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Aichach-Friedberg

15.12.2020

Kosten, Dauer, Sicherheit: Aichach-Friedberg plant die Corona-Impfungen

Spätestens im Januar sollen auch im Landkreis Aichach-Friedberg Corona-Impfungen stattfinden.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus Der Landkreis Aichach-Friedberg bereitet sich auf Corona-Impfungen vor. Start ist wohl früher als erwartet. Neues gibt es auch zu Kosten und Sicherheitsfragen.

Wann genau das große Corona-Impfen im Landkreis Aichach-Friedberg losgeht, ist noch offen. Als wahrscheinlich gelten die frühen Januartage. Doch die ersten Vorboten haben das Wittelsbacher Land schon erreicht. Aufklärungsbögen und Schutzausrüstung liegen dem Landratsamt inzwischen vor, demnächst soll auch Impfmaterial folgen. Die Vorbereitungen auf die organisatorische Mammutaufgabe haben die heiße Phase erreicht. Dabei geht es um viel Geld, praktische Fragen - und auch Sicherheitsbedenken.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagte Landrat Klaus Metzger in einem Pressegespräch. "Wir sind bereit. Wenn der Impfstoff da ist, kann es losgehen." Am Dienstag wurde bekannt, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer voraussichtlich am 21. Dezember in Europa zugelassen wird - ein positives Gutachten der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) vorausgesetzt. Wenn der Impfstoff anschließend zeitnah ausgeliefert wird, könnten die ersten Landkreisbewohner noch in diesem Jahr geimpft werden - über die mobilen Impfteams, die insbesondere Pflegeheime besuchen sollen, und im ehemaligen Krankenhaus, wo Angehörige besonders schutzbedürftiger oder systemrelevanter Berufsgruppen Impfungen erhalten sollen. Dort, in der ehemaligen chirurgischen Abteilung, sind 400 bis 500 Impfungen pro Woche geplant.

Start der Corona-Impfungen in Aichach-Friedberg: Viele Fragen sind offen

Alle anderen Landkreisbewohner müssen sich noch gedulden - mindestens bis Anfang Januar, wenn das zweite Impfzentrum im Gewerbegebiet Acht 300 startklar ist. Täglich sollen dort dann 250 bis 300 Impfungen stattfinden. "Das ist aber eine Frequenz, an die wir uns herantasten müssen", sagte Sebastian Koch, organisatorischer Leiter der Impfzentren. Entscheidend sei gerade zu Beginn die Verfügbarkeit der Impfdosen. Noch nicht geklärt ist, wer dann zuerst dran sein soll. Koch erklärte: "Ich vermute, dass die Priorisierungsfrage zeitnah geklärt wird. Das wäre wünschenswert."

Auch darüber hinaus gibt es noch viele offene Fragen, die aber nicht der Landkreis, sondern die Bayerische Staatsregierung beantworten muss - unter anderem die, wie genau die Anmeldungen ablaufen und wie die Landkreisbewohner ihren jeweiligen Prioritätsstatus nachweisen sollen. Unklar zudem: Die Zahl der Impfdosen, die der Landkreis bekommt sowie die geplanten Öffnungszeiten. Landrat Metzger erklärte dazu süffisant: "Wahrscheinlich bekommen wir irgendwann um 8.30 Uhr die Infos, was um 8.31 Uhr umgesetzt sein soll." Angesichts der vielen offenen Fragen sind Anmeldungen für die Impfzentren noch nicht möglich.

Video-Interview mit dem Landrat von Aichach-Friedberg, Klaus Metzger

Impfzentrum im Gewerbegebiet Acht 300: Vitolus GmbH übernimmt Betrieb

Betrieben wird das Impfzentrum im Gewerbegebiet Acht 300 vom externen Dienstleister Vitolus GmbH aus München. Von drei Anbietern, die auf die Ausschreibung reagiert hätten, sei dessen Angebot das "wirtschaftlichste" gewesen, sagte der organisatorische Leiter Koch. "Wir übergeben die Halle leer. Personal, darunter auch vier Ärzte, Ausrüstung, Möblierung und Sicherheitsdienst stellt dann Vitolus." Ein Rundum-Paket, das seinen Preis hat: Pauschal kostet der Betrieb des Impfzentrums 15.500 Euro am Tag. Auch für die mobilen Impfteams zeichnet Vitolus verantwortlich - für pauschal 6000 Euro täglich. Der Vertrag mit dem Dienstleister läuft zunächst bis zum 30. Juni 2021, kann aber nach Auskunft von Koch flexibel verlängert werden. Kosten fallen erst an, sobald der Impfbetrieb startet. Sie werden vom Freistaat Bayern komplett übernommen.

Nach seiner Zulassung wird der Impfstoff aus einem regionalen Verteilzentrum, vermutlich aus dem Uniklinikum Augsburg, in den Landkreis Aichach-Friedberg geliefert. Bevor er verabreicht wird, lagert er maximal eine Woche im Impfzentrum - bei längerer Dauer wären Gefrierschränke notwendig. Nachschub kommt deshalb wöchentlich.

Sicherheitsbedenken: Sind die Impfzentren im Wittelsbacher Land sicher?

Um welchen Impfstoff es sich handelt, ist nach Auskunft des Landratsamts noch offen. Fest steht jedoch: Er ist ein begehrtes Gut - und damit auch interessant für Kriminelle. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, CSU, hat vor wenigen Tagen erklärt: "Es kann Kriminelle geben, die den Impfstoff stehlen, um ihn dann weiterzuverkaufen." Es sei sogar denkbar, dass Extremisten Anschläge verüben oder das Impfgeschehen torpedieren wollten.

Landrat Metzger sagte, er rechne mit keinen Problemen dieser Art. Man stehe jedoch im Austausch mit der Polizei. Beamte der Kriminalpolizei hätten das Impfzentrum in Augenschein genommen. "Es sind verschiedene Szenarien entworfen worden. Wir müssen die Sicherheit im Blick haben." Koch ergänzte, die Impfzentren würden jeden Tag 24 Stunden von einem Sicherheitsdienst überwacht, um Vandalismus zu vermeiden.

Zwischen Aichach und Dasing, im Gewerbegebiet Acht 300, wird Anfang Januar in der Halle von Johannes Ankner das große Impfzentrum für den Landkreis Aichach-Friedberg eröffnet.
Bild: Wolfgang Müller, Landratsamt

Sicherheitsbedenken werden nicht zuletzt auch mit Blick auf den Impfstoff selbst laut. Immer wieder wird kritisiert, dass die aussichtsreichsten Impfstoffkandidaten von Biontech/Pfizer und Moderna in einem relativ neuartigen Verfahren entstanden und mögliche Langzeitschäden unbekannt seien. "Diese Angst ist da, und die kann auch keiner nehmen, weil es manche Erkenntnisse einfach noch nicht geben kann", sagte Heiko Methe, medizinischer Leiter der Impfzentren. Die Impfstoffe seien aber an sehr vielen Personen getestet worden und hätten keinen Einfluss auf das Erbgut der menschlichen Zellen. Dass gravierendere Nebenwirkungen als bei anderen Impfstoffen auftreten würden, sei "eher nicht zu erwarten".

Klinik-Geschäftsführer Mayer zu Impfungen: "Licht am Ende des Tunnels"

"Die Impfungen sind ein Licht am Ende des Tunnels", brachte es Hubert Mayer, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar in Aichach, auf den Punkt. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit nutzen sie mehr als sie uns schaden. Sobald ich dran bin, lasse ich mich sofort impfen."

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