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"Die Kochprofis – Einsatz am Herd"

07.05.2015

„Kochprofis“ in Aichach: Schnell, konfliktreich – und ein Happy End

Ende März waren die "Kochprofis" im Sempre Gusto in Aichach zu Gast. Am heutigen Donnerstag lief die Folge im Fernsehen.
Bild: Niklas Molter

Im März kamen die „Kochprofis“ von RTL II nach Aichach. Ihre Mission: dem Sempre Gusto zu helfen. Das scheint zu gelingen – die TV-Folge allerdings ist voller Wendungen.

„Ein gastronomischer Hilferuf aus Bayerisch-Schwaben“ habe sie ereilt. So kündigen die „Kochprofis“ die Folge aus dem Wittelsbacher Land an. Die Szenerie ist wohl bekannt: Während sich die TV-Köche Frank Oehler, Ole Plogstedt und Andreas Schweiger ihrem Einsatzort im Auto nähern, sehen sie auf einem Bildschirm Bilder von Aichach, vom Milchwerkgelände, vom Sempre Gusto.

Dort angekommen treffen sie auf Sabina Meggle-Würz und Rudolf Würz, die Betreiber des Lokals. „Das war so eine Geschichte, wir trinken gerne Wein“, erzählt Meggle-Würz von der Idee zur Eröffnung der Enoteca.

So ganz zufrieden sind die beiden nach drei Jahren Sempre Gusto allerdings nicht: „Hier muss irgendwann mal was passieren, sonst macht es keinen Spaß“, sagt Rudolf Würz. „Ich nehme was zum Einschlafen“, spricht Sekunden später Sabina Meggle-Würz in die Kamera. Anders gehe es nicht. „Den klaren Blick auf ihren Betrieb haben die beiden verloren“, ergänzt die Sprecherstimme aus dem Off.

Die RTL II-Folge läuft erst seit wenigen Minuten, doch schon ist klar: Bei den „Kochprofis“ wird schnell geschnitten, auch mal zugespitzt und eine Gefühlslage an die nächste gereiht.

„Kochprofis“ in Aichach: Das Testessen hinterlässt gemischte Gefühle

Beim Testessen am ersten der drei Tage bestellen sich Oehler, Plogstedt und Schweiger einmal quer durch die Speisekarte: sizilianischer Schafskäse, Fischfrühstück, Gnocchi mit Bärlauch. Alles wollen sie probieren.

„Es ist relativ viel“, findet auch Koch Norman Ostheeren. Zunächst sind die „Kochprofis“ jedoch angetan. „Ich kann mir vorstellen, hier mit meiner Frau ein nettes Frühstück zu genießen", sagt Plogstedt, der in Hamburg ein Restaurant betreibt. Und: „Das sind wirklich Antipasti, wie du sie in Italien auch isst.“

Bald wird allerdings klar: 55 Gerichte, wie sie im Sempre Gusto auf der Karte stehen, sind für die kleine Küche des Aichacher Lokals zu viele. „Verkocht, sauer, nicht rund.“ „Schon eine recht trockene Angelegenheit.“ Je mehr die „Kochprofis“ von den Hauptspeisen kosten, desto härter werden ihre Worte.

„Ich würde sagen, es ist schlechter als sonst“, versucht Koch Ostheeren sich zu verteidigen. Eine Aussage, die Schweiger so nicht gelten lassen will. Die Bilanz der „Kochprofis“ nach dem ersten Essen: Frühstück gut, Vorspeisen gut, Hauptspeisen verbesserungswürdig.

In der Mitte der Sendung scheint das Sempre Gusto auf der Kippe zu stehen

Das ist allerdings nicht der einzige Punkt, den die TV-Köche im Sempre Gusto angehen wollen. Die Betreiber: zu selten da. Die Struktur: unorganisiert. Der Umsatz: nicht gut genug. Knapp 6000 Euro müssen die Inhaber, Sabina Meggle-Würz und Rudolf Würz, monatlich zuschießen, rechnen sie gemeinsam mit den „Kochprofis“ aus.

Eine Summe, die bei Oehler, Plogstedt und Schweiger Unbehagen auslöst: „Eigentlich sind sie nicht die Richtigen für den Laden“, sagen die Köche bei ihrer Besprechung über das Betreiberpärchen. „Ganz ehrlich: Im Moment wissen wir nicht weiter“, gesteht Plogstedt den Inhabern vor der Kamera.

„Eine Küche, die keine Küche ist. Köche, die eine kleinere Karte brauchen. Ein Chef-Pärchen, das nicht in dem Laden arbeiten kann“, so fasst es RTL II zusammen. Ein weiterer kurzer Moment der Dramatik in der TV-Sendung. „Vielleicht sollten sie sich auch einfach mal mit dem Gedanken anfreunden, einen Nachpächter zu finden“, ergänzt Plogstedt noch.

Doch Rudolf Würz kann die Sorgen „Kochprofis“ verkleinern. Man habe sich verrechnet, sagt er. Monatlich gingen nicht 6000, sondern 3000 Euro verloren. Die Stimmung wird besser. Die Fernsehköche präsentieren ihre Lösungsvorschläge: frühere Öffnungszeiten, Offenheit nach außen, Angebote zum Mitnehmen.

„Ich find’s super“, sagt Koch Ostheeren. „Wenn man es mal probiert hat, muss man sagen: ‚Wahnsinn‘“, kommentiert der zweite Mann in der Küche, Michael Hartmann, ein neues Panino. „Wir glauben ja an euch, aber es muss auch echt was passieren“, sagt „Kochprofi“ Schweiger.

„Kochprofis“: Ein Happy-End in Aichach

Dann steht – fünf Minuten vor Ende der Sendezeit – auch schon der Abschlussabend an. 30 Gäste, vier Gänge, ein guter Start. Doch irgendwann servieren im Stress die Fernsehköche selbst. „Dass wir Köche jetzt den Service hier mitmachen müssen, ist schon schwierig“, kommentiert „Kochprofi“ Plogstedt.

Die Gäste aber bekommen von der Aufregung nichts mit. Es läuft rund. Und am Ende loben sich „Kochprofis“ und Betreiber. „Die Zukunft sehe ich eigentlich sehr gut“, sagt Rudolf Würz. Plogstedt nennt Koch Norman Ostheeren unterdessen einen „total sympathischen Menschen und einen echt guten Koch.“

Doch was bleibt am Ende von einer Stunde „Kochprofis in Aichach“ auf RTL II? Die Sendung ist schnell, vergleichsweise laut, ein wenig konfliktreicher, als es noch vor Ort wirkte. Aber so ist es halt, das Fernsehen.

Für die beiden Betreiber des Sempre Gusto scheint sich das Experiment „Kochprofis“ auf alle Fälle gelohnt zu haben. Das Mitnehm-Angebot werde gut angenommen, der Umsatz sei gestiegen, eine Serviceleitung bald im Einsatz, heißt es im Abspann.

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