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Einwanderung

17.04.2013

Krise treibt Südeuropäer nicht in den Kreis

Europa macht es möglich: Auch Griechen und andere Südeuropäer können ohne Probleme nach Deutschland kommen. Das Wittelsbacher Land ist aber offenbar noch nicht attraktiv für sie.

Spanier und Griechen suchen Jobs in Deutschland, das Wittelsbacher Land bleibt aber außen vor. Die meisten Firmen melden keinen Bedarf. Sprache und Klima sind Barrieren für neue Mitarbeiter.

Die Arbeitslosigkeit in Südeuropa steigt auf immer neue Rekordwerte, in Deutschland fehlen Fachkräfte. Indem Menschen aus Spanien, Portugal oder Griechenland in die Bundesrepublik einwandern, wird der soziale Druck in ihren Heimatländern kleiner, und deutsche Firmen profitieren auch. Gerade Großstädte nehmen ständig mehr Zuwanderer aus diesen Gebieten auf. Sind sie auch schon im Wittelsbacher Land angekommen?

Wie es scheint, ist dem nicht so. Eine lange Recherche der Aichacher Nachrichten zeigt, dass wohl kein Südeuropäer wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise im eigenen Land in jüngster Zeit in den Kreis Aichach-Friedberg gekommen ist. So genau weiß es allerdings auch niemand, denn etwa bei der Arbeitsagentur muss sich kein solcher Einwanderer melden, Europa kennt auch bei Jobs keine Grenzen mehr. Dem Landratsamt sind keine Zuzügler aus dem Süden bekannt, große Arbeitgeber wie die Kliniken an der Paar oder Mea verzeichnen ebenfalls keine derartigen Neueinstellungen. Der Inhaber eines spanischen Restaurants kennt niemanden, Kulturvereine auch nicht. Diverse Behörden verneinen genauso wie die Handwerks- sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK).

Es ist aber nicht so, dass niemand aus Südeuropa in den Kreis gekommen ist. Nach Auskunft des Landesamtes für Statistik kamen in 2011 etwas mehr als 30 Personen aus Italien, zwölf aus Griechenland, neun aus Portugal und fünf aus Spanien. Neuere Daten gibt es noch nicht, und dabei ist nicht erfasst, was die Gründe für die Einwanderung sind. Zum Vergleich: Aus Rumänien sind 171 Menschen zugezogen, 28 aus Bulgarien und 20 aus Tschechien.

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Grobe Daten hat auch die Bundesagentur für Arbeit zu bieten. Dort waren im vergangenen Jahr für den Kreis 267 Italiener registriert sowie 105 Griechen und 43 Portugiesen. Genaue Zahlen für die Spanier gibt es nicht, da es demnach so wenige von ihnen im Kreis gibt, dass die Daten anonymisiert wurden.

Das könnte sich aber in den nächsten Jahren ändern, wenn der Mangel an Arbeitskräften größer wird. Davon geht Axel Sir aus. Der Leiter für Internationales bei der IHK sagt im Gespräch mit den AN:. „Früher musste sich ein Auszubildender bei einer Firma bewerben, heute ist es oft schon andersherum. Das wird bei Fachkräften auch so kommen.“ Deshalb versuche die IHK, Kontakte zwischen Firmen in der Region und Behörden sowie Hochschulen im Ausland zu vermitteln. Auch neue Mitarbeiter über die Kammer zu suchen sei möglich. Die Resonanz darauf bezeichnet Sir jedoch als „bescheidenst“. Ein Drittel der Firmen im Bereich der IHK Schwaben habe gemeldet, genügend Fachkräfte zu haben und niemanden aus dem Ausland zu brauchen. Ein weiteres Drittel könne vielleicht bald Bedarf haben, der Rest habe schon Interesse. Bei persönlichen Gesprächen habe sich aber gezeigt, dass der Bedarf nicht so groß sei. Viele Arbeitgeber sehen als größte Barriere laut Axel Sir die Sprache. „Kann der Deutsch, versteht der Schwäbisch oder Bayerisch“, sei eine häufige Frage.

„Der Druck in der Industrie scheint noch nicht groß genug zu sein, in Hotels und Gaststätten schaut das etwas anders aus“, erklärt der Experte. „Unsere Region muss im Ausland beworben werden, dort ist nur München ein Begriff.“. Wenn sich jemand für den ländlichen Raum interessiert, müsse die Sprache noch in der Heimat gelehrt werden. Sobald der neue Mitarbeiter in der Firma angekommen ist, sei es wichtig, sich intensiv um ihn zu kümmern. „Das Klima spielt auch eine große Rolle“, so Sir. „Der neue Job sollte nicht im Winter angetreten werden, sonst läuft der Arbeitnehmer gleich wieder weg“.

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