Personal Trainer“, ohne Mediatoren und Multiplikatoren, ohne Rechtschreibreformen und Kinderuni ganz g’scheite und brauchbare Jugendliche hervorgebracht hätten.

Zöpfl ist nach eigenen Angaben nach wie vor in Schulen unterwegs und ein gefragter Mann in Sachen Pädagogik. Das Fach lehrte er selbst über viele Jahre als Professor an der Universität München. Er ist mehrfach habilitiert, studierte unter anderem Naturwissenschaften, Philosophie und katholische Theologie. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Mundartdichter und hat unzählige Bücher verfasst.

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Seine Lesung in Aichach – „Bayerisch übers Jahr“ – hatte der Aichacher Frauenbund initiiert. Elisabeth Niedermayr aus dem Vorstand begrüßte den Autor und überreichte am Ende einen kulinarisch bestückten Geschenkekorb, dem Zöpfl noch auf der Bühne eine kleine Kostprobe entnahm.

Die gut 100 Zuhörer durften die Veranstaltung von Beginn an aktiv mitgestalten. Begleitet von den Musikern Christine und Andreas Euba (Akkordeon und Trompete) sowie Stefan Immler (Geige) stimmten sie eine ganze Reihe bekannter Volkslieder an, zuerst etwas zögerlich, mit fortschreitender Stunde hörbar enthusiastischer.

Mit Helmut Zöpfl ging es von heiter-unbeschwert bis nachdenklich-philosophisch quer durch die Jahreszeiten mitsamt dem allzu Menschlichen mittendrin. Er zitierte eigene Gedichte und bemühte Autoren wie Erich Kästner, Joachim Ringelnatz und Antoine de Saint-Exupéry. Sinnierte über das kleine und große Glück, die Vergänglichkeit, die Schnelllebigkeit, über Gott und die Welt. Oft mit einem pädagogischen Schuss Belehrung, meistens mit einem ironisch-zynischen Augenaufschlag, vor allem wenn es um die neumodischen Unterrichtsmethoden ging. Er lässt wissbegierige Kinder zu Wort kommen und raffinierte Fragen über die große Frage des „Nichts“ stellen. Er sprach vom Überschwappen der virtuellen Welt auf das wirkliche Leben und dem drohenden Verlust bewährter Kompetenzen: Zuhören, genau Hinschauen, Zeit haben, Nachfragen, tolerant sein, Verantwortung übernehmen, Freundlichkeit. Sein bayerisch Granteln bleibt – trotz fortschreitender Einbrüche in vielen Bereichen – humorig, versöhnlich, positiv.

Dass er – fast – ausschließlich bayerisch schreibt, ist ein überdeutliches Plädoyer für den Erhalt dieser, seiner Muttersprache. Miteinbegriffen das traditionelle Volksliedgut als wichtiger Bestandteil der heimischen Kultur. Damit hatte das Abschlusslied Weisungscharakter: „Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit, wo wir uns finden, wohl unter Linden zur Abendzeit“.

Bei freiem Eintritt war der Spendenerlös für die Aichacher Kirchenrenovierung sowie für das nigerianische Schulprojekt des Stadtpredigers Paul Igbo gedacht.

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