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Mahnfeuer

02.06.2015

Landwirte befürchten weiteres Höfesterben

Mahnfeuer gegen schlechte Milchpreise: Am Sonntagabend brannte es in Unterbachern, direkt an der Staatsstraße Inchenhofen-Pöttmes. Gut 50 Bäuerinnen und Bauern, darunter viele Jungbauern, hatten sich eingefunden, um auf den fortschreitenden Preisverfall bei der Milch aufmerksam zu machen.
Bild: Vicky Jeanty

Am Ortseingang von Unterbachern entzünden Milchbauern am Sonntagabend ein Mahnfeuer. Damit protestieren sie gegen den Preisverfall.

32,5 Cent ohne Mehrwertsteuer – so viel bekommt ein Bauer derzeit für einen Liter Milch. Im November vergangenen Jahres waren es noch 39 Cent gewesen. Josef Baur, Herr über 100 Kühe im Hollenbacher Ortsteil Schönbach, beklagt: „Die Entlohnung geht monatlich um einen Cent zurück.“ Für die Milchbauern bedeute dieser Preis in der Regel ein Minus von mehreren Tausend Euro pro Monat. Eine kostendeckende Arbeit sei damit nicht mehr gewährleistet.

Der Schönbacher Milchbauer ist Kreisvorsitzender im Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM). In dieser Doppelfunktion hatte er am Sonntagabend zum Protest geladen: Mit einem Mahnfeuer in Unterbachern (Inchenhofen) wollten er und weitere Betroffene auf ihre brisante Lage aufmerksam machen.

Die schwarz-rot-goldene Pappmaschee-Kuh am Ortsrand mit der Aufschrift „Faire Milch“ musste auf sie wie Hohn wirken. Von einem fairen Milchpreis kann in den Augen der Betroffenen schon lange keine Rede mehr sein. In seiner Begrüßung prangerte Josef Baur die derzeit äußerst unbefriedigende Situation mit drastischen Worten an: „Leider wurden wir von der Politik und den Verbänden der Molkereiwirtschaft verraten und verkauft.“ Nach den Milchkrisen in den Jahren 2009 und 2012 seien Zusagen aus der Politik nicht eingehalten worden, kritisierte Baur. Ein vom BDM vorgelegtes Konzept zum effizienten Management der Milchmarktkrise sei zwar intensiv diskutiert worden. „Umgesetzt wurde aber nichts“, so Baur. Die Notwendigkeit etwa, das bestehende Sicherheitsnetz für den Milchmarkt zu erweitern, sei in einem wissenschaftlichen Gutachten festgehalten – bisher ohne konkrete Umsetzung. Baur und seine Mitstreiter befürchten, dass mit den derzeitigen Dumpingpreisen für die Milch das Höfesterben in der Landwirtschaft weiter fortschreitet.

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Mit der Mahnwache wollten die gut 50 Betroffenen, die sich am Sonntagabend in Unterbachern eingefunden hatten, auf die Problematik hinweisen. Besonders viele kamen direkt aus Ober-und Unterbachern, aber auch aus Pöttmes sowie den Ortsteilen Schnellmannskreuth, Immendorf, Grimolzhausen und Wiesenbach, aus dem Hollenbacher Ortsteil Schönbach, den Inchenhofener Ortsteilen Sainbach und Ainertshofen, aus dem Aindlinger Ortsteil Binnenbach und Untermaxfeld, einem Ortsteil von Königsmoos (Kreis Neuburg-Schrobenhausen).

Josef Baur formulierte klare Forderungen: So solle die Milchanlieferung in Krisenzeiten zeitlich befristet gedeckelt werden, um einen weiteren Preisdruck zu vermeiden. Zudem müsse ein Anreizprogramm für die zeitlich befristete freiwillige Rücknahme der Milchanlieferung installiert werden. Außerdem solle das Interventionspreisniveau, also die Höhe des garantierten Mindestpreises, deutlich auf über 30 Cent pro Liter Milch angehoben werden. Baur sagte: „Unsere Geduld ist zu Ende.“

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