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Verkehr

17.02.2018

Kostenlos mit dem Bus übers Land?

Ein Bus der Linie 221 nach Griesbeckerzell auf dem Aichacher Stadtplatz: Was würde der Busfahrer wohl davon halten, wenn er keine Fahrkarten mehr kontrollieren müsste?
Bild: Erich Echter

Auch im Landkreis wird seit Längerem darüber diskutiert, ob öffentliche Verkehrsmittel umsonst sein sollten. Was die einen für unmöglich halten, finden andere vernünftig.

Kostenlos mit Bus und Bahn fahren – jederzeit und überall. Diese Idee wird seit Tagen im ganzen Land diskutiert. Angefangen hatte alles mit dem Vorschlag der Bundesregierung, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umsonst anzubieten, um dadurch die Abgaswerte zu senken. Ganz neu ist der Vorstoß im Landkreis Aichach-Friedberg allerdings nicht.

Im Oktober erst hatten die Grünen im Kreistag vorgeschlagen, zunächst ein Jahresticket für 360 Euro anzubieten. In einem zweiten Schritt sollte die Fahrt mit Bus und Bahn dann grundsätzlich kostenlos sein. Die Grünen waren der Ansicht, dass die Fahrt zum Nulltarif die Akzeptanz des öffentlichen Nahverkehrs erhöhen würde. Außerdem würden Kosten für Tickets und Automaten wegfallen. Der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) erklärte, dass alle vier AVV-Gesellschafter, also auch die Stadt und der Landkreis Augsburg und Dillingen, bei diesem Vorstoß mitziehen müssten. Allein durch die Einführung der 360-Euro-Tickets würden 20 Millionen Euro fehlen. Der Kreistag wollte die Möglichkeiten des 360-Euro-Tickets noch einmal beraten. In diesem Jahr wird der Landkreis Aichach-Friedberg 7,4 Millionen Euro für den Bus- und Bahnverkehr ausgeben.

Im gesamten Großraum Augsburg nimmt der AVV jährlich rund 70 Millionen Euro mit dem Verkauf von Fahrkarten ein. Die Summe würde bei kostenloser Nutzung der Busse und Bahnen fehlen. Der SPD-Kreisvorsitzende Aichach-Friedberg, Bernd Bante, fragt: „Wie sollen wir das finanzieren? Das ist die große Frage.“ Er sieht die Bundesregierung in der Pflicht und will erst einmal durchdachte Konzepte abwarten. Es müsse nicht unbedingt sinnvoll sein, jede noch so kleine Ortschaft mit 80-Personen-Bussen anzufahren. Wahrscheinlich gehe es zunächst auch um Ballungsräume wie Stuttgart oder München. Auf dem Land sei der Gehalt von Stickstoffdioxid in der Luft nicht das Problem, so Bante.

Meinungen zum kostenlosen öffentlichen Nahverkehr

Der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Peter Tomaschko verweist darauf, dass der Kreis bereits jetzt hohe Ausgaben für Bus und Bahn stemme. Sollte beides umsonst genutzt werden können, müsse es auch eine faire Kostenverteilung geben. „Der Bund müsste den Großteil der Kosten tragen“, findet Tomaschko, auch Länder und Kommunen seien gefragt. Der CSU-Kreisvorsitzende plädiert dafür, dass Bewohner des ländlichen Raums genauso von einem solchen Angebot profitieren wie Städter. Das könne die Attraktivität ländlicher Gebiete steigern. Derzeit müsse die Landbevölkerung für den öffentlichen Nahverkehr tiefer in die Tasche greifen als die Menschen in der Stadt. Tomaschko schätzt, dass die Umsetzung des kostenlosen Bus- und Bahnverkehrs noch etwa zehn Jahre dauern könnte, falls die Gespräche auf Bundesebene jetzt fortgeführt werden. „Die Nachfrage würde steigen, dann müssen auch Angebote da sein“, erklärt der CSU-Landtagsabgeordnete. „Ich denke, es ist ein guter Vorschlag und eine interessante Idee.“

Das findet Iano Soós-Schupfner schon lange. Wegen einer Behinderung darf der Pöttmeser kostenlos mit Nahverkehrsmitteln fahren. Er ist überzeugt, dass die Umwelt davon profitiert, wenn die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehrsmittel nichts kostet, weil dann viele Leute ihr Auto stehen lassen würden. Soós-Schupfner rechnet vor, dass man von Pöttmes aus mit dem Auto noch immer günstiger unterwegs sei als mit einem Busticket. „Es kann doch nicht sein, dass es teurer ist, sich umweltfreundlich zu bewegen“, findet er. Soós-Schupfner verweist zudem auf die soziale Komponente: Manche Leute können sich nicht immer eine Busfahrt leisten. Wären Bus und Bahn kostenlos, würden Fahrscheinkontrollen, Automaten, Fahrtabrechnungen und am Ende selbst die Haftplätze notorischer Schwarzfahrer finanziell nicht mehr ins Gewicht fallen, erklärt er. Man könne alle unter 18-Jährigen kostenlos fahren lassen oder statt einer Kindergelderhöhung dem Nachwuchs die Kosten fürs Busfahren erlassen, schlägt Soós-Schupfner vor. SUVs könnten schließlich auch abgeschrieben werden, das Geld müsse schlicht umverteilt werden.

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