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23.06.2009

Landkreis prüft Verbot privater Papierentsorger

Aichach-Friedberg Als private Entsorger die ersten Altpapiertonnen im Landkreis aufstellten, sorgten sie damit bei Vereinen, Rathauschefs und manchen Bürgern für riesigen Ärger. Inzwischen haben sich die Kunden privater Entsorger an die Vorzüge der Altpapiertonne vor dem Haus gewöhnt. Doch mit der Bequemlichkeit könnte es bald wieder vorbei sein. Denn wie im Hauptteil unserer Zeitung berichtet, entschied das Bundesverwaltungsgericht Ende vergangener Woche, dass die Entsorgung von Altpapier Aufgabe der Kommunen ist. Nun können diese selbst entscheiden, ob sie die Blauen Tonnen verbieten.

Bei der Kommunalen Abfallwirtschaft reagierte man gestern positiv überrascht. Er habe mit einem anderen Urteil gerechnet, sagte Sachgebietsleiter Michael Gram. Ob der Landkreis nun gegen private Altpapierentsorger vorgehe, müsse erst geprüft werden. Wenn die schriftliche Urteilsbegründung rechtzeitig vorliege, werde man dem Umweltausschuss am 15. Juli eine Empfehlung geben. Viel zu verdienen sei derzeit mit dem Altpapier nicht. Die Preise hätten sich "auf niedrigem Niveau stabilisiert". Der Landkreis komme beim Erlös "auf Null oder mit einem leichten Minus heraus".

Bei Remondis, Platzhirsch unter den Anbietern der Blauen Tonne im Landkreis, sorgt das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erwartungsgemäß für Kritik. Michael J. Schneider, Pressesprecher des Unternehmens aus Lünen (Nordrhein-Westfalen) mit einer Niederlassung in Aichach, sagt: "Durch das Urteil wird der faire Wettbewerb zwischen Kommunen und privatwirtschaftlichen Anbietern ausgehebelt. Wo Wettbewerb fehlt, hat meist der Verbraucher den Nachteil." Man warte nun die Reaktion der Kommunen ab.

Sein Unternehmen halte an den Blauen Tonnen als dem "leistungsfähigsten aller Sammelsysteme" fest und hoffe, dass die Preise bald wieder anziehen. Auch Wolfgang Gomolka von der Ostermeir Recycling in Markt Indersdorf kritisiert das Urteil: "Es kann nicht sein, dass das Bundesverwaltungsgericht den Bürgern vorschreibt, von wem sie ihr Altpapier entsorgen lassen."

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Bürger sammeln trotz Blauer Tonne weiter Papier für Vereine

Er rechnet damit, dass einige private Entsorger juristisch gegen das Urteil vorgehen werden. Obwohl er sein Unternehmen nicht betroffen sieht, habe er viele Anrufe verunsicherter Kunden erhalten. "Damit schadet der Gerichtsentscheid uns auch."

Obwohl viele Bürger trotz der Blauen Tonnen das Altpapier weiter für "ihre" Vereine aufheben, reagieren die Vorstände erleichtert auf das Urteil. Erich Lachenmayr, Vorsitzender des TSV Rehling, sagte: "Wir begrüßen das Urteil. Für die Vereine ist das Altpapier ein gutes Einkommen." Sie sammelten immer, auch dann, wenn die Preise im Keller seien. Bei privaten Entsorgern sei nicht sicher, ob sie langfristig am Altpapier Interesse hätten. Auch Josef Mollenhauer, Vorsitzender der DJK Gebenhofen-Anwalting, äußerte sich positiv: "Wir hatten durch die Blauen Tonnen keine Einbußen bei unseren Sammlungen. Trotzdem finde ich das Urteil gut. So haben wir das Altpapier für uns."

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