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Interview

19.10.2019

Kleines Jubiläum für Aichacher Filmfestival

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4 Bilder
Schauspielerin Marianne Sägebrecht hat ihren Besuch angekündigt.
Bild: Gabo

Die fünfte Auflage der Benefizveranstaltung startet am Montag. Was Rotary-Präsident Gerhard Lehrberger zu dem Festival und seinem Thema „Heimat 2.0“ sagt.

Von Montag, 21. Oktober, bis Samstag, 26. Oktober, findet das Filmfestival Aichach zum fünften Mal statt. Die Benefizveranstaltung organisiert der Rotary Club Schrobenhausen-Aichach mit Unterstützung der Stadt und des Cineplex-Kinos. Aus Anlass des kleinen Jubiläums sprachen wir mit dem aktuellen Rotary-Präsidenten Gerhard Lehrberger.

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Herr Lehrberger, das Filmfestival Aichach findet zum fünften Mal statt. Wenn Sie aus Anlass dieses kleinen Jubiläums auf diese Zeit blicken: Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Lehrberger: Als der Rotary-Club unter dem damaligen Präsidenten Dieter Nitzsche die Idee eines Benefiz-Filmfestivals vorstellte, waren viele von uns skeptisch. Ein Filmfestival in der Region? Ob das wohl gut geht? Der Erfolg hat den Initiatoren Recht gegeben, und das Festival hat sich zu einer festen Einrichtung im kulturellen Jahresablauf der Region entwickelt.

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Sie haben sich wieder entschieden, das Festival unter einem bestimmten Motto oder Thema laufen zu lassen. Was dürfen sich die Leser unter dem Titel „Heimat 2.0“ vorstellen?

Lehrberger: Das Thema Heimat ist brandaktuell, auch weil manche politischen Gruppen den Begriff in einer abgrenzenden und ausgrenzenden Weise missbrauchen. Wir setzen hiermit ein eindeutiges Zeichen, dass Heimat etwas ist, was jeden in unserer Gesellschaft betrifft und berührt. Dazu ist der engagierte Beitrag jedes Bürgers gefragt, und wir als Rotary-Club stellen uns gerne unserer gesellschaftlichen Verpflichtung. Heimat ist für uns ein Begriff, der in unserer vielfältigen und sich dynamisch entwickelnden Gesellschaft ständig neu definiert werden muss. Heimat „passiert“ ganz einfach, sie bedarf nicht nur der auf Traditionen basierenden, rückwärtsgewandten Sichtweise, sondern muss sich aus dem Bewährten in positiver Weise weiterentwickeln: eben „Heimat 2.0“, fern von heimattümelnder Alpenglühen-Romantik und Lederhosen-Barock.

Die von uns ausgewählten Filme zeigen, dass Heimat in der Ferne sein kann, dass sie manchmal einfach nur Hoffnung ist oder ein „Phantomschmerz“, wenn man in der Ferne weilt und sich an die Geborgenheit der gewohnten menschlichen und räumlichen Umgebung erinnert.

Es ist schon Tradition, dass zu dem Festival ein umfangreiches Rahmenprogramm gehört. Was sind in diesem Jahr die Highlights?

Lehrberger: Das Rahmenprogramm ist natürlich eine feste Größe im Festivalprogramm. Am Dienstag werden wir erstmals einen „50+“-Filmnachmittag mit Kaffee und Kuchen im Programm haben, der von der Stadt Aichach unterstützt wird und zusammen mit den Kinofreunden Aichach angeboten wird. Bei „Sound of Heimat“ wird es sogar die Möglichkeit geben, im Anschluss an den Film noch ein wenig gemeinsam zu singen.

Besonders möchte ich hervorheben, dass wir das Bayerische Fernsehen als Medienpartner gewonnen haben. Dadurch können wir das Rahmenprogramm deutlich erweitern: Franz X. Gernstl wird persönlich seine Filme vorstellen und aus einem unveröffentlichten Buchmanuskript lesen. Dazu wird das „BR-Urgestein“ Sepp Eibl für Fragen zum Film über die Traditionen und die Bauernmusi im Aichacher Land zur Verfügung stehen.

Marianne Sägebrecht und Franz X. Gernstl kommen

Mit Marianne Sägebrecht, Franz X. Gernstl und Gisela Schneeberger kommen bekannte Größen, ja Kultstars nach Aichach. Wird das den familiären, entspannten Charakter des Festivals verändern?

Lehrberger: Das glaube ich auf keinen Fall, denn die Filmleute kommen gerade deshalb zu uns, weil es nicht den roten Teppich mit Blitzlichtgewitter gibt, sondern weil wir ein gemütliches und persönliches Filmfestival anbieten, bei dem die Künstler und das Publikum direkt miteinander in Kontakt kommen.

Trotzdem können wir uns inzwischen in die bekannteren Festivals einreihen, denn in diesem Jahr sind Filme zu sehen, die bisher nur beim Filmfestival München oder beim Fünf-Seen-Filmfestival gelaufen sind. Also, ich glaube, es wird für alle Beteiligten interessanter, ohne dass wir der Charakter unseres Filmfestivals aufgeben müssen.

Die Organisation und Durchführung eines Festivals bedeutet viel Vorbereitung und Arbeit. Wie schafft man das auf ehrenamtlicher Basis?

Lehrberger: Richtig, die meisten Vorbereitungsarbeiten werden in ehrenamtlicher Eigenleistung des Rotary-Clubs erbracht. Das funktioniert nur durch die Zusammenarbeit vieler Mitglieder des Clubs, aber auch durch die Unterstützung der Kinofreunde Aichach und der Mitarbeiter des Cineplex Aichach.

Die Hauptlast tragen im Vorfeld die Mitglieder des Programm- und Filmauswahlteams, die Werbung obliegt einer Aichacher Werbe- und Grafikagentur, viele helfende Hände bewerkstelligen das Aufhängen der Plakate und Banner, verteilen tausende von Programmflyern und organisieren das Catering beim Filmfestival.

Der Erlös fließt in die Region und in Projekte im Ausland

Das große ehrenamtliche Engagement ist auch die Grundlage dafür, dass möglichst viel Geld in soziale Projekte fließt, schließlich ist das Festival eine Benefizveranstaltung. Welche Projekte werden in diesem Jahr unterstützt?

Lehrberger: Das Filmfestival soll natürlich die Besucher mit unterhaltsamen, spannenden und informativen Filmen begeistern, aber im Hintergrund steht eindeutig die Absicht, mit dieser Benefizveranstaltung möglichst viel Geld für wohltätige Projekte zu sammeln. Dies gelingt uns einerseits durch die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, die Tombola, das Catering, aber auch maßgeblich durch das Sponsoring zahlreicher Firmen aus der Region. Dazu kommt, dass unsere Ehrengäste auch ohne Gage beim Filmfestival dabei sind. Der Erlös des diesjährigen Festivals kommt sowohl Projekten in der Region wie auch an Brennpunkten im Ausland zugute. In Aichach fördern wir die Errichtung eines bronzenen Stadtmodells, das, mit Blindenschrift ausgestattet, die Orientierung im historischen Ortskern ermöglicht. Dieses Projekt wird im Rahmen der Bayerischen Landesausstellung zusammen mit der Stadt Aichach und dem Lions-Club Schrobenhausen-Aichach realisiert. Bedürftigen Kindern in Aichach und Schrobenhausen helfen wir mit einer Unterstützung des Musikunterrichts und der Ausleihe von Instrumenten, der Bereitstellung einer Schulgrundausstattung in Form von fertig gepackten Schulranzen sowie durch die Übernahme von Kosten für Ferienfreizeiten. Aber auch die älteren und kranken Menschen in unserer Region sollen profitieren. Die Hospizeinrichtungen in Aichach und Schrobenhausen werden eine Hilfe bekommen. Wir gehen dabei Hand in Hand mit Marianne Sägebrecht, die sich sehr für die Hospizbewegung einsetzt.

Sie haben aber auch Projekte in anderen Ländern.

Lehrberger: International unterstützen wir die große Rotary-Aktion „End Polio now“, die sich für die Ausrottung der Kinderlähmung zusammen mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung stark macht.

In Kenia fördern wir in Fortsetzung einer Hilfsaktion des vergangenen Jahres den Ausbau einer Schule für Mädchen, die vor der Beschneidung und Zwangsverheiratung fliehen und eine Schul- und Berufsausbildung machen möchten.

Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Jahr ist in Litauen, wo wir in Zusammenarbeit mit dem seit 25 Jahren bestehenden Verein Kinderhilfe Litauen einen Transporter für Jugendliche im Rollstuhl für eine Schule in Kaunas beschaffen konnten. Der Transporter wird übrigens während des Filmfestivals übergeben.

Ballonfahrten zu gewinnen

Sind auch die Aichacher und Schrobenhausener Schulen wieder mit von der Partie?

Lehrberger: Wir haben wie in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Angebot für alle Schulen in Schrobenhausen, Aichach und dieses Mal auch in Scheyern und Friedberg zusammengestellt, aus dem die Schulen auswählen können. Die Anmeldungen laufen derzeit noch, aber wir rechnen mit guter Beteiligung. Gerade das Thema „Heimat 2.0“ lässt sich hervorragend mit den Lernzielen aller Schulen in Einklang bringen, und die Filme erweitern die Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung.

Das Rahmenprogramm ist schon umfangreich und attraktiv. Haben Sie aber trotzdem noch eine Überraschung in der Tasche?

Lehrberger: Eine Überraschung ist sicher die Versteigerung von zwei Ballonfahrten mit dem Ballon „Wittelsbacher Land“ an zwei Abenden. Aber auch am Samstag dürfte es sehr unterhaltsam werden. Mit der Vorführung von BR-Filmen aus dem Archiv der seit nunmehr 50 Jahren bestehenden Sendereihe „Unter unserem Himmel“ ist es uns gelungen, ein regionales Schmankerl erster Klasse ins Filmfestival zu bringen. Es sei so viel verraten, dass jeder Besucher in der originalen Aichacher Tracht, also nicht in modernen Volksfest-Kostümen, freien Eintritt hat.

Das Programm des Aichacher Filmfestivals finden Sie hier.

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