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Aichach

15.08.2019

Kassenärztliche Bereitschaftspraxis läuft gut an

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Das Arztzimmer in der KVB-Bereitschaftspraxis.
Bild: Erich Echter

Plus Der Ärztlicher Notdienst am alten Aichacher Krankenhaus soll allerdings noch bekannter werden. Ob die Notaufnahme auf Dauer entlastet wird, scheint offen

Die Bereitschaftspraxis am Aichacher Krankenhaus wird gut angenommen. Seit April können Patienten ohne Voranmeldung in den Altbau der Klinik kommen, um sich außerhalb der Sprechzeiten der Arztpraxen behandeln zu lassen. Sie sollten allerdings medizinische Beschwerden haben, deren Behandlung nicht bis zum nächsten Werktag warten kann.

Die Aichacher Praxis startete als letzte der insgesamt 118 Bereitschaftspraxen in Bayern. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hatte die meisten dieser Anlaufstellen 2018 im Rahmen der umfassenden Reform des Bereitschaftsdienstes eröffnet. Ziel war es unter anderem, den Patienten schneller weiterzuhelfen, in dem sie nicht mehr lange nach dem Dienst habenden Notarzt suchen müssen, sondern einfach in die Bereitschaftspraxis kommen können.

Patienten kommen wohl nicht nur aus dem Aichacher Raum

Guido Zdrenka ist bei der KVB Regionalleiter für den Bereitschaftsdienst und für die Region Schwaben und Oberbayern zuständig. „Die Praxis in Aichach ist gut angelaufen“, sagt er. Zahlen, wie viele Patienten dort bereits behandelt wurden, gibt es laut Zdrenka noch nicht. Zudem werde keine Auswertung gemacht, woher die Patienten kommen. Zdrenka geht aber durchaus davon aus, dass sie außer aus dem Aichacher Raum auch aus Schrobenhausen, aus dem westlichen Landkreis Dachau oder aus dem östlichen Landkreis Augsburg kommen. Ein automatisches Nummernerkennungssystem verweise die Anrufer immer gleich an die nahe gelegenen Praxen.

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Über die Anrufe, die bei der telefonischen Vermittlungszentrale eingehen, wird nach Zdrenkas Angaben auch überprüft, ob die Öffnungszeiten für die Aichacher Bereitschaftspraxis ausreichen. Geöffnet ist am Mittwoch und Freitag von 16 bis 21 Uhr sowie am Samstag, Sonntag und am Feiertag von 9 bis 21 Uhr. Das wird vorerst auch so bleiben, da laut Zdrenka ein Zeitraum von ein bis zwei Jahren betrachtet wird.

Am meisten los ist in der Regel am Samstagvormittag. Ob in der Praxis Kinder behandelt werden und wenn ja, ab welchem Alter, entscheidet der jeweilige Arzt.

In Friedberg ist die Bereitschaftspraxis täglich geöffnet

Am Friedberger Krankenhaus ging die KVB-Bereitschaftspraxis bereits Ende Oktober 2018 in Betrieb. Diese ist täglich geöffnet. Das ist offenbar auch nötig. Denn die Praxis sei ein wahrer Magnet und werde immer berühmter, berichtet der Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, Dr. Krzysztof Kazmierczak.

Damit gerät aber ein weiteres Ziel der KVB in Gefahr. Die Bereitschaftspraxen sollen nämlich die Notaufnahmen von Patienten entlasten, die dort eigentlich nicht hingehören. Laut Kazmierczak klappt das anfangs meist auch ganz gut, aber je mehr Patienten in die Bereitschaftspraxis kommen, desto mehr werden auch an die Notaufnahmen weiterverwiesen, etwa bei Knochenbrüchen, Herz-Rhythmus-Störungen oder wenn ein Ultraschallgerät benötigt werde. In Aichach werde die Notaufnahme aber noch nicht extrem belastet.

Dienste für Ärzte sollen gerechter verteilt sein

Ein weiteres Ziel der Neuregelung war es, die Bereitschaftsdienste gerechter zu verteilen. Vorher hatten laut KVB Ärzte in ländlicheren Gebieten öfter Bereitschaftsdienst als ihre Kollegen in den Großstädten. Für die Aichacher Praxis steht ein Pool von 285 Ärzten aus der Region Augsburg Ost zur Verfügung. Diese Ärzte sind außer für Aichach auch für Friedberg und das Augsburger Vincentinum und den entsprechenden Hausbesuchsdienst zuständig. Die Region Augsburg Ost wurde aus den Bereitschaftsdienstgruppen Aichach/Pöttmes, Gersthofen/Aindling/Langweid, Friedberg/Mering und Teilen Augsburgs gebildet.

Dr. Christoph Bringmann war Obmann der Gruppe Aichach/Pöttmes. Er hält das neue System durchaus für eine Verbesserung – zumindest für die meisten Ärzte. Während die Allgemeinmediziner jetzt weniger Notdienste haben, müssen auch Fachärzte wie Hautärzte oder Urologen Schichten übernehmen. Im Schnitt ist jeder Arzt 14 mal im Jahr im Einsatz.

Die Wege für die einzelnen Ärzte bei den Fahrdiensten seien allerdings länger geworden, so Bringmann: von Landsberg bis Gersthofen. Der Aichacher Allgemeinmediziner glaubt nicht, dass die Notaufnahme durch die Bereitschaftspraxis zusätzlich belastet wird.

Hausarztpraxen sind am Montag jetzt voller

Bringmann hat eher den Eindruck, dass viele Patienten lieber bis Montag mit ihren Beschwerden warten als in die Bereitschaftspraxis zu gehen. Das zeige das hohe Aufkommen in den Hausarztpraxen am Montag. Das werde sich aber vermutlich noch einpendeln. Generell betont Bringmann, dass wenig Patienten ohne Grund in die Bereitschaftspraxis kommen.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst und notärztliche Versorgung

  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist nachts, an Wochenenden und an Feiertagen für Patienten da, die nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, deren Behandlung aber nicht bis zur nächsten regulären Arztsprechstunde warten kann. Das Ziel ist es, den Patienten so weit zu versorgen, dass er danach während der regulären Sprechstunden vom Hausarzt oder Facharzt weiterbehandelt werden kann. Erreichbar ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst rund um die Uhr unter der bundesweit einheitlichen kostenfreien Telefonnummer 116 117. Dort oder im Internet unter www.bereitschaftsdienst-bayern.de gibt es auch Informationen zu Öffnungszeiten und Anfahrtsbeschreibungen zu allen Bereitschaftspraxen in der Region.
    Die Ärztliche KVB-Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Aichach (Krankenhausstraße 11 b) ist seit April zu folgenden Zeiten geöffnet: Mittwoch und Freitag von 16 bis 21 Uhr sowie Samstag, Sonntag und Feiertag von 9 bis 21 Uhr.
    Die Ärztliche KVB-Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Friedberg (Herrgottsruhstraße 3) ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag, Dienstag und Donnerstag von 18 bis 21 Uhr, Mittwoch und Freitag von 16 bis 21 Uhr sowie Samstag, Sonntag und Feiertag von 9 bis 21 Uhr.
    Für Patienten, die die Bereitschaftspraxis nicht selbst aufsuchen können, gibt es weiterhin die Möglichkeit eines Hausbesuchs, sofern eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Die Vermittlung läuft ebenfalls über die Rufnummer 116 117.
  • Notärztliche Versorgung Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder schweren Unfällen ist nach wie vor der Notarzt zu verständigen, und zwar unter der kostenfreien Notrufnummer 112. Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) (bac)
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