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Pöttmes

16.07.2020

"Lasse keinen im Stich": Interview mit dem neuen Schiedsrichter-Obmann

Lehrwart Adrian Kube (vorne links) und Obmann Stefan Raube (vorne rechts) begrüßen nach bestandener Prüfung die neuen Schiedsrichter.
Bild: August Oberhauser

Plus Stefan Raube leitet seit Januar die Schiedsrichtergruppe Ostschwaben als Obmann. Der 36-jährige spricht über Videobeweis, Zukunft und Corona-Krise.

Stefan Raube vom TSV Pöttmes ist seit rund zehn Jahren als Schiedsrichter aktiv. Seit Januar ist er Obmann der Schiedsrichtergruppe Ostschwaben. Schon zuvor war der 36-Jährige viele Jahre im Gruppenvorstand, unter anderem als Schriftführer aktiv. Nach dem überraschenden Tod von Vorgänger Anton Oberhauser stellte sich der Vorarbeiter der neuen Aufgabe. Der Pöttmeser, der vor seiner Schiedsrichterkarriere beim SV Waidhofen Fußball gespielt hat, zieht nach rund einem halben Jahr im Amt Bilanz und erklärt im Interview, was für die Unparteiischen in der Coronapause besonders schwierig ist und wie es nun weitergeht. Außerdem verrät Raube, was er vom Videoschiedsrichter hält und warum der Unparteiische nicht allzu optimistisch in die Zukunft blickt.

Herr Raube, auch die Schiedsrichter müssen coronabedingt pausieren, wie sehr fehlt Ihnen der Fußball?

Stefan Raube: Nicht nur die Spieler, sondern auch wir Schiedsrichter vermissen den Fußball. Bei mir haben sich auch schon Kollegen gemeldet und gefragt, wann es endlich wieder losgeht. Ich persönlich habe auch ein paar Kilo zugelegt, weil der Sport einfach wegfällt. Aber auch der Austausch und die Versammlungen fehlen – das Kameradschaftliche, das uns Schiedsrichtern sehr wichtig ist.

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Gibt es auch etwas Positives?

Raube: Man hat mehr Zeit für die Familie und ist nicht mehr so gestresst, weil man nicht von Termin zu Termin hetzen muss.

Schiedsrichter freuen sich auf Testspiele

Im September sollen die Punktspiele wieder losgehen. Wie halten sich die Unparteiischen bis dahin fit?

Raube: Ich habe für mich das Joggen entdeckt. Ich weiß, dass viele – gerade die Jüngeren – ins Fitnessstudio gehen.

Kann man eigentlich das Pfeifen verlernen?

Raube: Verlernen kann man das nicht. So wie die Spieler müssen aber auch die Schiedsrichter wieder reinkommen. Das erste Spiel wird auch für uns speziell und etwas komisch sein.

Wie wichtig sind für Sie dann die Testspiele?

Raube: Sehr wichtig. Gerade für die Gespanne ab der Kreisliga, um sich aufeinander abzustimmen. Ganz wichtig ist das für die neuen Schiedsrichter, damit die reinkommen.

Stefan Raube ist seit zehn Jahren Schiedsrichter. Der 36-Jährige führt seit Januar die Schiedsrichtergruppe Ostschwaben als Obmann an. Im Interview verrät der Pöttmeser, wie es um die Unparteiischen steht.
Bild: Sebastian Richly

Fußball: Schiri-Obmann sorgt sich um die Zukunft

Apropos Neulinge, wie verlief der Neulingskurs während Corona?

Raube: Das lief eigentlich ganz gut. Wir haben im Februar angefangen und konnten bis auf zwei Kurstage alles durchbringen. Den Rest sowie die Prüfungen haben wir dann gemacht, als es wieder erlaubt war. Die Neulinge konnten sich online auf die Prüfungen vorbereiten.

Nur vier Neulinge hatten sich zum Kurs angemeldet, machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?

Raube: Die Anzahl ist schon enttäuschend. Die Gruppe wächst ja nur durch die Neulinge. Wenn Ältere aus gesundheitlichen Gründen aufhören müssen, trifft uns das. Die können wir mit vier Neuen nicht einmal annähernd auffangen. Gerade die Jüngeren haben mit Schule, Studium und Arbeit viel um die Ohren und können meist nur ein Spiel pro Woche pfeifen. Viele Reservespiele können wir ja jetzt schon nicht mehr besetzen. Ich persönliche schicke dann einen Schiedsrichter lieber zu einem Jugendspiel und lasse die Reservespiele unbesetzt. Ich finde, die Jugendlichen müssen lernen, wie es geht. Die brauchen einfach jemanden, der den Ton angibt. Rosig sieht es aber nicht aus. Es zeichnet sich nicht ab, dass Vereine mehr Schiedsrichter abstellen. Die haben aber vielleicht gerade auch andere Sorgen.

Was machen Sie gegen den Nachwuchsmangel?

Raube: Wir müssen weiter Werbung bei den Vereinen machen und Jugendliche ansprechen. So bin ich damals auch zur Schiedsrichterei gekommen.

Ein wichtiger Faktor bei den Schiedsrichtern sind die regelmäßigen Lehrabende. Die sind wahrscheinlich in der Coronazeit ausgefallen, oder?

Raube: Ja, das war schwierig. Die Regeländerungen haben wir online kommuniziert. Bei vielen älteren Kollegen geht das von der Technik her aber schon gar nicht. Ich tue mich da auch manchmal schwer. Viele gehen lieber auf eine Sitzung, aber für manche hat Online auch Vorteile. Solche Sachen wie Geburtstagsglückwünsche gehen aber nur persönlich. Wir wollen uns jetzt ab August/September unbedingt wieder treffen. Die Frage ist, ob das dann geht. Wir haben 177 Schiedsrichter, davon sind rund 100 aktiv. 70 bis 80 nehmen durchschnittlich an einem Lehrabend teil.

Sie sind nach dem plötzlichen Tod von Anton Großhauser jetzt seit rund einem halben Jahr Obmann, wie fällt Ihre Bilanz aus?

Raube: Ich wollte die Gruppe nicht im Stich lassen. Aber ich mache das ja nicht alleine, sondern habe ein starkes Team hinter mir, sonst könnte ich das nicht machen. Eine wirkliche Bilanz kann ich aufgrund Corona aber nicht ziehen.

Lennart Ehring aus Griesbeckerzell sagt auf dem Fußballplatz als Schiedsrichter, wo es langgeht. Der 15-Jährige ist auch bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.
Bild: Sebastian Richly

Stefan Raube: Das sind die Aufgaben des neuen Obmanns

Wie hat Ihre Frau reagiert?

Raube: Das ist ein zeitintensiver Posten. Das weiß meine Frau, aber sie weiß auch, wie ich ticke und dass ich meine Gruppe nie hängen lassen würde.

Zuvor waren Sie für die Spieleinteilung zuständig, was ist jetzt anders?

Raube: Das mache ich nach wie vor, aber man hat als Obmann die Verantwortung für die ganze Gruppe. Ich muss führen und bin eigentlich für alles zuständig. Es gibt mehr Termine, und ich muss viel mehr mit den anderen Schiedsrichtergruppen zusammenarbeiten und über alles Bescheid wissen. Aktuell geht das noch, aber ab September wird mir sicher nicht langweilig werden.

Langweilig wird es dann auch den Fußballern nicht, denn die Saison soll fortgesetzt werden. Die richtige Entscheidung?

Raube: Ja. Es ist sportlich die fairste Lösung.

Bei den Profis rollt der Ball schon seit Längerem wieder. Immer öfter in der Kritik steht der „Video-Schiedsrichter“. Wie sehen Sie die Diskussion?

Raube: Ich finde das gut, denn der Fußball ist dadurch gerechter geworden. Da braucht man sich ja nur das DFB-Pokalfinale anschauen. Ich glaube auch nicht, dass die Schiedsrichter dadurch an Autorität verlieren. Für den Schiedsrichter ist der Videobeweis eine große Unterstützung, weil er seine Augen nicht überall haben kann. Im Zweifel wird überprüft, und dann sollte der Schiedsrichter richtig liegen.

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