1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Kühnhausen kommt nicht von kühn

Geschichte

19.02.2018

Kühnhausen kommt nicht von kühn

Professor Klaus Wolf von der Universität Augsburg und Sarah Rathgeb, die Ortsnamen im Aichacher Land erforscht.
Bild: Gerlinde Drexler

Eine Doktorandin aus Königsbrunn untersucht Ortsnamen im Altlandkreis Aichach. Was Sarah Rathgeb schon alles weiß

Aichach-Unterwittelsbach Das Alter spielt im Namen von Altomünster keine Rolle, Kühe bei Kühbach dagegen schon. Im Vortrag „Von Kühen, Kindern und Kirchen“ geht Sarah Rathgeb am Samstag der Frage nach, wieso Orte im Altlandkreis Aichach so heißen, wie sie heißen. Die knapp 30 Zuhörer im Sisi-Schloss in Unterwittelsbach steuern mundartliche Feinheiten bei.

Ein paar Informationen sind ganz wichtig, um die ursprüngliche Bedeutung eines Ortsnamens herausfinden zu können. Das ist einmal der Zeitpunkt, an dem er zum ersten Mal auftaucht, oder der Bezug zur Siedlungsgeschichte. Wer bisher dachte, dass Kühnhausen etwas mit kühnen Einwohnern zu tun hat, wird von Rathgeb eines Besseren belehrt. Die 29-jährige Königsbrunnerin promoviert nach dem Master der Germanistik an der Universität Augsburg bei Professor Dr. Klaus Wolf zum Ortsnamenbuch des Altlandkreises Aichach. Rathgeb, Stipendiatin der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, gehöre zu seinen besten Studentinnen, sagt der gebürtige Aichacher. Ihre Masterarbeit, in der sie die Urkundensprache Ludwig des Bayern untersuchte, schloss sie mit 1,0 ab. Wolf: „Das künftige Ortsnamenbuch scheint in den besten Händen zu sein.“ Rathgeb durchforstete dafür amtliche Ortsverzeichnisse aus der Zeit vor und nach der Gebietsreform, studierte Karten aus dem historischen Atlas oder dem Vermessungsamt und arbeitete sich durch Originalurkunden in den Archiven. Schriftstücke aus dem 19. Jahrhundert seien am schwierigsten zu lesen, sagt Rathgeb. Auch Belege aus anderen Jahrhunderten scheinen ihre Tücken zu haben: „Das 16. Jahrhundert ist furchtbar zu lesen.“ Alles davor aber sei „sehr schön“.

Zurück zu Kühnhausen. Der Pöttmeser Ortsteil taucht 1264 zum ersten Mal in Urkunden auf. Damals als Chindhusen. Chind bedeute Kind, erklärt Rathgeb. Über Rundungen und Dehnungen der Buchstaben wandelte sich der Name über Kundhusen (1417) zu Kühnhausen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem heutigen Ruppertskirchen bei Altomünster (Kreis Dachau) hat der Name, mit dem der Weiler 815 erstmals belegt ist: Hrodperhtes ecclesia. Im Volksmund werde Ruppertskirchen Schupfaloach genannt, wirft ein Zuhörer ein. Davon hat die 29-Jährige schon gehört. „Ich habe noch nicht herausgefunden, warum das so ist.“

Während bei Todtenweis, dessen Name wohl auf den Gründer Teito zurückgeht, im Wappen nichts darauf hinweist, ist das bei Kühbach anders. Weil es hier ein bedeutendes Kloster gebe, sei die Geschichte des Ortes lückenlos überliefert, so Rathgeb. Bei Chuibach, wie es in alten Urkunden heißt, stehe das Chui für das mittelhochdeutsche Wort Kuh. Und auch im Wappen ist nicht nur ein Bach, sondern auch eine Kuh.

Hochinteressant findet all das Christine Baier aus Aichach. „Als Laie hat man andere Vorstellungen.“ Zum Beispiel bei Altomünster setzte sich für sie der Name aus Alt und Münster zusammen. Von Rathgeb erfährt sie, dass hinter Alto eine Person steht. Schon auf dem Bestellzettel steht das künftige Buch über die Ortsnamen bei einer 56-Jährigen aus Mainbach (Hollenbach). Sie interessiere sich seit der Kindheit dafür, erzählt sie. „Es freut mich, dass der Vortrag so wissenschaftlich ist und so in die Tiefe geht.“

Wann das Buch fertig ist, steht noch nicht fest. Ihr fehlten noch Belege und die Mundarten, sagt Rathgeb. Eine endgültige Schlussfestlegung könne sie noch nicht ziehen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren