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Prozess in Aichach

15.05.2019

Konrektor gesteht: Habe Prüfungsaufgaben an Schüler weitergegeben

Die Prüfungsaufgaben einer Abschlussprüfung soll im Jahr 2018 ein Konrektor einer Schule im Kreis Aichach-Friedberg an Schüler weitergegeben haben.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbol)

Ein Lehrer aus dem Kreis Aichach-Friedberg hat die Deutsch-Aufgaben für die Realschul-Abschlussprüfung an den Sohn seiner Freundin weitergegeben. Nun wurden er und die Frau verurteilt.

Ein Lehrer wunderte sich sehr nach der Realschul-Abschlussprüfung 2018: Ausgerechnet dieser Schüler, der sonst eher schlecht war, glänzte diesmal. Er bekam eine sehr gute Note. Das kam dem Pädagogen einer Schule im Raum Schrobenhausen so spanisch vor, dass er sich ans Bayerische Kultusministerium wandte.

Die darauf folgenden Ermittlungen brachten Erstaunliches zutage: Die Mutter des Schülers war mit dem Konrektor einer Realschule im Landkreis Aichach-Friedberg liiert. Dieser Zusammenhang verschärfte das Misstrauen der Ermittler. Auch an der Schule des Konrektors hatte man bemerkt, dass hier etwas nicht stimmen kann - das Prüfsiegel am Umschlag mit den Aufgaben fehlte.

Prüfungsaufgaben weitergegeben: Lehrer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Ergebnis der Untersuchung: Der heute 44-jährige Pädagoge musste sich am Mittwochnachmittag vor dem Aichacher Amtsgericht wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und Siegelbruch verantworten. Dort legte er ein umfängliches Geständnis ab. Er belastete dabei auch seine 39-jährige Partnerin, mit der er inzwischen ein gemeinsames Kind hat. Er habe die Beziehung mit ihr nicht gefährden wollen, versuchte der Mann eine Erklärung für die Tat, die für allerhand Wirbel sorgte. Der Schulleiter schilderte ausführlich, in welcher Bedrängnis er sich sah, als er am Prüfungstag feststellte, dass die Siegel der Prüfungsaufgaben in mehreren Fächern fehlten. „Ich hab‘ gedacht, ich dreh durch“, so der Direktor.

Richter Walter Hell nahm dem Angeklagten das Geständnis ab ebenso wie die Reue, die er am Ende der Verhandlung zeigte. Hell sagte mit Blick auf die 39-Jährige zum Angeklagten: „Ohne sie wären Sie nicht auf die Idee gekommen, so eine für einen Lehrer inakzeptable Tat zu begehen.“ Er schloss sich mit seinem Urteil dem Antrag von Staatsanwalt Burkard Weiß an: Der 44-Jährige erhielt eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten. Die Frau, die im Gerichtssaal keine Angaben machte, verurteilte er wegen Anstiftung zu einer Geldstrafe von 2400 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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