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Aichach

22.01.2020

Kühbacher Brauereifest: Hat die Security zu hart zugelangt?

Wegen zerdepperter Maßkrüge beförderte die Security auf dem Kühbacher Brauereifest eine Gruppe junger Leute nach draußen. Einer von ihnen stand jetzt vor Gericht. (Symbolfoto)
Bild: Ralf Lienert

Plus Wegen zerschlagener Bierkrüge befördert der Sicherheitsdienst junge Männer auf dem Brauereifest nach draußen. Der Einsatzleiter steht vor Gericht.

Zerdepperte Bierkrüge auf dem Brauereifest in Kühbach riefen im Juni vergangenen Jahres Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes auf den Plan. Sie forderten deshalb gegen Mitternacht eine Gruppe junger Männer auf, das Bierzelt zu verlassen. Die weigerten sich, woraufhin die Sicherheitsleute sie mit Nachdruck nach draußen beförderten. Ein 21-Jähriger aus dem Raum Aichach verletzte sich, als er von den Sicherheitskräften zu Boden gebracht wurde. Einer von ihnen, der 32-jährige Einsatzleiter aus dem Nachbarlandkreis Dachau, musste sich deshalb am Mittwoch wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Aichach verantworten. Er hatte gegen einen Strafbefehl über eine zehnmonatige Bewährungsstrafe Widerspruch eingelegt.

Aichach: Junge Leute sollen an einem Tisch Bierkrüge zerschlagen haben

Die Wahrheitsfindung gestaltete sich schwierig, denn es gab zwei Lager: Das der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die aussagten, dass die jungen Männer absichtlich Maßkrüge kaputt gemacht haben. Und das der jungen Leute, die einfach nur am Biertisch gesessen und sich unterhalten haben wollen.

Eine Mitarbeiterin habe ihn angefunkt, dass junge Leute an einem Tisch Bierkrüge zerschlagen würden, sagte der Angeklagte aus. Zusammen mit anderen Mitarbeitern ging der Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes zu dem Tisch und forderte die jungen Männer auf, zu gehen. Die weigerten sich jedoch laut seiner Aussage. Daraufhin zog er den 21-Jährigen am Arm hoch und übergab ihn einem Mitarbeiter, der ihn nach draußen brachte, sagte er aus. Nach einem Tritt gegen sein Bein habe der Mitarbeiter den 21-Jährigen zu Boden gebracht, so der Angeklagte. Er selbst sei daran nicht beteiligt gewesen.

Kühbacher Brauereifest: Hat die Security zu hart zugelangt?

Von einem kaputten Maßkrug habe er nichts mitbekommen, sagte der 21-Jährige aus. Für ihn war es völlig unverständlich, warum die Security-Mitarbeiter die Gruppe zum Gehen aufforderte. Seine Begründung, warum er sich vehement widersetzte: „Wir haben uns gewehrt, weil wir nicht wussten, was los ist.“ Sehr gewaltsam hätten zwei Sicherheitsleute, einer davon der Angeklagte, ihn rausgezerrt, so der 21-Jährige. Dass er dabei einem von ihnen gegen das Bein getreten habe, schloss er nicht aus. „Ich habe mit allem rumgefuchtelt, was ich habe.“ Vor dem Zelt sei er von beiden gleichzeitig geschubst worden und auf dem Boden aufgeschlagen. Dabei zog er sich eine Platzwunde am Kopf zu.

Justiz Aichach: Der Angeklagte stand wegen Körperverletzung schon einmal vor Gericht

Staatsanwalt Daniel Kulawig war überzeugt, dass der Angeklagte an der Aktion beteiligt war. Die Einschätzung einer 47-jährigen Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes, dass der 21-Jährige bestimmt weiter getreten hätte, wenn er nicht gebremst worden wäre, war für Kulawig eine „Mutmaßung“. Dazu kam, dass der Angeklagte unter anderem wegen Körperverletzung schon einmal vor Gericht stand. Der Staatsanwalt plädierte für eine zwölfmonatige Bewährungsstrafe sowie eine Geldauflage in Höhe von 1200 Euro.

Verteidiger Adrian Koppisch hielt es für selbstverständlich, dass „die Zeugen so tun, als ob sie unschuldig sind“. Aus seiner Sicht hatten die Zeugenaussagen nicht ergeben, dass sein Mandant beteiligt war. Koppisch forderte deshalb Freispruch.

Dem schloss sich auch Richter Walter Hell an. Er betonte aber: „Der Freispruch ist nicht sonnenklar.“ Die Platzwunde war für ihn ein Beweis, dass der 21-Jährige gewaltsam zu Boden geworfen worden sein muss. Im weitesten Sinn habe der sich die Verletzung selbst zuzuschreiben, wenn man sich so wehre, so der Richter. Zu dem Angeklagten sagte er: „Der Freispruch ist kein Freibrief für künftige Übergriffe. Hell betonte, dass die Entscheidung knapp war: „Ein anderer Richter kann das anders sehen.“

Gegen den Mitarbeiter des Angeklagten gibt es ein eigenes Verfahren. Er war zur Verhandlung nicht erschienen.

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