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Medizin

12.10.2018

Landkreis will Gesundheit in Aichach-Friedberg verbessern

Die medizinische Versorgung im Landkreis hat Lücken. Sie sollen nun analysiert und behoben werden.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Gesundheitsmanager soll Schwachstellen im ländlichen Raum analysieren. So soll die ärztliche Versorgung der Menschen im Wittelsbacher Land verbessert werden.

194 niedergelassene Ärzte gibt es derzeit im Landkreis Aichach-Friedberg. Auf jeden von ihnen kommen rechnerisch 677 Einwohner. Damit ist die medizinische Versorgung gut – wäre da nicht ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land. Vor allem in den kleineren Gemeinden gibt es zum Teil erhebliche Defizite, die jetzt angepackt werden sollen. Der Landkreis bewirbt sich deswegen um die Aufnahme in ein Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung mit dem Titel „Gesundheitsregion plus“.

Um den Bedarf für ein solches Programm zu ermitteln, hatte das Gesundheitsamt die 24 Bürgermeister im Landkreis befragt, wie es um die medizinische Versorgung in ihren Städten und Gemeinden bestellt ist. Nur 14 sandten den Fragebogen ausgefüllt zurück, dennoch hält Amtsleiter Friedrich Pürner das Ergebnis für aussagekräftig genug (siehe Infokasten). Und für die Mitglieder des Kreisentwicklungsausschusses war die Erhebung der Auslöser, nach anfänglich kontroverser Diskussion in das Projekt einzusteigen. Fünf Jahre lang soll dazu eine neue Stelle im Gesundheitsamt eingerichtet werden, deren Kosten zum größten Teil vom Freistaat getragen werden: Gesucht wird eine Kraft mit abgeschlossenem Hochschulstudium im Bereich Gesundheitswissenschaften oder Gesundheitsmanagement, die die Schwachstellen in der medizinischen Versorgung analysiert und gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. 223000 Euro zahlt der Staat, mit 107000 Euro ist der Landkreis dabei, pro Jahr also mit rund 21000 Euro. Wie so etwas aussehen kann, berichtete Till Beiwinkel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Geschäftsstelle Gesundheitsregion plus im bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Er schilderte, wie im Landkreis Wunsiedel – ähnlich wie in Aichach-Friedberg – die Erreichbarkeit der Praxen für die Bewohner des ländlichen Raums ein Problem darstellte. Dort wurde in der Folge ein Ärztebus eingerichtet, der in der Art eines Sammeltaxis die Patienten zum Arzt bringt. „Das ist sehr gut angenommen worden“, sagte Beiwinkel. Oft fehlt es an Absprache und Koordination – etwa wenn am Wochenende der ärztliche Bereitschaftsdienst in dem einen Ort sitzt und die Apotheke mit Notdienst kilometerweit entfernt in einem anderen.

Ärztliche Versorgung: Situation verschlechtert sich derzeit

Weiterer Ansatzpunkt könnte eine Verbesserung der Rahmenbedingungen sein, damit sich Ärzte überhaupt im ländlichen Raum niederlassen. Dass sich die Situation derzeit verschlechtert, beklagte Kreisrätin Wally Walkmann (SPD): In Eurasburg habe ein Mediziner aufgehört, ohne einen Nachfolger zu finden. Der zweite Arzt stehe ebenfalls kurz vor dem Ruhestand und nehme keine neuen Patienten mehr auf. Wie Gesundheitsamtschef Pürner erläuterte, spielt für die Entscheidung der Mediziner das Umfeld eine wichtige Rolle. Es komme nicht nur auf die Ausstattung der Praxis oder die Zahl der Patienten an, sondern auch auf die Anbindung an Bus und Bahn oder die Zahl der Parkplätze direkt vor dem Haus.

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Hier sieht Pürner die Städte und Gemeinden gefordert, die auf diesem Feld aber bislang wenig Anstrengungen unternommen haben. 64 Prozent der Bürgermeister antworteten mit Nein auf die Frage, ob sie in der Vergangenheit Maßnahmen umgesetzt hätten, um die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten gezielt zu fördern. Dabei gab es im Ausschuss anfangs noch unterschiedliche Meinungen über Sinn und Zweck der Bewerbung. Marion Brülls (Grüne) vermisste Umweltaspekte in der Aufgabenstellung, und Karlheinz Faller (FDP) mahnte, auch die Gewinnung von Pflegekräften einzubeziehen. Karlheinz Schindler (SPD) fragte sich hingegen, wie eine Kraft das alles überhaupt bewältigen solle: „Das muss ein Wunderkind sein.“ Matthias Stegmeir (CSU) plädierte dafür, den Aufgabenkatalog zu straffen und Prioritäten zu setzen.

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