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Kritik an der Regierung: Gesundheitsamtsleiter Friedrich Pürner folgt seinem Kompass

Kommentar Von Christian Lichtenstern
09.10.2020

Plus Als Epidemiologe kritisiert Friedrich Pürner die Staatsregierung. Damit eckt er an und bekommt Beifall von der falschen Seite. Warum er das in Kauf nimmt.

In einem „normalen“ Jahr wüssten geschätzt 99 Prozent der Bürger des Wittelsbacher Landes nicht, wer Dr. Friedrich Pürner ist. Dass es überhaupt ein Gesundheitsamt im Landkreis gibt und welche Aufgaben diese am Landratsamt angesiedelte Staatsbehörde hat, war bis zum Frühjahr auch nur einer Minderheit bekannt. Pürner würde als Amtschef, wie seine Vorgänger, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, seine wichtige Arbeit vor allem im präventiven Gesundheitsschutz machen. Aber 2020 ist eben kein „normales“ Jahr und Pürner ist bestimmt auch kein gewöhnlicher Chef eines Gesundheitsamtes.

Das ist von Beginn dieser Corona-Krise im März bis heute deutlich geworden, weil der Mediziner nicht nur einmal klar gesagt hat, was er persönlich von der einen oder anderen Maßnahme gegen die Pandemie hält. Von einigen ist er fachlich voll überzeugt, von andern wie der Maskenpflicht für Schüler, Reihen-Testungen oder der Warn-App eben nicht.

Er spricht fachliche Fehler an, egal wie das draußen ankommt

Pürner sagt von sich selbst, dass er „einen klaren Kompass hat“ und kein Problem damit anzuecken. Als Epidemiologe ist er absoluter und anerkannter Fachmann. Wenn er schwere Fehler wie im AWO-Altenheim in Aichach sieht, dann sagt er das und wenn er keine Versäumnisse auf dem Spargelhof Lohner erkennt, dann sagt er das auch – egal wie das draußen ankommt.

Selbst ernannte Corona-Experten bewerten seine Arbeit

Das hat Folgen: Als Gesundheitsamtsleiter muss er alle Vorgaben der Staatsregierung und aus Berlin umsetzen. Und das tut er auch – zu 100 Prozent, wie nicht nur sein „Chef“ Landrat Klaus Metzger, sondern auch Gegner bestätigen. Dass Pürner für seine Aufgabe brennt, seit über einem halben Jahr im Dauereinsatz für seine Aufgabe unterwegs ist, immer ansprechbar und mit seinem medizinischen Fachwissen im operativen Einsatz gegen diese Pandemie im Landkreis Gold wert ist, sehen viele seiner Kritiker nicht. Selbst ernannte Corona-Experten trauen sich hier locker zu, seine Entscheidungen und Einschätzungen zu bewerten.

Pürner steht im Feuer: Das liegt auch maßgeblich an ihm selbst

Dass Pürner so im Feuer steht, liegt am Thema, der aufgeheizten Stimmung und maßgeblich auch an ihm selbst. Um den Weg nach seinem „Kompass“ zu gehen, nimmt er in Kauf, dass er von Strömungen instrumentalisiert wird von denen er sich klar distanziert. Nach seinem BR-Interview am Montag mit deutlicher Kritik an Teilen der Söder-Strategie und einigen angriffslustig formulierten Twitter-Kurznachrichten bekommt Pürner nicht nur Unterstützung von anderen Experten, sondern wird deutschlandweit als Kronzeuge auf Seiten von kruden Verschwörungstheoretikern und rechten Corona-Leugnern aufgeführt.

Er übt Kritik an Corona-Maßnahmen, um sie besser zu machen

Das ist nicht nur sein persönliches Problem. Das erschwert auch seine extrem wichtige Arbeit als Amtschef. Er hat das gewusst und geht trotzdem in die Öffentlichkeit. Warum? Er glaube an Demokratie, Gesprächskultur und Meinungsfreiheit. Das glauben leider nicht mehr alle und nicht alle nehmen ihm diese Intention ab. Dass er Kritik übt, damit wir Dinge besser machen und gesund durch diese Krise kommen, sollte man ihm aber – egal wie man zu Pürner steht – abnehmen.

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