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Aichach-Friedberg

31.07.2019

Landrat Klaus Metzger: Wir halten beide Krankenhäuser

Neue Arbeitsteilung: In Friedberg wird künftig mehr operiert, im Aichacher Krankenhaus ist künftig der Schwerpunkt für die Innere Medizin.
Bild: Symbolfoto: Ralf Lienert

Plus Das Klinikdefizit schnellt in diesem Jahr auf ein Rekordhoch. Jetzt reagiert der Landkreis und strukturiert um: Was sich in Aichach und in Friedberg ändert.

Friedberg oder sogar das neu gebaute Aichach? Ginge es nach den Fachleuten einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, müsste mehr als die Hälfte der deutschen Krankenhäuser schließen – statt derzeit 1400 gäbe es dann weniger als 600 –, um die Versorgung der Patienten deutlich zu verbessern. Einfach umgerechnet aufs Wittelsbacher Land wäre dann noch nur Bedarf für eine Klinik. Klar, dass Landrat Klaus Metzger von dieser Expertise herzlich wenig hält. Sie würde auf die Entwicklungen in seinem Wachstums-Landkreis auch einfach nicht passen. Für ihn gibt’s kein Entweder-oder, sondern nur: „Aichach und Friedberg. Wir werden alle Kräfte bündeln, dass wir beide Standorte halten. Und wir wollen, dass sie in öffentlicher Hand bleiben.“

Kreistag stellt sich hinter strategische Neuausrichtung

Das sei auch der erklärte Wille des Kreistags, der sich vergangene Woche in einer mehrstündigen Sitzung hinter ein von den Chefärzten ausgearbeitetes Konzept für eine strategische Neuausrichtung und Aufgabenteilung der beiden Krankenhäuser gestellt hat. Kurz gefasst: Aichach wird zum Schwerpunkt für die Innere und Friedberg für die Operative Medizin (siehe Infoartikel). Dazu müssen Patienten zum Teil weitere Wege in Kauf nehmen, beziehungsweise sie werden verlegt. Auch einige Ärzte müssen ihren Arbeitsplatz wechseln. Pflege- und medizinisches Fachpersonal ist davon weniger betroffen. Belegschaft, Betten- und Fallzahlen sollen nach der Umstrukturierung an den beiden Kliniken in etwa gleich bleiben.

Mitarbeiter wurden in Personalversammlungen informiert

Die Mitarbeiter (insgesamt rund 750) wurden am Montag in Personalversammlungen informiert und gestern Nachmittag ging der Landrat mit Chefärzten, Geschäftsführung und Personalräten in einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit. Metzger wollte nach „turbulenten Zeiten“ mit Hiobsbotschaften vor Ort ( Schließung Geburtshilfe Aichach, Defizitexplosion) und von außen wie zum Beispiel der für die kleinen Häuser „wenig hilfreichen Bundespolitik“ ein klares Signal an Belegschaft, Patienten und Bevölkerung aussenden und der brodelnden Gerüchteküche das Feuerholz wegnehmen: Keine Klinik werde geschlossen.

Landrat Klaus Metzger: Wir halten beide Krankenhäuser

Kliniken sollen raus aus den tiefroten Zahlen

Damit er diese Aussage aber auch mittelfristig halten kann, müssen die beiden Klinken raus aus den tiefroten Zahlen, die im ersten Quartal geradezu explodiert sind (wir berichteten). Laut Geschäftsführer Krzysztof Kazmierczak ist auch im zweiten Viertel keine Trendwende gelungen. Setzt sich die Entwicklung so fort, dann müsste der Landkreis in diesem Jahr ein Defizit von elf Millionen Euro ausgleichen. Vorab kalkuliert war bereits ein Rekordminus von 6,5 Millionen für den Betrieb der beiden Kliniken. Metzger machte deutlich, dass der Kreis bereit sei, drei oder vier Millionen für seine Krankenhäuser draufzuzahlen, ein oder zwei Jahre könne er auch so einen hohen Verlust mit elf Millionen Euro schultern, aber sicher nicht dauerhaft.

Neustrukturierung beginnt ab Oktober

Mit der Neustrukturierung, die bereits ab Oktober beginnt und zum Jahresbeginn voll greifen soll, sollen Effizienz und Einnahmen steigen. Durch die Konzentration wird auch den Arbeitszeitvorgaben des neuen Tarifvertrages der Ärzte Rechnung getragen. Einen wahren Befreiungsschlag in Sachen Defizit erwartet Metzger aber nicht: Das sei erst der Anfang, weitere Schritte müssten folgen. Die Vorgaben der Kreispolitik für die Neustrukturierung der Kliniken: zwei Standorte, zwei Geburtshilfen, zwei Notaufnahmen – alles andere sei der Bevölkerung auch nicht zu vermitteln. Vor allem die beiden letzten Vorgaben sind finanziell alles andere als lukrativ.

Sorge vor Reform der Notfallversorgung

Geschäftsführer Kazmierczak erwartet durch mit sogenannten Integrierten Notfallzentren massive Auswirkungen auf die kleinen Kliniken – deren Budgets würden gekürzt. Überhaupt würden die Häuser in der Größenordnung von Aichach und Friedberg deutschlandweit „kaputt gespart“. Den Krankenhausbau finanziere Bayern im Vergleich außergewöhnlich gut. In der Betriebsfinanzierung sehe es für die Krankenhäuser im ländlichen Raum ganz anders aus.

Landrat: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“

Landrat Metzger verwies zwar auch auf die Unwägbarkeiten der Bundespolitik, es gebe aber auch interne Probleme zu lösen: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.“ Im erst Ende 2018 neu bezogenen Krankenhaus Aichach ist ein Teil der Mitarbeiter nicht glücklich über die Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz, räumten Landrat und Geschäftsführer ein. Die Abläufe und die Teams haben sich verändert und die Arbeitsverdichtung habe zugenommen. Nach außen wird dann „Fehlplanung“ kolportiert. Dabei seien sehr viele Mitarbeiter sehr glücklich über ihren hochmodernen Arbeitsplatz, berichtet Kazmierczak.

Ärztlicher Direktor: Es herrscht Unruhe

Christian Stoll, Ärztlicher Direktor in Aichach, betont, dass „uns das Defizit nicht kalt lässt“. Die Umstrukturierung sei eine Chance. Sein Pendant in Friedberg, Norbert Schneider, räumt ein, „dass es keine Lösung ist, die alle zufrieden macht“. Es herrsche Unruhe, so der Chefarzt. Das wissen auch die Personalratsvorsitzenden Sandra Hauptmann (Aichach) und Renate Gnädinger (Friedberg). Die Belegschaft trage das neue Konzept aber mit. Der übergeordnete Konsens: beide Krankenhäuser unbedingt halten – in kommunaler Hand.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kliniken an der Paar sind ein Minenfeld

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