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Bildung

27.06.2017

Kreis Aichach-Friedberg zahlt nur wenig für kirchliche Schulen

Das Gymnasium St. Stephan in Augsburg besuchen auch Schüler aus dem Wittelsbacher Land. (Archivbild)
Bild: Anne Wall

Andere Kreise finanzieren Gymnasien und Realschulen der Diözese und zahlen bei Neubauten mit. Aichach-Friedberg überweist für 800 Schüler (vielleicht) 6000 Euro

Wenn Kinder und Jugendliche aus dem Wittelsbacher Land an Schulen außerhalb der Kreisgrenzen unterrichtet werden, dann zahlt Aichach-Friedberg – und nicht wenig. Rund vier Millionen Euro standen an sogenannten Gastschulbeiträgen in den vergangenen Jahren im Etat. Pro Schüler und Jahr überweist der Kreis zum Beispiel 750 Euro (Realschüler) oder 1525 Euro (Gymnasiasten) an andere Kreise und Städte, abhängig von Schulart und ob es sich um staatliche oder kommunale Schulen handelt. Der Satz ist gesetzlich geregelt – darüber ist nicht zu verhandeln. Ganz anders verhält es sich bei Privatschulen. Hier muss der Kreis nicht mitfinanzieren, freiwillige Leistungen sind aber möglich. Rund 800 Schüler aus Aichach-Friedberg besuchen derzeit kirchliche (private) Realschulen und Gymnasien – der Kreis zahlt bislang keinen Cent.

Ab dem nächsten Jahr könnte das Schulwerk der Diözese aber 6000 Euro an freiwilligen Gastschulbeiträgen bekommen – voraussichtlich. Das hat jetzt der Schulausschuss des Kreistags beschlossen, gegen die Stimmen von Eva Ziegler (Unabhängige) und Berta Arzberger (ÖDP). Den beiden Kreisrätinnen ist der Zuschuss viel zu mickrig. Ziegler verwies auf andere freiwillige Leistungen des Landkreises, die zuletzt beschlossen worden seien, zum Beispiel für den Bau der Messehalle in Augsburg: „Die kirchlichen Schulen genießen einen hervorragenden Ruf. Dort wird sehr gute Arbeit geleistet.“ Peter Kosak, Direktor des Schulwerks (siehe Infoartikel), ließ sich in der Sitzung die Enttäuschung nicht anmerken: „Das ist zumindest ein Einstieg. Wir werden das Beste daraus machen.“

Er hatte sich einen deutlich höheren Zuschuss erhofft, hatte aber schon in einem Vorgespräch mit Landrat Klaus Metzger vor über einem Jahr offenbar auf Granit gebissen. Das Landratsamt fürchtet einen Präzedenzfall für Folgeanträge und die Verwaltung empfahl eine enge Eingrenzung für eine Zuschussrichtlinie. Das Schulwerk beantragte daraufhin nur noch für zwei Schulen in der Nachbarschaft (Realschule Schrobenhausen, Gymnasium St. Ottilien/Geltendorf) Zuschüsse. Die Klosterschule (derzeit 34 Gymnasiasten aus dem Kreis) fiel in der Sitzung durchs Raster und statt der beantragten 100 Euro zahlt der Kreis künftig nur 50 für die aktuell 120 Realschülerinnen an Maria Ward.

Kosak wies in der Sitzung darauf hin, dass sich der Landkreis durch die Angebote des Schulwerks grob gerechnet 800000 Euro an Gastschulbeiträgen im Jahr spart. Alle Landkreise und kreisfreien Städte im Bistum zahlen derzeit unterschiedlich hohe freiwillige Leistungen ans Schulwerk – bis auf Aichach-Friedberg und die Stadt Augsburg. Die Stadt – dort hat eine ganze Reihe von sehr anerkannten kirchlichen Schulen ihren Sitz – schlicht und einfach deshalb, weil die nicht mal genug Geld für die eigenen Bildungseinrichtungen hat. Das Wittelsbacher Land hat sich in mehreren Entscheidungen immer gegen eine Förderung ausgesprochen. Begründung: kein Geld, hohe eigene Bildungsausgaben, grundsätzliche Erwägungen gegen freiwillige Leistungen. Die haben andere Landkreise offenbar nicht – sie zahlen. Der Hintergrund ist klar: Wenn das Schulwerk nicht Träger wäre, müssten sie Realschulen und Gymnasien selbst bauen, unterhalten und betreiben. Das würde ein Vielfaches kosten. Zwei schwäbische Kreise beteiligen sich mit über zwei Millionen Euro im Jahr am Betriebskostendefizit der Schulen. Dazu finanzieren sie Bauprojekte in der Regel in Millionenhöhe mit. Der Kreis Neuburg-Schrobenhausen hat zum Beispiel zuletzt 1,2 Millionen Euro für die neue Doppelsporthalle in Schrobenhausen übernommen. Der Kreis Landsberg bezahlte 2,7 Millionen Euro für einen neuen Klassenzimmertrakt und übernimmt 40 Prozent der Defizits der Realschule in Dießen. Die besuchen übrigens auch sieben Schülerinnen aus dem südlichen Landkreis.

Weil der Nachbarlandkreis aber dafür nach einer internen Vereinbarung mit dem Schulwerk nicht in St. Ottilien mitfinanziert, fällt diese Schule fürs Wittelsbacher Land ebenso aus dem Förderraster wie die Schulen in Augsburg. Der Kreis stellt sich nämlich auf den Standpunkt, dass er nur mitzahlt, wenn die kirchliche Schule auch von der für sie zuständigen Kommune (Kreis, Stadt) bezuschusst wird. Damit bleibt nur noch Schrobenhausen, sprich die 6000 Euro übrig. Aber auch nur dann, wenn das Schulwerk alle geforderten Kriterien für die Bezuschussung exakt nachweisen kann, so der Beschluss im Ausschuss.

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