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Baar

08.06.2019

Kandler gelingt ein Ausstand nach Maß in Baar

Bürgermeister Leonhard Kandler (rechts) machte beim Anstich kurzen Prozess. Danach wurde mit der ersten Maß angestoßen. Dritter von rechts ist Baron Franz Groß von Trockau.
Bild: Johann Eibl

Zum Anzapfen genügen Baarer Bürgermeister zwei Schläge beim Brauereifest in Baar. Warum dem Baron der erste Abend mit der Blaskapelle so gut gefällt

Wie viele Schläge brauchte Leonhard Kandler, als er am Donnerstag das erste Fass Bier beim Baarer Brauereifest anzapfte? Nach getaner Arbeit sagte der Baarer Bürgermeister: „Ich habe zwei gezählt.“ Zwei Schläge – das klingt rekordverdächtig und stellt eine hohe Messlatte für das Jahr 2020 dar. Denn dann wird wohl die Nachfolgerin oder der Nachfolger für Kandler, der sich bekanntlich nicht mehr für das höchste Amt in dieser Gemeinde im Nordwesten des Landkreises Aichach-Friedberg bewirbt, diesen Job übernehmen.

Kandler hatte sich vorsichtshalber eine große Lederschürze umgelegt, um nach einem etwaigen Malheur nicht gleich zum Umziehen gehen zu müssen. „Ozapft is’“, rief der Bürgermeister aus. Das gehört ebenso zur festen Tradition wie das Erklingen des Bayerischen Defiliermarsches. Schon vor dem offiziellen Anstich wurden Getränke und Speise verkauft. „Wenn des ozapft is’, schmeckt des no besser“, sagte übers Mikrofon Günter Schröttle von der Baarer Musikkapelle. Sie spielte am ersten Abend auf. Man konnte geradezu beobachten, wie sich das Zelt nach 60 Minuten weitgehend füllte.

Wer um 20 Uhr Platz genommen hatte, erlebte ein kurzes Intermezzo am Dirigentenpult. Vasyl Zakopets räumte vorübergehend seinen Platz und überließ Baron Franz Groß von Trockau den Vortritt. Der Brauereichef zeigte beim „Böhmischen Traum“, dass er diesen Ausflug so richtig genoss. Von einer Pflichtaufgabe konnte keine Rede sein, vielmehr leitete er die Kapelle mit Enthusiasmus.

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Dafür gab’s Gründe. „Das ist mein Lieblingsabend“, hatte der Freiherr zuvor erklärt und zur Begründung die bayerisch-böhmische Blasmusik genannt. „Mit dem Anton von Tirol können Sie mich jagen“, fügte er schmunzelnd hinzu – wobei ihm klar war, dass dieses Lied im Rahmen des viertägigen Festes ebenfalls zu hören sein würde.

Es handelt sich um das 14. Brauereifest. Franz Groß von Trockau, der am Donnerstag auch Freunde aus seiner fränkischen Heimat begrüßen durfte, blickte zurück auf den Beginn: „2008 feierte die Schlossbrauerei Unterbaar das 400-jährige Bestehen“, erzählte er. Als dieses Jubiläum nicht mehr in allzu weiter Ferne war, wurde er darauf angesprochen, dass man aus diesem Anlass doch eine ordentliche Fete steigen lassen sollte.

Also entschied man sich, 2006 als eine Art Probelauf das Brauereifest aus der Taufe zu heben. Nach der Premiere war klar, dass es in diesem Sinne weitergehen sollte. Am Freitag spielte die Kapelle Surprise auf, am Samstag ist S.O.S. dran und am Sonntag Chlorfrei.

Wenn der letzte Ton verklungen ist, beginnt der Abbau; schließlich soll am Dienstag nach dem Pfingstwochenende der Brauereihof wieder seiner eigentlichen Bestimmung dienen. Am Samstag werden wie üblich die schönsten Maibäume ausgezeichnet. Details wollte und konnte der Baron vorab nicht verraten. Er sagte nur so viel: „Es sind neue Teilnehmer dabei.“

Das Brauereifest hat auch einen familiären Charakter: Die Mitarbeiter des Hauses treffen Kunden zu einem Plausch, zu dem während der Anlieferung des Gerstensaftes nicht selten die Zeit fehlt. Dass ehemalige Angestellte sich in diesem Rahmen wiedersehen, darum kümmert sich Maria Klotz, die ebenfalls bereits das Rentenalter erreicht hat.

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