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Prozess in Augsburg

24.01.2019

Lebensgefährlicher Streit in Aichach ums Kochen

Vor dem Landgericht muss sich derzeit ein 34-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten. Er soll einen Mitbewohner einer Aichacher Asylunterkunft mit dem Messer in den Rücken gestochen haben.
Bild: Symbolbild: Florian Rußler

Plus Im Kampf um die Küche kommt es in einer Asylunterkunft zu einer lebensbedrohlichen Messerattacke. Wie Ärzte und Polizisten vor Gericht den Einsatz schildern.

Als die Beamten der Aichacher Polizei zum Tatort fuhren, war von einer Streitigkeit die Rede. Doch als sie in der Asylunterkunft in Aichach eintrafen, war bald klar, dass es um mehr ging. Ein Mann lag am Boden in einer großen Blutlache, im Rücken eine massive Stichwunde.

Der, der ihn so zugerichtet hatte, sei noch im Haus, hieß es. Die Beamten machten sich auf die Suche. Währenddessen versorgte der Rettungsdienst den Schwerstverletzten. Eine Notärztin und die Rettungsassistenten bewahrten den Mann wohl vor dem Tod. Ein Oberarzt am Uniklinikum Augsburg, wohin der Patient später geflogen wurde, schilderte das so am Landgericht Augsburg.

Dort wurde am Donnerstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter fortgesetzt. Der 34-Jährige ist wegen versuchten Totschlags, gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt (wir berichteten). Er bewohnte mit seiner Verlobten und mit der Familie des Opfers das Erdgeschoss der Unterkunft. Die beiden Parteien aus Nigeria benutzten gemeinsam die dortige Küche. Darin entzündete sich im Mai 2018 an einer Lappalie ein Streit, wie der Sachbearbeiter der Kripo vor der achten Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser berichtete.

Frauen rangeln, dann schalten sich die Männer ein

Die Ehefrau des später niedergestochenen Mannes und die Verlobte des Angeklagten wollten zeitgleich Essen zubereiten. Darüber gerieten sie in Streit und begannen zu rangeln. Als die Männer sich einschalteten, eskalierte die Situation.

Der Anklage zufolge schlug der 34-Jährige mit einem Stock auf Kopf und Rücken der Ehefrau des anderen Mannes ein. Der Stock ging zu Bruch, woraufhin sich der Angeklagte ein Küchenmesser mit einer 20- Zentimeter-Klinge schnappte und nun auf den Ehemann der Frau losging. Laut Anklage verpasste er ihm zunächst drei Kopfstöße; als das Opfer in den Flur flüchtete, stach er ihm in den Rücken. Zudem fügte er ihm zwei Schnittverletzungen zu, ehe ein weiterer Mann den Flur betrat und den Angreifer entwaffnete. Am Eingang brach das 36-jährige Opfer zusammen – laut Notärztin schreiend vor Schmerzen.

Ein Rettungsassistent sagte über den Messerstich: „Es muss mit entsprechender Wucht gearbeitet worden sein.“ Ein Arzt im Uniklinikum tastete später eine gebrochene Rippe. Der Stich war bis in den Brustkorb eingedrungen. Rettungsassistent und Arzt sprachen von „akuter Lebensgefahr“. Es gelang, den Verletzten so zu stabilisieren, dass er ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Dort blieb er zehn Tage.

Polizei bricht Zimmer des Angeklagten auf

Unterdessen bekamen die beiden Aichacher Polizeibeamten nach einer Weile Unterstützung. Die Polizisten durchsuchten die Asylunterkunft und brachen das Zimmer des Angeklagten auf, weil sie ihn darin vermuteten. Doch der Mann war bereits durch das Fenster geflüchtet.

Er tauchte wenig später mit seiner Verlobten auf der Aichacher Polizeidienststelle auf, wo ein Beamter auf sich alleine gestellt war. Er ließ die beiden daher lediglich in die Schleuse. Erst, als auch er Verstärkung bekam, konnte er sich der beiden annehmen. Da der Mann eine kleine Wunde am Hinterkopf hatte und seine Verlobte Prellungen und Schürfwunden aufwies, rief er den Rettungsdienst. Der Mann wurde auf der Dienststelle vorläufig festgenommen. Er sitzt seither in U-Haft.

Angeklagter in Brief: „Habe das nicht getan“

Wiederholt sprachen die Zeugen vor Gericht von massiven Verständigungsschwierigkeiten mit den Beteiligten nach der Tat. Eine Dolmetscherin begleitet den Prozess. Der Angeklagte hörte ihr still und aufmerksam zu. Die Richterin verlas einen beschlagnahmten Brief von ihm. Darin schrieb er: „Ich bin für etwas ins Gefängnis gegangen, das ich nicht getan habe.“ Sein Kontrahent habe ihm mit einer Falschaussage schaden wollen. Prozessbeteiligten zufolge hatte sich seine Verlobte – offenbar in der Absicht, ihn zu entlasten – bei ihrer Aussage am ersten Tag schnell in Widersprüche verstrickt. Die Verhandlung wird am nächsten Donnerstag fortgesetzt.

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