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Kabarett

27.02.2018

Lehrer unter Denkmalschutz

Han’s Klaffl trat im ausverkauften Aichacher Pfarrzentrum auf.
Bild: Brigitte Glas

Schule kann lustig sein – es kommt nur auf den Blickwinkel an. Das zeigt Han’s Klaffl mit seinem zweiten Programm.

Han’s Klaffl hat sie alle wieder mitgebracht. Seine alten Kollegen Sedlmeier, Gregorius, Gmeinwieser und, nicht zu vergessen, den Gütlich. Sie verbringen ihre „Restlaufzeit – Unterrichten, bis der Denkmalschutz kommt“ immer noch am Lukas-Podolski-Gymnasium (LPG), das irgendwo in Bayern steht. Der bayerische Kabarettist und Gymnasiallehrer Klaffl hat am Wochenende im komplett ausverkauften Aichacher Pfarrzentrum sein zweites Programm vorgestellt.

Viel hat sich seit dem ersten nicht verändert, das den Titel „40 Jahre Ferien“ trug. Der Lehrkörper und die Schüler sind im Großen und Ganzen dieselben. Die Umstände am LPG sind wie ehedem, auch wenn Klaffl selbst pensioniert ist. Neu im Team ist Hausmeister Grantinger, der die Fäden zieht.

Klaffl plaudert aus dem Nähkäst-chen und gibt tiefe Einblicke in den Mikrokosmos Schule. Er zieht über Schüler, Lehrer und sonstiges Personal her – und das schwer mit Lehrern durchsetzte Publikum lacht sich schlapp. Man nimmt ihm alles ab, schließlich ist er ein Insider. Mit Klavier und Kontrabass gibt er eine Doppelstunde Frontalunterricht. Der „Staatskabarettist auf Lebenszeit“ bezieht das Publikum immer wieder mit ein. Mal geht er durch die Reihen und sucht sich sein „Opfer“ aus, das auf einer Klingel seine „Rhythmusgruppe“ sein soll, mal darf das Publikum mitsingen. Recht macht man es ihm nicht so schnell, zudem vermisst er des Öfteren die Begeisterung. Wie in der Schule eben.

Seine Kollegen und er, alles Spät-68er, sind heute längst zu der Erkenntnis gelangt, dass schlechte oder schlicht nicht vorhandene Leistungen nur zwei Ursachen haben können: Dummheit oder Faulheit, schlimmstenfalls beides. Aber im Zeugnis darf das so nicht stehen, sagt er. Der Schulbetrieb habe dafür eine ganz eigene Sprache entwickelt: Zeugnisch. Die Wahrheit dürfe schließlich in einer solchen Schuljahresabrechnung nicht ungeschönt dokumentiert werden. „Von dem, was ihr Bub nicht kann, könnten locker noch drei weitere Schüler durchfallen“ geht schon mal gar nicht, auch wenn es stimmt, sagt Klaffl. Stattdessen muss das „große Potenzial, das noch ausgeschöpft werden kann“, den Eltern vor Augen geführt werden.

Während die Besucher sich am Ende der Pause nicht vom Catering trennen können, scheucht Klaffl sie, verkleidet als Hausmeister Grantinger, zurück ins „Klassenzimmer“. Er beschäftigt sich mit den „kulturellen“ Veranstaltungen im Schuljahr, wie dem Feueralarm, der dank des Kollegen Gmeinwieser zwar lebensecht gestaltet ist, aber gründlich daneben geht. Und er zieht Parallelen zwischen dem Wandertag der Schüler und dem Personalausflug der Lehrer. Auch da verändere sich über die Jahrzehnte nichts.

Immer wieder greift Klaffl in die Tasten oder Saiten und singt seine Versionen einiger sehr bekannter Schlager- und Popmelodien. „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ wird bei Klaffl zur Hymne über die große Pause. Auch Seitenhiebe auf die bayerische Bildungspolitik bleiben nicht aus. Ebenso die geforderte Zugabe. Da bringt Klaffl noch einen Dialog zweier obercooler Schüler, die sich über ihre Zukunft Gedanken machen. Was sie werden wollen? Lehrer oder Schulleiter! Schule kann so lustig sein – es kommt nur auf den Blickwinkel an.

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