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09.03.2009

Lang lebe die Stubenmusik

Aichach Bissig und frech sind sie, die Wellküren. Die drei Oberbayerinnen aus Oberschweinbach lassen sich den Mund nicht verbieten. Genau darauf hatten auch die rund 400 Besucher gestern in der Aichacher TSV-Halle gehofft, wo die drei anlässlich des Weltfrauentages auftraten. Die Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Auf den Weltfrauentag stimmte zunächst Kristina Kolb-Djoka, Vorsitzende der veranstaltenden Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), ein.

Bei den Wellküren kamen dann in ihrem neuen Programm "Forever" weder Seehofer noch Mehdorn oder die Banker ungeschoren davon. Aber bevor die drei loslegen, müssen sie doch immer erst mal ihre Familienverhältnisse erklären. Musikalisch natürlich und auf Bayerisch. Schließlich liegt ihr 800 Einwohner zählender Heimatort kurz vor der schwäbischen Grenze. Darauf legen die drei Oberbayerinnen Wert. Außer acht Brüdern, die alle kein Warsteiner Bier trinken, sind dann da noch vier weitere Schwestern. "Wir sind natürlich die scheenern", sind die drei überzeugt.

Aufmüpfig sind die drei auf jeden Fall - und auf keinen Fall auf den Mund gefallen. Mehdorn und die Spitzelaffäre bei der Bahn werden in ihren Liedern genauso verwurstet wie die Geldgeschäfte der Hypobank. "Hoffentlich ist keiner von der Bank da", fällt Moni viel zu spät ein. Da war ihr Mundwerk schon lange mit ihr durchgegangen.

Gegen diese geballte Wortkraft kam nicht einmal ein Schweigegelübde an. Und auch die Mönche in einem "Zizenzerkloster" kapitulierten spätestens, als sie von ihr mit Tipps zu "Wisching Well" bombardiert wurden. Dem Wundertuch, das sie bei jeder Gelegenheit zückt und anpreist: Man könne damit sowohl Satelliten- als auch Kloschüsseln putzen. Zur Not ließ sich damit sogar die eigene Oberweite aufmotzen. Wenn da nur nicht die Schwestern wären, die ihr immer wieder in die Parade fahren.

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Sprachliche Gemeinsamkeiten von Bayern und China

Scheinbar bekommen sich die drei auf der Bühne immer wieder in die Haare. Sie verdrehen genervt die Augen oder tun so, als ob sie die andere für durchgeknallt halten. Die Zuschauer haben ihren Spaß. Bereitwillig singen sie Refrains mit und beteiligen sich an einer Umfrage zum Thema Geburtenrückgang.

"Wir singen für Frieden, Hoffnung und Geld - äh, eine bessere Welt", verkünden die drei in ihrem Friedenssong. Recht derb sind ihre Ansichten über den hessischen Ministerpräsidenten Koch und Angela Merkel, über deren Aussehen sie sich lustig machen. Im "Schlussprotokoll zu den chinesischen Olympischen Spielen" offenbaren sie die sprachlichen Gemeinsamkeiten von China und Bayern.

Wer es noch nicht gewusst hat: Der Zwiefache ist kein Einfacher. Stubenmusik taugt nicht nur zur Empfängnisverhütung, sondern hilft auch bei Depressionen und wird in der Stube und nicht in Mehrzweckhallen gespielt.

Die Schwestern mischen nicht nur kräftig im heimischen Dorfleben mit, sondern versuchen sich auch als Schreiberinnen eines "Stuben-Musicals". Darin beschreiben sie Aufstieg und Niedergang von König Edmund I., der von dem Krankheitserreger Morbus frankonia Pauli dahingerafft wird. Die Zugabe, "mit der wir natürlich gerechnet haben", geben sie zusammen mit ihrer Mutter, Gertraud Well. Die 89-Jährige ist noch immer bei jedem Auftritt der Wellküren dabei.

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