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Aichach-Friedberg

12.07.2018

Kleidung: Stoff statt Zoff in der Schule

Provokation oder Modefreiheit? An zu knapper Kleidung in der Schule entzünden sich immer wieder Diskussionen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Im Kreis Aichach-Friedberg setzen die Schulen auf Gespräche in Sachen Klamotten. Wer zu wenig anhat, wird darauf angesprochen – sagen die Schulleiter.

Junge Mädchen im Unterricht, bei denen der Rock zu hoch sitzt und der Ausschnitt zu tief? Gibt es bei uns nicht, versichern die Schulen im Landkreis Aichach-Friedberg. Und das liegt nicht etwa an strengen Verboten. In Aichach setzt die Leiterin des Deutschherrengymnasiums in Sachen Kleidung stattdessen auf Unterstützung von zu Hause. „Das ist Elternsache“, ist Renate Schöffer überzeugt. Jedes Jahr unterschreiben die Eltern der Gymnasiasten eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit der Schule. Darin verpflichten sie sich unter anderem, für ein angemessenes Erscheinungsbild ihrer Kinder zu sorgen. „Eine Schule ist kein Club und kein Strandbad“, stellt die Schulleiterin klar. Bauchfreie Tops und knappe Hosen gehören nicht ans Aichacher Gymnasium. Wenn doch einmal ein Schüler im Kleiderschrank danebengreift, sprechen die Lehrer ihn an. Ganz ähnlich läuft es an der Staatlichen Realschule im Affinger Ortsteil Bergen.

Schulleiterin Sigrid Kehlbach hat dort schon festgestellt, dass sich die meisten Schüler in knappen Klamotten ihres Auftretens gar nicht bewusst sind. „Sie haben ein anderes Empfinden“, berichtet sie. Diese Schüler werden im Gespräch dafür sensibilisiert, wo der Blick ihres Gegenübers bei tiefen Ausschnitten und knappen Shorts in der Regel hingeht. „Willst du das?“, werden sie gefragt. Ob die Kleider für die Schule angemessen sind, wird oft im Einzelfall entschieden. Natürlich weiß auch die Schulleiterin, dass zerrissene Hosen modern sind, doch wenn beinahe mehr Loch als Hose getragen wird, besteht Diskussionsbedarf. Zudem weist die Schule jährlich in einem Elternbrief darauf hin, dass angemessene Kleidung erwartet wird. All das scheint zu fruchten. „Große T-Shirts zum Drüberziehen haben wir nicht“, sagt Kehlbach.

Renate Janovsky, Rektorin der Grund- und Mittelschule in Merching, berichtet von einem anderen Problem: „Vor einigen Jahren trug ein Schüler einmal ein Shirt mit einem hässlichen Spruch, sonst kann ich mich an keine Vorfälle erinnern, die etwas mit der Kleiderordnung zu tun hatten. Wir machen von offizieller Seite keine Vorschriften.“ Vor einigen Jahren hätten Schüler und Lehrer eine entsprechende Richtlinie für die Hausordnung entworfen, die zu Beginn jedes Schuljahres in den Klassen diskutiert werde. „Sonst kommt das Thema nicht auf den Tisch, es gibt einfach keinen Anlass dafür.“

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Anton Oberfrank, Schulleiter der Konradin-Realschule in Friedberg, sieht in dieser Sache ebenfalls eher die Eltern in der Verantwortung als die Schulen. Ärger mit zu freizügiger Bekleidung gab es auch bei ihm schon seit Jahren nicht mehr. „Tatsächlich haben sogar schon mehrmals Schüler den Wunsch nach einer Schuluniform geäußert, das war sogar uns Lehrern zu streng. Der Vorschlag hatte aber weniger mit dem Verhindern unanständiger Kleidung zu tun als damit, den sozialen Druck durch Markenklamotten zu bekämpfen.“ Das Thema Klamotten sei an der Friedberger Realschule momentan anderweitig besetzt, freut sich Anton Oberfrank: „Die Neuauflage unserer Schulshirts steht an.“

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